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OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Besser (zu) spät als nie!, Kommentar ...




14.06.18 20:37
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: Besser (zu) spät als nie!, Kommentar zur EZB von Mark


Schrörs


Frankfurt (ots) - Die EZB hat es also getan: Nach der gestrigen


Zinssitzung stellte der EZB-Rat ein Ende der in Deutschland heftig


kritisierten Anleihekäufe (Quantitative Easing, QE) zum Jahresschluss


2018 in Aussicht.

Zwar ließ sich der Rat einige Hintertürchen offen


und EZB-Präsident Mario Draghi betonte wiederholt die "Flexibilität"


der Euro-Hüter. Unter dem Strich steht aber die Botschaft: Mit QE ist


Ende 2018 Schluss. Das ist gut so - und aktuell durchaus auch mutig!



Denn so mancher Beobachter runzelt die Stirn, dass die Europäische


Zentralbank (EZB) ausgerechnet in Zeiten zunehmender globaler


Handelsstreitigkeiten und der politischen Turbulenzen in Italien das


Ende von QE ins Visier nimmt. Trotzdem ist der Schritt mehr als


angemessen: Bei allen Risiken und bei aller Unsicherheit - Wachstum


und Inflation in Euroland rechtfertigen längst keine Geldpolitik


mehr, die gar noch lockerer ist als in der Weltfinanzkrise. Und auch


ohne zusätzliche QE-Nettokäufe bleibt die Geldpolitik noch auf Jahre


extrem expansiv.



Der ein oder andere spekuliert nun über die "wahren" Beweggründe


der Euro-Hüter. Hat sie das Gefühl beschlichen, den optimalen


Zeitpunkt für den QE-Ausstieg verpasst zu haben? Vielleicht.


Tatsächlich wäre ein früherer Exit nicht nur möglich, sondern


vermutlich gar angezeigt gewesen. Will die EZB Rom klar machen, dass


die neue Regierung nicht auf die EZB hoffen sollte, wenn sie


überzieht? Vielleicht. In jedem Fall ist es ein richtiges Signal,


dass es keine Rettungsaktion der EZB für Italien geben wird. Zur


ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass die EZB bei QE zunehmend an


selbst gesetzte Grenzen stößt. Trotzdem ist es positiv, dass sich


Draghi & Co. von den aktuellen Widrigkeiten nicht haben beirren


lassen.



Dass EZB-Präsident Mario Draghi nun die Flexibilität betont, ist


verständlich. Die Hürde für eine Abkehr vom Ausstieg ohne


Gesichtsverlust liegt aber wohl recht hoch - und das sollte sie auch!


Dass der EZB-Rat zugleich einen - wenn auch vagen - Zeitpunkt


benennt, bis zu dem er die Leitzinsen voraussichtlich nicht anhebt,


ist aber heikel. Im aktuellen Umfeld soll das wohl die


Marktteilnehmer für das QE-Ende beschwichtigen. Das aber kann schnell


zum Problem für die Glaubwürdigkeit werden - und die Marktakteure


könnten allzu schnell die eigene Urteilsbildung vernachlässigen. Und


last but not least gilt auch bei den Zinsen zumindest perspektivisch:


Leitzinserhöhungen sollten nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag


vertagt werden.



Bei aller Kritik im Detail bleibt aber das Urteil: Das jetzige


Signal für ein Ende von QE ist absolut richtig - und überfällig. Oder


anders: Besser (zu) spät als nie!



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