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19.10.18 20:31
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: Ansteckungsrisiko, ein Marktkommentar von Dietegen


Müller


Frankfurt (ots) - Die Haushaltsplanung der instabilen römischen


Regierungskoalition stößt in Brüssel auf Ablehnung - und auch an den


Finanzmärkten.

Der Risikoaufschlag zwischen zehnjährigen


Bundesanleihen - Triple-A-geratet - und entsprechenden italienischen


Papieren - die noch zwei Stufen über Ramsch eingestuft werden - ist


zum Wochenschluss zeitweise auf 338 Basispunkte gestiegen. Das ist


der höchste Stand seit März 2013.



Ende der neuen Woche wird S&P Global Ratings neu darüber


entscheiden, wie Italien bonitätsmäßig bewertet wird. Eine Mehrheit


der Marktakteure geht von einer Senkung des Ausblicks aus. Moody's


und Fitch haben ihren Ausblick bereits auf "negativ" gesenkt.


Längerfristig wird befürchtet, dass die italienischen Staatspapiere


dann ihre anlagewürdige Einstufung verlieren könnten. Die Folge wäre


ein enormer Verkaufsdruck, da viele institutionelle Investoren dann


gezwungen wären, die Buoni del tesoro poliennali aus dem Portfolio zu


nehmen.



In der kommenden Woche wird aber auch die Europäische Zentralbank


(EZB) wieder ihre Zinssitzung abhalten. Spekuliert wird, ob die


gestiegene Inflationsrate die Währungshüter dazu bewegen könnte, sich


etwas "hawkisher" zu äußern oder mehr Details zur Normalisierung der


Geldpolitik zu geben, etwa, ob auslaufende Anleihen reinvestiert


werden.



Eine straffere europäische Geldpolitik ist wegen der zahlreichen


Risikofaktoren für die Konjunkturentwicklung - der Handelsstreit ist


nur einer davon - jedoch unwahrscheinlich. Darüber hinaus hat das


Thema Italien hohe Qualität, zu einer sich selbst erfüllenden


Prophezeiung an den Märkten zu werden.



Wer auf steigende italienische Renditen wettet, hat derzeit eine


Reihe schwer widerlegbarer Argumente zur Hand. Da ist die steigende


Wahrscheinlichkeit, dass es nach einer außergewöhnlich langen Phase


des Wachstums zu einer Abkühlung der Konjunktur kommt. Dies würde


auch das Wachstum Italiens begrenzen. Das Land leidet ohnehin bereits


unter einem niedrigen Potenzialwachstum. Dadurch besteht die Gefahr,


dass der Primärüberschuss, den Italien in den vergangenen Jahren


stets erzielen konnte, ins Negative dreht. Der Haushaltssaldo wäre


dann noch tiefer im Minus als geplant, der Schuldendienst noch


belastender.



Andererseits könnte Italien am Markt Probleme bekommen. Das


Auslaufen des EZB-Anleihekaufprogramms dürfte die Finanzierungskosten


tendenziell ohnehin etwas erhöhen. Die Gretchenfrage ist, welche


Risikoprämie der Markt bald von Italien verlangt. Laut UBS sind die


italienischen Staatstitel so gepreist, als wären sie Ramsch. Doch


neigen Märkte zum Überschießen. Sollten tatsächlich in großem Stil


Investoren (auch Banken) italienische Anleihen abstoßen, stiegen die


Rendite weiter, obwohl dies durch die - nachlaufende -


Ratingentwicklung nicht gedeckt ist. Ein anderes Risiko wäre ein


"Käuferstreik", ein Szenario, das etwa die DekaBank für möglich hält,


sollte Italien sein Investment-Grade-Rating verlieren.



Weil viele italienische Investoren große BTP-Bestände halten,


würde ein Einbruch der Kurse zu einem nationalen Teufelskreis führen,


der aber das Potenzial hat, sich über den Bankensektor als


Ansteckungskanal auf ganz Europa auszudehnen. Nach wie vor leiden


italienische, aber auch viele andere europäische Banken unter


schwacher Profitabilität. Da bleibt wenig Spielraum für Probleme.



Dass sich am Freitag der Chef von Ubi Banca bemüßigt sah zu sagen,


sein Institut habe in den Stresstests der europäischen Bankenaufsicht


EBA nie schlecht abgeschnitten und werde damit nun auch "nicht


beginnen", spiegelt die Nervosität, die in Italiens Finanzsektor


herrscht. Laut der Ratingagentur Fitch dürften italienische Banken


durch die ausgeweiteten Anleihespreads wahrscheinlich bedeutsame


Kapitaleinbußen erlitten haben. Der Banken-Sektorindex ist auf den


niedrigsten Stand seit 2016 abgerutscht.



Unter solchen Vorzeichen ist es gut möglich, dass die EZB ihre


erste Zinserhöhung seit 2011 hinauszögert. Die Notenbank hat bisher


stets erklärt, sie halte die Zinsen bis "mindestens über den Sommer


2019" auf Rekordtief. Laut Reuters wird eine Leitzinsanhebung am


Markt nun erst im Oktober 2019 statt im September 2019 erwartet.



Das "mindestens" könnte auch deswegen mehr Gewicht erhalten, weil


in der abgelaufenen Woche erstmals deutlich anziehende Renditen in


spanischen und portugiesischen Staatspapieren zu sehen waren. Die


Ansteckungsgefahr, die von Italien ausgeht, ist real. Dies dürfte


auch mit ein Grund dafür sein, dass europäische Aktien nun unter


ihrem fairen Wert notieren - wie die Deutsche Bank errechnet hat.



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