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Danone führt Lebensmittel-Ampel ein - foodwatch begrüßt Vorstoß und fordert verbindliche Regel für alle Lebensmittelhersteller




14.06.18 15:49
news aktuell

Berlin (ots) - Die Verbraucherorganisation foodwatch begrüßt den
Vorstoß des Lebensmittelkonzerns Danone, auf seinen Produkten
freiwillig eine Lebensmittel-Ampel einzuführen. Andere Hersteller
müssten dem Beispiel jetzt folgen. Außerdem sei die Politik
gefordert, endlich eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung in
Ampelfarben vorzuschreiben, forderte foodwatch. Die Nährwertangaben
aller Danone-Produkte sollen schrittweise ab 2019 auf den
Verpackungsvorderseiten zusätzlich mit einer Ampelkennzeichnung
dargestellt werden. Zudem unterstütze man eine verbindliche Regelung.
Das erklärte der französische Konzern am Donnerstag bei einer
Veranstaltung im Bundestag.

"Danone hat erkannt, dass sich die Verbraucherinnen und
Verbraucher die Nährwert-Ampel wünschen", sagte Luise Molling von
foodwatch. "Aber wenn Danone alleine vorprescht, ist die
Kennzeichnung nutzlos. Die Idee der Lebensmittel-Ampel ist, dass
Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt verschiedene Produkte
schnell miteinander vergleichen können - das geht nicht, wenn nur ein
Hersteller die Ampel einführt. Wir brauchen eine einheitliche und
verpflichtende Ampel, kein Kennzeichnungs-Wirrwarr. Der durch eine
Ampelkennzeichnung entstehende Anreiz, Zucker, Fett und Salz zu
reduzieren, muss zudem für alle Hersteller gelten."

Auf dem französischen Markt druckt Danone bereits das gleiche
Ampel-System auf seine Produkte: das sogenannte NutriScore-Modell.
Das Modell wurde vergangenes Jahr von der französischen Regierung -
auf freiwilliger Basis - eingeführt und bereits von zahlreichen
Unternehmen übernommen. NutriScore wurde unabhängig von der
Lebensmittelindustrie von Wissenschaftlern entwickelt und nimmt eine
Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem
günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und
dann miteinander verrechnet werden. Schließlich wird das Ergebnis mit
einer fünfstufigen Farbskala dargestellt, die zugleich mit den
Buchstaben A-E hinterlegt ist. Ein Produkt mit einem günstigen,
ausgewogenen Nährwertprofil erhält somit eine grüne Einordnung und
den Buchstaben A, ein sehr unausgewogenes Produkt enthält eine rote
Bewertung und den Buchstaben E.

Das NutriScore-Modell unterscheidet sich damit von dem
Ampel-Modell, das die englische Lebensmittelbehörde FSA bereits 2007
entwickelt hatte. Diese "Original-Ampel" zeigt nicht eine einzige
Farbskala, sondern vier: jeweils für die Zutaten Fett, gesättigte
Fette, Zucker, Salz. Beide Systeme haben in einem großen
Vergleichstest der französischen Regierung dazu geführt, dass
Menschen gesünder einkaufen. foodwatch würde sowohl die Einführung
des britischen Originals als auch des französischen Modells
befürworten. Die Verbraucherorganisation kritisierte hingegen erneut
von der Industrie selbst entwickelte Kennzeichnungsmodelle. So
möchten die fünf großen Lebensmittelkonzerne Coca-Cola, Mondelez,
Nestlé, PepsiCo und Unilever ein eigenes Ampel-System einführen, das
auf Basis von Portionsgrößen berechnet wird. Selbst ein Produkt wie
Nutella, das zu fast 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht, würde
mit dieser Industrie-Kennzeichnung jedoch keine einzige rote Ampel
erhalten, kritisierte foodwatch. Mars war kürzlich aus dem Projekt
ausgestiegen.

"Ob NutriScore aus Frankreich oder die Original-Ampel aus
Großbritannien: Entscheidend ist, dass wir ein von unabhängigen
Experten entwickeltes System haben, das die Nährwerte eines Produkts
mit einer farblichen Kennzeichnung direkt auf der Produktvorderseite
darstellt und die Vergleichbarkeit von Produkten gewährleistet",
sagte Luise Molling. "Die geplante Fake-Ampel von Nestlé, Cola & Co.
ist nicht die Lösung. Da steht Ampel drauf, ist aber nur
Verbrauchertäuschung drin."

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen fordern
schon länger verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und
Übergewicht, etwa eine verständliche Nährwertkennzeichnung in
Ampelfarben oder auch eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an
Kinder sowie eine Steuer auf gesüßte Getränke - wogegen sich die
Lebensmittelindustrie vehement wehrt. Der deutsche
Tiefkühlprodukte-Hersteller Frosta hatte auch schon einmal eine
Ampelkennzeichnung freiwillig eingeführt, diese dann aber nach
einigen Jahren wieder eingestellt, weil kein anderer
Lebensmittelhersteller mitgezogen war. Union und SPD haben im
Koalitionsvertrag vereinbart, ein eigenes Modell zur
Nährwertkennzeichnung zu erarbeiten, das "gegebenenfalls vereinfacht
visualisiert wird".

Seit Ende 2016 gilt zwar für alle verpackten Lebensmittel in der
EU eine Pflicht zur Kennzeichnung der Nährwerte Fett, gesättigte
Fette, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Außerdem muss über den
Energiegehalt informiert werden. Die Angaben müssen sich jeweils auf
100 Gramm bzw. Milliliter beziehen. Diese Angabe darf allerdings im
Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung erfolgen.

Quellen und weiterführende Informationen:

- Danone Publikation "Apropos": http://tinyurl.com/y94d2y6g
- Danone Faltblatt "Der Nutri-Score": http://tinyurl.com/y9v2svug
- foodwatch-Vergleichstest der Industrie-Ampel mit der originalen
britischen Ampel: http://tinyurl.com/y9ekdvnp
- Ergebnisse des großen Kennzeichnungs-Vergleichstests der
französischen Regierung (auf Englisch): http://ots.de/yXywts



Pressekontakt:
Andreas Winkler
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 290

Original-Content von: foodwatch e.V., übermittelt durch news aktuell

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