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EU-Kommission dreht Biokraftstoffen den Hahn zu




30.11.16 13:42
news aktuell

Berlin (ots) - Ölmühlen-Industrie lehnt Pläne entschieden ab.
Entwurf konterkariert EU-Ziele einer nachhaltigen Landwirtschaft,
gefährdet die europäische Eiweißfutterversorgung und führt zu weniger
Klimaschutz im Straßenverkehr.

Den heute von der Europäischen Kommission vorgelegten Entwurf der
novellierten Erneuerbaren-Energien-Richtlinie weist OVID entschieden
zurück. Die Pläne sehen eine stufenweise Absenkung des Anteils
konventioneller Biokraftstoffe an den Erneuerbaren Energien im
Verkehrssektor von derzeit 7 auf 3,8 Prozent bis 2030 vor. "Mit
diesen Plänen hat sich die EU-Kommission erneut vor den Karren der
Teller-Tank-Debatte spannen lassen und verkennt die Bedeutung von
Biokraftstoffen als wichtigem Rückgrat einer nachhaltigen und
ausgewogenen Landwirtschaft und einem bedeutenden Standbein der
Ölmühlen", sagt Wilhelm F. Thywissen, Präsident von OVID Verband der
ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.

Mit der Obergrenze von 7 Prozent für Biokraftstoffe aus
pflanzlichen Ölen, Zucker und Stärke hat sich die EU im Jahr 2015 auf
einen für alle Seiten verträglichen und angemessenen Rahmen geeinigt.
Dabei war in langwierigen Debatten bereits allen ökonomischen,
ökologischen und sozialen Aspekten Rechnung getragen worden. "Es
bleibt unverständlich, warum die Kommission von diesem erst vor einem
Jahr geschlossenen Kompromiss nun schon wieder abkehren will. Wir als
Produzenten benötigen Planungssicherheit und keine Politik nach
Gemütslage und Tagesform", so Thywissen.

Ein Auslaufen konventioneller Biokraftstoffe wie Biodiesel hat
fatale Folgen für Landwirtschaft und Klimaschutz. Raps als wichtiger
Rohstoff liefert nicht nur Öl für Nahrungsmittel und Biodiesel sowie
als Koppelprodukte Lecithin und Glycerin, sondern auch hochwertiges
Eiweiß für die Fütterung von Rindern, Schweinen und Geflügel. Die
Ackerfrucht verbessert darüber hinaus die Bodenqualität und ist damit
unverzichtbar für eine nachhaltige Fruchtfolge. "Heimische,
gentechnikfreie Eiweißfuttermittel stehen aktuell hoch im Kurs. Wenn
die EU-Kommission Biokraftstoffe zum Auslaufmodell erklärt, sind
zusätzliche Importe von Soja notwendig, um den Bedarf an
Eiweißfuttermitteln zu decken - mit der Konsequenz von mehr
Gentechnik im Tierfutter", so Thywissen. Allein 2015 wurden durch die
Verarbeitung von Raps zu Biodiesel mehr als 12 Millionen Tonnen
Eiweißfuttermittel in Europa gewonnen. Das führt zu einem
Selbstversorgungsgrad der Europäischen Union von 35 Prozent. Dieser
wird zu mehr als der Hälfte von Rapsschrot getragen, in Deutschland
sogar zu 80 Prozent. Im Falle eines kompletten Verzichts auf
Biodiesel müsste die Europäische Union zusätzlich 14 Millionen Tonnen
Sojabohnen aus Südamerika importieren, um die Eiweißfutterversorgung
zu decken. Das würde zu einer Ausweitung des Sojaanbaus führen mit
entsprechenden Verlusten an wertvollen Regenwäldern.

Im Straßenverkehr sind Biokraftstoffe die derzeit einzig wirklich
funktionierende Alternative beim Klimaschutz: 2015 ersparten sie der
Atmosphäre 6,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Raps-Biodiesel stößt im
Schnitt 70 Prozent weniger Treibhausgase aus als fossile Kraftstoffe.

"Setzt sich die EU-Kommission mit ihren realitätsfernen Plänen
durch, führt das neben einem dramatischen Rückgang des Rapsanbaus
zwangsläufig zum Aus wichtiger Ölmühlenstandorte in Deutschland mit
entsprechenden Verlusten an Arbeitsplätzen und Wertschöpfung", betont
Thywissen. Ölmühlen sind moderne Bioraffinerien. Der vorgelegte
Entwurf zur Erneuerbaren-Energien-Richtlinie läuft politischen
Bestrebungen einer verstärkten biobasierten Wirtschaft auf
europäischer und deutscher Ebene zuwider, bei denen Pflanzenöle
fossile Rohstoffe mehr und mehr ersetzen sollen.

OVID fordert das Europäische Parlament sowie den Rat auf, sich in
den nun anstehenden Verhandlungen für den Erhalt der 7 Prozent an
konventionellen Biokraftstoffen bis 2030 einzusetzen - und damit eine
ausreichende Versorgung an Eiweißfuttermitteln, mehr Klimaschutz im
Straßenverkehr und eine zukunftsfähige Ölmühlenwirtschaft zu fördern.



Pressekontakt:
Cornelia Schröpfer / Maik Heunsch
Am Weidendamm 1A, 10117 Berlin
Tel: +49 (0)30 / 72 62 59 - 58
presse@ovid-verband.de

Original-Content von: OVID, Verband der ?lsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell

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