Brasilien konjunkturelle Wiederbelebung zu Jahresbeginn


18.01.12 15:08
DekaBank

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Nachdem die brasilianische Wirtschaft im dritten Quartal zum Stillstand kam - das Bruttoinlandsprodukt blieb gegenüber dem Vorquartal unverändert und dürfte es auch im letzten Quartal 2011 geblieben sein - rechnen die Analysten der DekaBank nun damit, dass die Schwächephase ab dem ersten Quartal 2012 abgeschlossen sein wird.

Dafür würden die kumulierten Zinssenkungen seit August vergangenen Jahres und die fiskalische Lockerung der Regierung zum Jahresende sprechen. Aber auch die solide Einkommensentwicklung der brasilianischen Haushalte und die noch vorhandene Bereitschaft, dieses Einkommen für Konsum zu nutzen, sollten den Konjunkturmotor wieder ankurbeln. Dieser Tendenz werde von der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt verstärkt. Trotz der schwachen wirtschaftlichen Dynamik im Verlauf des vergangenen Jahres habe sich der positive Trend am Arbeitsmarkt fortgesetzt: Im November sei bei der Arbeitslosenquote der historische Tiefstand von 5,2% verzeichnet worden.

Eine Trendumkehr sei bei der Inflationsrate zu beobachten, die seit September falle. Die Anpassungen der Warenkorbzusammensetzung dürften zusätzlich zu niedrigeren Inflationsraten beitragen. Die Inflationserwartungen seien in den vergangenen Wochen deutlich gefallen. Trotzdem habe sich die brasilianische Zentralbank hinsichtlich der Inflationsentwicklung zuletzt etwas vorsichtiger gezeigt. Dies bestätige die Analysten in der Annahme, dass die Zentralbank nur noch zwei Leitzinssenkungen vornehmen dürfte - von aktuell 11% auf 10% im April.

Die konjunkturelle Schwächephase habe bislang die positive fiskalische Entwicklung nicht in Frage gestellt. Die Regierung habe die Budgetziele für das gesamte Jahr bereits im November fast erfüllt.

Aus der vorübergehenden Wachstumsabschwächung in der zweiten Jahreshälfte 2011 würden die Analysten keine nachhaltige Verschlechterung der bonitätsspezifischen Kennzahlen ableiten. Brasilien habe die Verschuldung seit dem Krisenjahr 2002 deutlich zurückgefahren. Damals habe die öffentliche Verschuldung rund 77% des Bruttoinlandsprodukts betragen. Im vergangenen Jahr seien es noch knapp 60% des BIP gewesen, Tendenz leicht fallend. Obwohl die Finanzierungskosten im Lauf der Jahre zurückgegangen seien, würden die festen Ausgaben im Budget einen sehr hohen Anteil ausmachen. Diese würden der Regierung den fiskalischen Spielraum in schwierigen Zeiten entziehen.

Die Ratingagenturen hätten die Bonitätseinschätzung Brasiliens im Laufe des vergangenen Jahres angehoben: Fitch im April von "BBB-" auf "BBB" und Moody's im Juni von "Baa3" auf "Baa2". Begründet worden seien diese Schritte durch einen günstigeren Ausblick für das Potenzialwachstum, wodurch es leichter werde, die fiskalischen Herausforderungen zu meistern. Allerdings sollte die brasilianische Regierung den Fokus auf weitere Reformen setzen, um das Potenzialwachstum langfristig zu erhöhen. (18.01.2012/ac/a/m)






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