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Börsen-Zeitung: Türöffner Saudi-Arabien, Kommentar zum Anleihemarkt von Kai Johanssen




19.10.16 19:30
news aktuell

Frankfurt (ots) - So langsam kann man sich schon die Frage
stellen, wann das Rekordfieber an den Bondmärkten rund um den Globus
vielleicht mal ein wenig abklingt, oder ob das noch lange so
weitergeht. In diesem Jahr vergeht ja kaum eine Woche, in der nicht
irgendwo in Sachen Zins & Co. ein neuer Meilenstein gesetzt wird.

Da sind zunächst einmal die immer weiter ins Bodenlose
abstürzenden Renditen in den diversen Anleihesegmenten, die den
Emittenten eine Verschuldung entlang der Kurve zu geradezu lachhaft
niedrigen Zinsen oder sogar zu negativen Sätzen ermöglichen.
Andauernd lässt sich hier ein neues historisches Tief vermelden, und
mancher Akteur reibt sich verwundert die Augen, wie tief ins Negative
die Zinsen doch fallen können. Dann gibt es ehemalige Pleiteländer
wie Irland - dem vor wenigen Jahren niemand mehr auch nur ein paar
Cent leihen wollte und die vor dem Kollaps gerettet werden mussten -,
die heute tatsächlich 100-jährige Anleihe emittieren können und dabei
Zinsen zahlen, die Otto Normalverbraucher vor ein paar Jahren noch
auf seinem Sparbuch sah. Des Weiteren kommen Staaten außerhalb des
Euroraums - wie in dieser Woche Polen - und feiern mit sehr langen
und ultralangen Laufzeiten ihre Anleihe-Debüts im Euro.

Und Saudi-Arabien setzt gleich beim Debüt mit dem größten
Bond-Deals eines Schwellenlandes noch einen oben drauf, womit der
ebenfalls in diesem Jahr aufgestellte Rekord Argentiniens in den
Schatten gestellt wird. Mit 17,5 Mrd. Dollar Bond-Volumen wird der
Argentinien-Deal um 1 Mrd. Dollar übertroffen; bei der Nachfrage
lagen die Saudis mit 67 Mrd. Dollar nur 2 Mrd. Dollar unter dem
Order- Volumen Argentiniens.

Der seit Monaten erwartete Deal Saudi-Arabiens ist wegweisend für
eine bestimmte Schar von Emissionsadressen. Der gesamte Club der
Ölstaaten des Mittleren Ostens wird ihn genau verfolgt haben, und sie
werden feststellen: Saudi-Arabien hat für diese Länder den Türöffner
gespielt, und die Saudis haben die Tür mit dieser Rekordtransaktion
und dem immensen Ordervolumen für weitere Emissionen sehr weit
aufgestoßen. Man darf gespannt sein, wer als nächstes kommt. Denn
Bedarf haben viele Adressen aufgrund der Haushaltslöcher, die der
Ölpreis aufgerissen hat. Eine Zeit lang werden sie wohl jetzt erst
mal im Dollar auftreten. Aber dabei wird es nicht bleiben. Danach
werden sie auch den Bondmarkt im Euro testen. Dafür werden ihnen die
Konditionen schlichtweg zu attraktiv sein. Bleibt nur die Frage, ob
Saudi-Arabien auch in der Gemeinschaftswährung den Türöffner spielen
wird. Denkbar ist das allemal.



Pressekontakt:
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Redaktion

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