LUDWIG BECK-Aktie: attraktive Value Story wird um E-Commerce-Einstieg bereichert




19.03.12 11:34
Montega AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Hendrik Emrich und Leif Buscher, Analysten der Montega AG, stufen die Aktie von LUDWIG BECK weiterhin mit "kaufen" ein.

LUDWIG BECK habe diese Woche die endgültigen Zahlen für 2011 berichtet und im Rahmen einer Analystenkonferenz erläutert. Das Management habe auch auf der Roadshow in Frankfurt die exzellenten Zukunftsperspektiven des Unternehmens sowie die nachhaltige Value-Story der Aktie bestätigt.

Gegenüber den im Januar veröffentlichten vorläufigen Zahlen habe es keine Überraschungen gegeben, allerdings habe die vorgeschlagene Dividende von 0,45 Euro (inkl. 0,10 Euro Sonderdividende anlässlich des 150-jährigen Firmenjubiläums) oberhalb der Analystenschätzung (0,40 Euro) gelegen. Aufgrund der Veränderung des Konsolidierungskreises (LUDWIG BECK habe sich in 2011 von weiteren Filialen getrennt) habe sich der filialunbereinigte Bruttoumsatz um 3,7% reduziert, während die filialbereinigte Top Line um 1,7% habe zulegen können. Damit habe der Nettoumsatz mit 86,8 Mio. Euro leicht unterhalb der Analystenprognosen (87,4 Mio. Euro) gelegen.

Die EBIT-Marge habe mit 14,8% nicht ganz das Niveau aus 2010 (15,2%) erreicht, was v.a. am jubiläumsbedingten Sonderaufwand (insgesamt 1,2 Mio. Euro) gelegen habe. Dennoch habe LUDWIG BECK hier die Analystenschätzungen (12,6 Mio. Euro) mit 12,9 Mio. Euro leicht übertreffen können. Auf Nettoebene habe LUDWIG BECK von Sondereffekten aus einer steuerlichen Betriebsprüfung und dem Kauf der Feldmeier GmbH (insgesamt 1,4 Mio. Euro) profitiert. Das Nettoergebnis sei somit um 36,2% auf 8,8 Mio. Euro gestiegen, doch auch vor Sondereffekten habe das Nettoergebnis um ca. 15% auf 7,4 Mio. Euro gesteigert werden können.

Das "Kaufhaus der Sinne" am Marienplatz inkl. FÜNF HÖFE (mache mittlerweile über 95% der Konzernumsatzes aus) habe im Vergleich zum deutschen Textilmarkt auch in 2011 erneut überproportional wachsen können. Während die Entwicklung in der Textilbranche in 2011 stagniert habe, habe LUDWIG BECK den Nettoumsatz des Stammhauses um 2,3% von 81 Mio. Euro auf ca. 82,9 Mio. ausweiten und damit erneut die erfolgreiche Umsetzung seiner Trading Up-Strategie bestätigen können.

Auch das hohe Margenniveau, das sonst nur von vertikalen Modeunternehmen wie H&M erreicht werde, belege abermals die Ausnahmestellung des Unternehmens im Münchener Einzelhandelsmarkt, der durch eine extrem hohe Beständigkeit und Kaufkraft gekennzeichnet sei. Trotz des limitierten Platzangebotes im Stammhaus und der ausschließlich auf den Standort München fokussierten Premiumstrategie plane das Unternehmen auch im laufenden Jahr mit einem Top Line-Wachstum von 2 bis 3% und einem EBT von 10 bis 12 Mio. Euro (10,9 Mio. Euro auf bereinigter Basis in 2010).

Die Wetterlage sei im textilen Einzelhandel ein wichtiger Erfolgsfaktor. Sei das Geschäft in 2011 überwiegend durch schwierige Wetterlagen geprägt gewesen (verregneter Sommer, milder Herbst und Winter), habe sich dieser Effekt in 2012 bisher umgekehrt. In Q1 habe LUDWIG BECK zunächst von der ab Januar plötzlich einsetzenden Kälteperiode (hier habe viel Winterbekleidung abverkauft werden können) sowie von dem mittlerweile frühlingshaften, sonnigen Wetter im März profitiert. Insgesamt dürfte das Umsatzwachstum in Q1/2012 über 5% yoy erreichen.

Weiterhin sei jüngst der Einstieg in den Onlinehandel bekannt gegeben worden (geplant ab Herbst 2012). Allerdings beschränke sich dieser zunächst ausschließlich auf den Kosmetikbereich, da hier - anders als bei Textilien - kaum Warenrückläufer zu erwarten seien. Insgesamt verfüge der E-Commerce im deutschen Kosmetiksegment über ein Marktvolumen von 140 bis 150 Mio. Euro, von dem der Marktführer Douglas etwa 50% abdecke. Auch wenn hier aufgrund der hohen Marketingaufwendungen (CapEx dürfte von 1,5 Mio. Euro in 2011 auf 4,0 Mio. in 2012 steigen) initial mit Verlusten gerechnet werde, sollte das Unternehmen hierdurch mittelfristig spürbare Wachstumsimpulse verzeichnen. Nach Unternehmensangaben sei allerdings frühestens ab 2014/2015 mit positiven Ergebnisbeiträgen zu rechnen.

Dennoch würden die Analysten diesen Schritt für überfällig halten, da auch Stammkunden, die nicht aus München kämen (insgesamt werde inzwischen ein Drittel des Konzernumsatzes mit Touristen - Käufer mit Wohnsitz außerhalb Bayerns - generiert), dadurch hochwertige Kosmetika von LUDWIG BECK über das Internet beziehen könnten. Zudem konzentriere sich LUDWIG BECK auch in diesem Bereich klar auf Premiummarken und -produkte, die z.B. Douglas nicht im Sortiment habe.

Aufgrund der Akquisition der Feldmeier GmbH für 10,1 Mio. Euro im Oktober 2011 halte LUDWIG BECK mittlerweile fast 70% der Immobilie am Marienplatz. Durch ein gesichertes Vermächtnis der Herren Feldmaier (rd. 75 Jahre alt) würden künftig auch die restlichen Anteile an LUDWIG BECK übergeben, so dass die Immobilie perspektivisch zu 100% gehalten werde. Aktuell stehe die Immobilie mit rd. 72 Mio. Euro in der Bilanz, was aufgrund des boomenden Münchener Immobilienmarktes und der absoluten Top Lage erhebliche stille Reserven beinhalte, die allerdings mittelfristig nicht gehoben werden dürften.

Insgesamt biete sich Investoren eine selten gewordene nachhaltige Value Story, die mittelfristig um Wachstumsimpulse aus dem Einstieg in das E-Commerce Geschäft bereichert werde. Die Guidance des Unternehmens (Umsatzwachstum in 2012 von 2 bis 3%) halte man angesichts des starken Jahresauftaktes und des Einstiegs in den Online-Handel zum Weihnachtsgeschäft für konservativ. Entsprechend würden die Analysten ihre Prognosen moderat anheben.

Die Aktienmarkthausse seit Jahresbeginn sei an der LUDWIG BECK-Aktie bislang komplett vorbeigegangen, sodass man ein erhebliches Aufholpotenzial des Titels sehe. Vom Newsflow könnten die erwartet guten Q1-Zahlen ein Impuls hierfür sein.

Die Analysten der Montega AG bekräftigen ihre Kaufempfehlung für die LUDWIG BECK-Aktie mit einem Kursziel von 26,50 Euro. (Analyse vom 16.03.2012) (19.03.2012/ac/a/nw)

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