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14.01.21 20:47
dpa-AFX

Der Anti-Ghosn, Kommentar zur neuen Strategie von Renault von Gesche


Wüpper


Frankfurt (ots) - Der Unterschied zu seinem Vorgänger könnte nicht größer sein.


Statt wie Carlos Ghosn vollmundig ehrgeizige Ziele zu verkünden und später


Entschuldigungen zu finden, warum diese nicht eingehalten werden konnten,


stapelt der neue Renault-Chef Luca de Meo lieber tief. Der von ihm präsentierte


Strategieplan ähnelt dem Programm, mit dessen Hilfe Carlos Tavares die


Opel-Mutter PSA von 2014 an wieder auf die Erfolgsspur gebracht hat. Damals


reagierten Investoren zunächst verschnupft, da sie den Plan von Tavares zu


vorsichtig und nicht ambitioniert genug fanden. Inzwischen jedoch wird er in der


Branche von vielen als Vorbild gelobt.



De Meo distanziert sich mit seinem Plan bewusst von Ghosn - und das ist auch gut


so. Denn der hat den Autobauer mit der durch seine Verhaftung und anschließende


Flucht ausgelösten Affäre in eine tiefe Krise gestürzt und die Allianz mit den


japanischen Partnern auf eine harte Probe gestellt. Die von dem neuen


Renault-Chef relativ unverblümte Kritik an der Massenpolitik Ghosns dürfte


Balsam auf deren Seelen sein. Das wiederum wird der Automobilgruppe helfen,


endlich mit dem schmerzhaften Kapitel abzuschließen und nach vorn zu schauen.



Die operative Marge Renaults soll nun bis 2023 wieder auf mehr als 3 Prozent


steigen, bis 2025 auf mehr als 5 Prozent. Gleichzeitig soll der kumulierte


operative Free Cash-flow der Automobilsparte 2021 bis 2023 rund 3 Mrd. Euro


betragen, 2021 bis 2025 dann rund 6 Mrd. Euro. Das klingt nicht gerade


spektakulär. Doch angesichts der schwierigen finanziellen Lage, in der sich


Renault befindet, tut de Meo gut daran, realistische Ziele zu stecken und nicht


das Blaue vom Himmel zu versprechen. Immerhin musste der Automobilkonzern im


ersten Halbjahr 2020 einen operativen Bargeldmittelabfluss von 6,38 Mrd. Euro


verkraften, während die operative Marge auf minus 6,5 Prozent einbrach.



Mit seinen konservativen Zielen tritt de Meo jedoch nicht nur aus dem Schatten


seines einst gefeierten Vorgängers Ghosn, er reagiert damit auch auf das Umfeld,


das sich für die Branche nicht nur wegen der Covid-19-Pandemie grundlegend


gewandelt hat. Renault steckt genau wie PSA, als Tavares 2014 seinen ersten


Strategieplan präsentierte, tief in den roten Zahlen. Dennoch sind die


Grundvoraussetzungen verschieden, da de Meo nun nicht nur die strukturellen


Schwächen Renaults ausgleichen, sondern auch Antworten auf den Wandel finden


muss, vor dem die Branche steht. Nur dann wird der Autobauer künftig vorn


mitfahren können.



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Telefon: 069--2732-0


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Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/30377/4812622


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