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Neue Westfälische (Bielefeld): Rückkehr zu G9 soll Ruhe an den Gymnasien schaffen Frommer Wunsch Lothar Schmalen, Düsseldorf




14.11.17 21:05
news aktuell

Bielefeld (ots) - Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
Diese ironische Frage möchte man der neuen NRW-Landesregierung bei
der Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit stellen. Denn die
schwarz-gelbe Koalition und ihre Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP)
hätten es wie die Nachbarn in Niedersachsen ganz einfach machen
können. Alle Gymnasien kehren zum G9-Abitur zurück. Fertig. Die
Begründung wäre ebenso eindeutig wie klar: Das Turbo-Abitur hat keine
Akzeptanz an den Schulen und bei den Eltern gefunden, und außerdem
ist es pädagogischer Unsinn. Aber nein: In Nordrhein-Westfalen muss
alles offenbar ganz kompliziert sein. Obwohl auch hier inzwischen
klar ist, dass das Turbo-Abi schlicht in den Papierkorb der
Schulgeschichte gehört, wird mit viel Hirnschmalz eine Regelung
erfunden, für die derjenige, der sie durchblicken soll, wenigstens
das Abitur (und wenn es geht: kein Turbo-Abitur) braucht. Schuld
daran ist, dass das neue Gesetz vor allem Ausnahmen regeln soll - die
Ausnahme, gegebenenfalls doch beim eigentlich für pädagogisch nicht
sinnvoll erklärten Turbo-Abi bleiben zu können, die Ausnahme, dass
gegen eine Entscheidung der Schulkonferenz, bei G8 bleiben zu wollen,
am Ende doch der Schulträger ein Veto einlegen kann, die Ausnahme,
dass an Schulen, die sich eigentlich dazu entschlossen haben, bei G8
zu bleiben, später doch noch irgendwie G9 eingeführt werden kann.
Ministerin Gebauer erhofft sich von der Rückkehr zu G9 endlich Ruhe
an den Gymnasien in NRW. Ihre Hoffnung dürfte ein frommer Wunsch
bleiben. Denn jetzt wird es an den Gymnasien erst einmal
Diskussionen, vielleicht auch richtig Streit in den Schulgemeinden
geben. Und da auch der spätere Wechsel von G8 zu G9 und umgekehrt
nicht ausgeschlossen ist, wird die Debatte vielleicht noch Jahre
dauern. Warum so kompliziert, wenn es auch einfach geht? Auf die
Frage hatte die Schulministerin nur eine Antwort: Weil es so im
Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP vereinbart worden ist. Dass
auch Lehrerorganisationen und kommunale Spitzenverbände die
konsequente Abschaffung des Turbo-Abiturs und die verbindliche
Wiedereinführung von G9 für alle Gymnasien lieber gesehen hätten,
unterstreicht, dass die einfachere Lösung auch für
Nordrhein-Westfalen die bessere gewesen wäre. Vielleicht wäre dann
auch deutlicher geworden, dass das Konzept der Schulministerin auch
eine Menge vernünftiger Verbesserungen für die Gymnasien bereit hält.



Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

Original-Content von: Neue Westfälische (Bielefeld), übermittelt durch news aktuell

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