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Neue Westfälische (Bielefeld): Atom-Deal vor dem Aus Die Hardliner werden profitieren Benedikt Schülter




12.10.17 20:00
news aktuell

Bielefeld (ots) - Sollte sich Donald Trump dabei durchsetzen, den
Atom-Deal mit dem Iran zu kippen, spielt er ausgerechnet denjenigen
in die Hände, die der twitternde Hitzkopf aus dem Oval Office so
verachtet: den religiösen Eiferern in Teheran. Insbesondere den
Revolutionsgarden ist das Abkommen ein Dorn im Auge. Die Pasdaran
kontrollieren Teile von Politik, Wirtschaft und Streitkräften des
Irans. Sie sind ein Staat im Staat und eine tragende Säule der
islamischen Republik. Dabei unterstehen sie nur dem Ajatollah Ali
Chamenei, nicht der gewählten Regierung. Obwohl sie sich
hauptsächlich dem religiösen Führer verpflichtet fühlen, sind ihre
Ziele oft von höchst weltlicher Natur. Kein lukrativer
Wirtschaftsdeal ohne die Revolutionswächter. Die Erfahrung müssen
viele deutsche Firmen machen, die im Iran investieren. Der Atom-Deal
war nicht nur der größte außenpolitische Erfolg von Barack Obama, er
war auch ein Erfolg des amtierenden iranischen Präsidenten Hassan
Rouhani. Dieser verfolgt schon lange eine Strategie, die auf eine
Normalisierung der Beziehungen zum Westen zielt. Er konnte sich nach
seiner Wiederwahl in seiner Außenpolitik bestätigt fühlen. Immerhin
gewann er die Wahl mit großem Abstand, obwohl sich die
wirtschaftliche Lage der iranischen Bevölkerung bisher nicht spürbar
verbessert hat. Eine Öffnung hin zum Westen wünschen sich nämlich
viele zumeist junge und urban lebende Iraner. Sie sehnen sich nach
Lockerungen der stringenten Regeln, die in dem islamischen Land
herrschen. Sie lieben die amerikanische Kultur und Lebensweise. Viele
haben Verwandte in den USA. Sie stößt Trump nun vor den Kopf. Schon
lange beklagt Rouhani den stetig wachsenden Einfluss der
Revolutionswächter. Nach dem Atom-Deal bedrängten ihn die Hardliner
und warfen ihm vor, vor dem Westen eingeknickt zu sein. Sie würden
sich nach einem Scheitern des Atom-Deals darin bestätigt fühlen. Und:
Die Gefahr einer nuklearen Bewaffnung des Irans würde steigen.
Schließlich ist die Führung bestrebt, die Sicherheit des eigenen
Landes zu gewährleisten. Dabei geht es dem religiösen Regime und
insbesondere den Revolutionswächtern darum, die eigene Macht zu
erhalten. Eine Atomwaffe schützt ungemein vor einer Invasion fremder
Mächte. Der westliche Einfluss würde weiter schwinden. Ausbaden muss
das die junge iranische Bevölkerung.



Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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