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Börse Frankfurt-News: Zweckoptimismus (Marktstimmung)




21.11.18 16:38
dpa-AFX

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 21. November 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der jüngste Rückgang des DAX


ist zumindest für etliche Privatanleger zu bedrohlich geworden, weshalb eine


größere Gruppe unter ihnen das Handtuch geworfen hat.

Die institutionellen


Investoren scheinen indes durchhalten zu wollen.



Seit Italien seinen überarbeiteten Haushaltsentwurf bei der EU eingereicht


hat, hatten Finanzmarktteilnehmer daraus resultierende mögliche Probleme und


Konflikte weitgehend ausgeblendet. Doch seit Wochenbeginn ist das


umstrittene Budget Italiens wieder in den Brennpunkt des Interesses der


Marktteilnehmer gerückt, weil heute, kurz nach Schluss der Sentiment-


Erhebung, die Reaktion der EU-Kommission auf die unverändert harte Haltung


Italiens erwartet wurde. Haupt-Streitpunkt: Die nicht den EU-Regeln


entsprechende Neuverschuldung Italiens in Höhe von 2,4 Prozent des


Bruttoinlandprodukts für 2019. Aber als ob das nicht schon genug wäre, kommt


auch noch Ungemach aus den USA hinzu. Zum einen in Gestalt deutlicher


Kurseinbrüche am dortigen Aktienmarkt. Zum anderen aber auch, weil mit einem


Male Zweifel hinsichtlich des globalen Wachstums aufgekommen sind und auch


die Prognosen zum Bruttoinlandsprodukt der USA für das vierte Quartal 2018


zurückgenommen wurden. Kein Wunder, dass sich viele Börsianer fragen, ob die


US-Notenbank mit ihrem Plan einer schrittweisen Zinserhöhung mit


unverminderter Geschwindigkeit fortfahren oder sich zumindest für eine Pause


entscheiden wird.



Dass die mittelfristig orientierten institutionellen Investoren, die wir


allwöchentlich befragen, eine derartige Hoffnung hegen - diesen Eindruck


vermittelt zumindest ein erster Blick auf die heutige Stimmungserhebung.


Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels ist gegenüber der


Vorwoche zwar um 3 Punkte auf einen Stand von +26 gestiegen. Aber wir gehen


nicht davon aus, dass die Mehrheit der Befragten aus einer grundsätzlichen


Überzeugung heraus optimistisch ist. Vielmehr zeigt sich seit rund vier


Wochen, dass ein harter Kern von Börsenbullen - es handelt sich immerhin um


etwas mehr als 50 Prozent aller Befragten - mehr oder weniger große


Buchverluste hinnehmen musste. Dabei zeigt sich nach der Erhebung der


vergangenen Woche, dass es anfangs durchaus die Möglichkeit gegeben hatte,


sich im besten Fall bei einem DAX-Stand von 11.566 Zählern von Beständen zu


trennen. Allerdings war dieser Zuwachs wie von uns erwartet offenbar nicht


groß genug. Betrachtet man die Kursspitzen der einzelnen Handelstage seit


vergangenem Mittwoch, sind diese zunächst der Reihe nach immer etwas


niedriger ausgefallen. Aber auch die niedrigeren Tagestiefs vermittelten


zumindest bis zum Montag den Eindruck, dass sich der DAX zwar im


Rückwärtsgang befand, aber man sich deswegen keine allzu großen Sorgen


machen müsse.



Teilkapitulation



Diese Sorgen mögen bei den Privatanlegern allerdings zu groß geworden sein.


Denn auch dort gab es bereits seit einigen Wochen eine optimistische


Mehrheit, die allerdings früher und zu höheren Kursen als ihre


institutionellen Pendants als Käufer im Aktienmarkt aufgetreten waren.


Zumindest ein Teil dieser Bullen hat nun das Handtuch geworfen, da die


Verluste offensichtlich zu groß geworden sind. Dies zeigt sich am Börse


Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels, der gegenüber der Vorwoche um 20


Punkte auf einen Stand von nur noch +1 gefallen ist. Dabei haben sich fast


10 Prozent aller Befragten direkt ins Bärenlager begeben.



Während die Privatanleger also mehr oder weniger diszipliniert und teilweise


unter Hinnahme von deutlichen Kursverlusten die Notbremse gezogen haben,


gilt dies nicht für die institutionellen Investoren. In dieser Gruppe ist


nach wie vor mehrheitlich Durchhalten angesagt, so dass sich die Sentiment-


technische Lage für den DAX nicht verbessert hat. Im Gegenteil: Die Bullen


von heute wären vermutlich froh, die Kursspitzen der Vorwoche zwischen


11.350 und 11.450 Zählern noch einmal wiederzusehen, um sich dann zumindest


noch mit einem halbwegs blauen Auge von den schal gewordenen Long-Positionen


zu trennen. Damit dürfte aus heutiger Sicht eine Jahresschlussrallye recht


überschaubar bleiben. Gleichzeitig ist der DAX an der Unterseite durch die


kaum verbesserte heimische Nachfragesituation nach wie vor gefährdet. Zumal


auch die internationalen Vermögensverwalter derzeit kein großes Interesse an


deutschen Aktien zu haben scheinen.



21. November 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de



(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)









 
 

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