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OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: "Ende eines Experiments", Kommentar zur ...




09.02.18 20:26
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: "Ende eines Experiments", Kommentar zur Entwicklung an


den Märkten in den vergangenen Tagen mit Blick auf die nächste Woche


von Dietegen Müller


Frankfurt (ots) - Wer eine rasche Beruhigung nach dem Flash Crash


in New York zu Wochenanfang erwartet hat, sieht sich enttäuscht: Die


Aktienkurse sind nach kurzer Erholung wieder unter Druck geraten.


Die Korrektur von gut 10% seit dem Rekord Ende Januar gemessen am


S&P 500 ist in den Augen von William Dudley, Chef der New York Fed,


aber unbedeutend - "Small Potatoes". Es ist zu hoffen, dass es sich


hier nicht um eine Neuauflage legendärer "Peanuts" handelt.



Verschiedene Dinge kommen in der Korrektur zusammen. Nicht zuletzt


eine größer werdende Zahl von Marktteilnehmern, die eine neue


Marktphase mit steigender Inflation erwarten, ausgehend von den USA.


Da Kurse im Orderbuch "an der Grenze" gemacht werden, reicht es,


wenn einige Akteure nicht mehr bereit sind, zu den hohen Bewertungen


noch in den Markt einzusteigen. Diese gehen wohl davon aus, dass


die Zinsen über einen längeren Zeitraum und kontinuierlich steigen


dürften. Bisher wurde vielleicht nur von ein, zwei Zinsschritten


ausgegangen. Resultieren daraus steigende Realzinsen, schmälert dies


den Barwert der künftigen Gewinne der Unternehmen, und die Bewertung


sinkt - die Aktienkurse fallen.



Skeptiker warnen seit Jahren, auf die schrittweise


Liquiditätsdrosselung durch die Notenbanken seien viele


Marktteilnehmer, wenn es dann dazu kommt, nicht vorbereitet. Da die


Bewertungen immer höher gestiegen sind, könnte das Ende dieses


Experiments zu weiteren Turbulenzen führen, weil die Effekte daraus


unterschätzt werden. Hinzu kommt die Neigung zu "Deficit Spending" in


wichtigen Wirtschaftsregionen, was Sorgen vor einer Geldentwertung


befeuert.



Die bisherige Korrektur kam abrupt, ist aber bisher moderat: Der


S&P 500 ist auf den Stand von November zurückgefallen. Das


(erwartete) Auslaufen der Wertpapierkaufprogramme großer Notenbanken


stellt den Beginn des Endes des größten geldpolitischen Experiments


moderner Wirtschaftsgeschichte dar. Es ist gut möglich, dass der


Markt angesichts dieser Dimension noch heftiger reagieren wird.


Niemand weiß, ob die unerwünschten Nebeneffekte sichtbar werden,


wenn die enorme Liquidität wegfällt.



Die Veröffentlichung des US-Konsumentenpreisindex am Mittwoch gilt


darum als bedeutsam. Jim Reid, Ökonom bei der Deutschen Bank, geht


davon aus, dass sich dann entscheiden dürfte, ob der Bullenmarkt


eine Fortsetzung findet oder ob die Korrektur weitergeht, sprich eine


neue Zeitrechnung beginnt.



Abrupte, heftige Kursveränderungen sind ein Zeichen, dass neue


Informationen verarbeitet werden. Hinzu kommt ein technischer Faktor:


Das Ende der Ära üppiger Liquiditätszufuhr dürfte die


Schwankungsbreite der Kurse - die Volatilität - erhöhen. Die


Volatilität war zuvor über viele Jahre hinweg stetig gesunken.


Experten verwiesen als Ursache dafür auch auf die quantitative


Lockerungspolitik der Notenbanken.



Am vergangenen Montag machte der Chicagoer Volatilitätsindex Vix


nun den größten je verzeichneten Sprung nach oben. Auch in Frankfurt


zog der VDax New an. Es muss sich zeigen, ob es sich um eine Episode


handelt oder ob die Volatilität dauerhaft höher bleibt. Es muss sich


auch zeigen, was dies dann für die riesige Zahl an Finanzprodukten


bedeuten würde, die inzwischen mit Volatilität verknüpft sind.


Erfahrene Fondsmanager halten sie für sehr komplex, da sie teils


"Derivate auf Derivate" darstellen. Kommt Fremdfinanzierung ins


Spiel, könnten daraus ungewollte Ansteckungseffekte resultieren, weil


etwa am Kassamarkt Zwangsverkäufe nötig werden.



Wie groß die mit Volatilität verknüpften Anlagesummen sind, ist


unklar. Schätzungen reichen laut Bloomberg bis 2 Bill. Dollar. Sie


entfallen auf Strategien, die Anlagen nach Risikobeitrag gewichten


(Risk Parity), oder auf Volatilitätszielfonds, Hedgefonds oder


Exchange Traded Products (ETP). Société Générale schätzt dabei die


mit dem Vix verbundenen ETP auf "nur" 8 Mrd. Dollar Volumen.



Es gibt aber Marktteilnehmer, die hier Ansteckungseffekte


befürchten. Ein Indiz war der Kurseinbruch der Aktien der Credit


Suisse am Dienstag. Die Bank hat eine börsengehandelte


Schuldverschreibung ausstehend, Velocity Shares Daily Inverse VI


(XIV). Nach dem Rekordsprung des Vix brach deren Wert um 90% ein


(vgl. Grafik). CS habe so einen substanziellen Handelsverlust


erlitten, wurde kolportiert. Die Bank dementierte - sie sei


abgesichert gewesen. Wie im Prospekt dargelegt wird das Produkt nun


zu einem Bruchteil des früheren Werts aus dem Handel genommen.


Erleiden nun weitere Vola-Produkte ein ähnliches Schicksal, wird das


den Markt belasten.



(Börsen-Zeitung, 10.02.2018)



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