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OTS: BVR Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken / ...




18.05.18 10:18
dpa-AFX

Mittelstand im Zenit?


Berlin / Frankfurt am Main (ots) - Studie von BVR und DZ BANK


zeigt Allzeithoch bei Lagebewertung - Investitionsneigung sinkt -


weiter steigende Eigenkapitalausstattung und geringer


Finanzierungsbedarf - fast ein Drittel der Unternehmen hofft bereits


auf steigende Zinsen.



Im deutschen Mittelstand ist die Stimmung so gut wie nie zuvor.


Nach der Studie "Mittelstand im Mittelpunkt", die Resultate der


Bilanzanalyse des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und


Raiffeisenbanken (BVR) und der Mittelstandsumfrage der DZ BANK


enthält, bewerten 92 Prozent der mittelständischen Unternehmen ihre


aktuelle Lage mit "gut" oder "sehr gut". Das ist der höchste Wert


seit dem Start der Umfrage im Jahr 1995. Auch der "VR


Mittelstandsindikator", der Daten zur Geschäftslage, den Erwartungen,


dem Personalstand und den Preisen aggregiert, erreicht derzeit mit


41,4 Punkten sein bestes Ergebnis seit dem Frühjahr 2011. Sorgen


machen den Mittelständlern derzeit allenfalls der Fachkräftemangel


und die Bürokratie.



Uwe Berghaus, Firmenkundenvorstand der DZ BANK, erklärt: "Während


sich das ifo Geschäftsklima seit Ende des vergangenen Jahres mehrmals


in Folge verschlechterte, weist der VR Mittelstandsindikator weiter


nach oben. Weil im deutschen Heimatmarkt die Binnennachfrage immer


noch robust ist, scheint der Mittelstand auf die ersten Anzeichen


einer leichten globalen Konjunkturabkühlung nicht unmittelbar negativ


zu reagieren."



Allerdings zeigt die Studie auch eine deutliche Spreizung zwischen


großen und kleinen Unternehmen sowie zwischen verschiedenen Branchen.


Mittelständler mit bis zu 20 Beschäftigten machen sich weit


überdurchschnittlich Sorgen über ihre Konkurrenzsituation, die


Kosten- und Steuerbelastung sowie die Bürokratie, was ihre Bewertung


der Lage insgesamt merklich belastet. Bei den Branchen ist der


negative Ausreißer die Agrarwirtschaft: 27,5 Prozent der befragten


Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage als "eher


schlecht" und "schlecht".



Die insgesamt positive Stimmung setzt sich fort, wenn es um die


Erwartungen für die nächsten sechs Monate geht. Der Mittelwert


übertrifft deutlich seinen langjährigen Durchschnitt. Mit der


Unternehmensgröße steigt der Optimismus und differenziert stark nach


Branchen. Am wenigsten zuversichtlich zeigten sich wieder die


mittelständischen Unternehmen der Agrarwirtschaft, deren Erwartungen


sich im Vergleich zur Herbstumfrage zudem eingetrübt haben. Sonst


haben sich die Erwartungen nur noch im Ernährungsgewerbe und im


Metall-, Automobil- und Maschinenbau verschlechtert. Allerdings fiel


der Rückgang hier jeweils nur gering aus.



Mittelstand bleibt Jobmotor, investiert aber weniger



Entsprechend der guten Stimmung planen 30,3 Prozent der


mittelständischen Unternehmen, in den nächsten sechs Monaten ihren


Personalbestand auszubauen. Vor sechs Monaten waren es "nur" 27,8


Prozent und der Durchschnittswert der vergangenen 22 Jahre beträgt


sogar lediglich 21,7 Prozent. Verringert hat sich zudem die Zahl


derer, die einen Personalabbau planen. Nach 7,0 Prozent im Herbst des


vergangenen Jahres waren es aktuell nur noch 4,1 Prozent - ein


Rekordtief. Der langjährige Durchschnitt liegt bei 15 Prozent. Diese


Umfrageergebnisse werden auch durch die Entwicklung des letzten


halben Jahres bestätigt: In den vergangenen sechs Monaten haben fast


36 Prozent der Mittelständler in Deutschland Personal eingestellt,


und nur weniger als 10 Prozent verringerten ihren Personalbestand.



Wenn es um Investitionen geht, sind die mittelständischen


Unternehmen trotz der guten Lage und ihres Optimismus im Vergleich


zum Vorjahr zurückhaltender geworden. Wollten im Herbst 2017 noch


81,8 Prozent aller Mittelständler in den nächsten sechs Monaten in


ihr Unternehmen investieren, so sind es jetzt "nur" noch 78,3


Prozent. Noch deutlicher zeigt sich diese Diskrepanz, wenn man nach


Branchen und Größenklassen differenziert: Im Dienstleistungssektor


ist die Investitionsbereitschaft von annähernd 85 Prozent vor einem


Jahr auf 72 Prozent gesunken. Und nur 68,4 Prozent der kleinen


mittelständischen Unternehmen (Jahresumsatz unter 5 Mio. Euro) planen


im Verlauf der kommenden sechs Monate zu investieren.



"Es ist bemerkenswert, dass Teile des Mittelstands bei ihren


Zukunftsinvestitionen trotz exzellenter Lage nachlassen", sagt


Berghaus. "Offenbar erlaubt es die starke Nachfrage den Firmen in


einigen Branchen, ihren Erfolg vor allem durch Preiserhöhungen und


höhere Margen zu festigen - zumindest vorübergehend." Tatsächlich


zeigt die Umfrage, dass die Mehrheit der mittelständischen


Unternehmen in den nächsten sechs Monaten Preiserhöhungen plant. Der


gestiegene Ölpreis sowie höhere Einkaufspreise sollen an die Kunden


weitergereicht werden. Dementsprechend rechnen 27,1 Prozent der


befragten Mittelständler mit steigenden Absatz- und Verkaufspreisen;


lediglich 4,9 Prozent mit Preissenkungen. Auch die tatsächlich


durchgeführten Preisanpassungen im vergangenen halben Jahr fielen


deutlicher aus als die Planungen. So erhöhten 37,6 Prozent der


mittelständischen Unternehmen in Deutschland in den letzten sechs


Monaten ihre Preise.



Der Firmenkundenvorstand der DZ BANK rät den Mittelständlern, bei


strategisch wichtigen Themen weiter vorausschauend zu agieren: "Nur


mit kontinuierlichen Investitionen in die Digitalisierung und


Internationalisierung bleibt der deutsche Mittelstand auf Dauer


zukunftsfähig."



Finanzierungsbedarf gering, Wunsch nach höheren Zinsen kommt auf



Das starke Selbstbewusstsein der Unternehmen basiert auch auf


einer immer besseren Ausstattung mit Eigenkapital: Die


durchschnittliche Eigenkapitalquote (Median) erhöhte sich von 26,1


Prozent in 2015 auf 27,7 Prozent in 2016. Der Indexwert der


Eigenkapitalquote legte 2016 um 11,4 Punkte auf 198 Punkte zu. Dies


verdeutlicht, dass sich die Quote gegenüber dem Durchschnittswert der


Jahre 2001 bis 2010 (14,0 Prozent) nahezu verdoppelt hat. "Die


betriebswirtschaftliche Lage des deutschen Mittelstands mit seiner


hohen Eigenkapitalausstattung ist insgesamt weiterhin sehr solide.


Zudem ist der Anteil der dauerhaft ertragsschwachen Unternehmen eher


niedrig", erklärt Andreas Martin, Vorstandsmitglied des


Bundesverbands der Deutschen Volksbanken Raiffeisenbanken (BVR).



Dementsprechend ist auch der Finanzierungsbedarf geringer als in


früheren konjunkturellen Aufschwungphasen. Gleichzeitig ist zu


beobachten, dass die firmeneigene Expertise in Finanzfragen zunimmt.


Größeren Unternehmen stehen oft eigene Mitarbeiter zur Verfügung, die


früher einmal im Finanzwesen gearbeitet haben. Zudem planen die


Mittelständler, vermehrt solche Mitarbeiter einzustellen. Heute


vertrauen bereits 29 Prozent der Firmen diesen Finanzexperten,


während künftig 38 Prozent der Unternehmen bei Finanzentscheidungen


auf diese Mitarbeiter setzen wollen. Ungeachtet dessen wird die


Beziehung der Hausbank von vielen Mittelständlern weiterhin hoch


geschätzt: Rund 98 Prozent bezeichnen das Verhältnis zur Bank als


"gut" oder "sehr gut". Dementsprechend klagt nur einer von zehn


Mittelständlern über schwierige Finanzierungsbedingungen, was sowohl


auf die gute Eigenmittelausstattung wie auch auf die Zusammenarbeit


mit der Hausbank zurückzuführen sein dürfte.



Die gute finanzielle Situation der mittelständischen Unternehmen


mag auch das auf den ersten Blick überraschende Ergebnis der Umfrage


erklären, dass fast ein Drittel (29,1 Prozent) der Mittelständler


steigende Zinsen erhofft. BVR-Vorstand Andreas Martin: "Ein großer


Anteil der Mittelständler finanziert sich mittlerweile aus dem


eigenen Cashflow und profitiert nur wenig oder sogar gar nicht von


den günstigen verfügbaren Krediten. Umgekehrt leiden auf der anderen


Seite der Bilanz viele Unternehmen darunter, dass ihre Zinseinnahmen


aus Anlagen stark zurückgegangen sind." So geben fast die Hälfte der


befragten Mittelständler an, dass ihre Zinseinnahmen aus Anlagen


sinken. Dieser Anteil hat sich gegenüber Herbst 2016 und gegenüber


Herbst 2015 jeweils merklich erhöht. "Viele Mittelständler sind in


der Tendenz von Kreditnehmern zu Anlegern geworden. Für sie erweist


sich die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank als ein


zweischneidiges Schwert", sagt Martin.



Die Daten für die VR Mittelstandsumfrage wurden in der Zeit vom


05. März bis 06. April 2018 im Rahmen einer telefonischen Umfrage


erhoben. Die Stichprobe von 1.500 Unternehmen ist repräsentativ;


befragt wurden Inhaber und Geschäftsführer mittelständischer


Unternehmen in Deutschland.



OTS: BVR Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken


newsroom: http://www.presseportal.de/nr/40550


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Pressekontakt:


Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)


Pressesprecherin Melanie Schmergal, Telefon: (030) 20 21-13 00,


presse@bvr.de, www.bvr.de



DZ BANK AG


Pressesprecher Sebastian Müller, Tel. (069) 74 47-92 748


sebastian.mueller@dzbank.de, www.dzbank.de









 
 

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