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Börse Frankfurt-News: Vergebens, aber keineswegs umsonst (Marktstimmung)




18.07.18 16:21
dpa-AFX

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Abermals hat sich vor allem die Stimmung der institutionellen Anleger


teilweise recht deutlich um 180 Grad, vom Negativen ins Positive gedreht.


Allerdings oft nicht ohne Kosten.



Donald Trump ist in die Heimat zurückgekehrt, und auch an den Schrecken


eines drohenden Handelskriegs zwischen den USA und dem Rest der Welt


scheinen sich die Finanzmarktteilnehmer mittlerweile gewöhnt zu haben.


Dessen Folgen würden sich ohnehin erst in einigen Wochen, wenn nicht


Monaten, zeigen. Gleichwohl dürfte das Motiv für die jüngsten


Aktienrückkäufe nicht zwingend in neuem Optimismus zu suchen sein. Vielmehr


wurden mancherorts Engagements ganz einfach nur diszipliniert glattgestellt,


um angesichts des davonzulaufen drohenden Aktienmarktes nicht noch größere


Verluste in Kauf nehmen zu müssen. Mit anderen Worten: Die vor einer Woche


erkennbar gewordene Risikoaversion vieler Börsianer und die damit


verbundenen Absicherungen haben sich oft nicht ausgezahlt.



18. Juli 2018. Es mag viele Akteure gegeben haben, die sich noch in der


vergangenen Woche gegen drohendes Ungemach abgesichert haben. Nun ist US-


Präsident Donald Trump von seiner Reise nach Europa, Großbritannien und


zuletzt Helsinki in die USA zurückgekehrt, ohne zumindest neuen ökonomischen


Schaden angerichtet zu haben. Überhaupt war es erstaunlich, wie wenig die


Finanzmärkte auf ebenso befremdliche wie bedrohliche Auslassungen Trumps


("die EU ist ein Gegner") reagiert haben. Und auch die Angst vor einem


eskalierenden Handelsstreit scheinen nicht nur Börsianer, sondern auch


Notenbanker ausgeblenden bzw. herunterzuspielen zu werden. Dies zeigte etwa


die Haltung von Fed-Chef Jerome Powell bei der gestrigen Anhörung des


Bankenausschusses des US-Senats: Zu den Wachstumsaussichten - bei


gleichzeitig moderater Inflation - äußerte er sich ausgesprochen


optimistisch. Allerdings zeigt die jüngste BofA Merrill Lynch-Umfrage unter


internationalen Fondsmanagern, dass 60 Prozent der Befragten in einer


drohenden Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und dem Rest der


Welt das größte Extremrisiko für die Finanzmärkte sehen. Dieser Wert ist


deswegen so dramatisch, weil es sich um den höchsten Prozentsatz seit der


EU-Schuldenkrise im Juli 2012 handelt. Dennoch: Die Fondsmanager-Umfrage


endete bereits am 12. Juli, zu einem Zeitpunkt, als das Handelskrieg-Thema


noch bei vielen Akteuren viel präsenter als heute war. Denn es ist gerade


erst eine Woche her, dass Donald Trump mit der Ankündigung der Besteuerung


weiterer China-Importe in einem Volumen von 200 Milliarden US-Dollar mit


einer früheren Drohung ernst gemacht hat.



Die mittelfristig orientierten Marktteilnehmer zeigten sich bei der


Befragung der vergangenen Woche noch risikoavers. Das Ergebnis unserer


heutigen Sentiment-Umfrage zeigt: Die Risikoaversion ist offenbar wieder


verschwunden.



Denn der Optimismus ist fast wieder in vollem Umfang zurückgekehrt. Denn


gemessen an unserem Börse Frankfurt Sentiment-Index, ist er um 24 Punkte auf


einen Stand von +15 gesprungen. Allerdings erfolgten die damit verbundenen


Aktienrückkäufe häufig nicht ohne Kosten. Denn der DAX hatte seit unserer


vergangenen Befragung gerade einmal 50 Punkte niedriger notiert, bevor er


eine satte Aufwärtsbewegung begann, die alleine stichtagsbezogen einen


Gewinn von 2,4 Prozent zeitigte. Und der Kursverlauf ohne größere Rücksetzer


vermittelt, dass es sich um eine kleine Kapitulation der Bären aus der


Vorwoche gehandelt haben dürfte.



Zögerliche Privatanleger



Auch bei den Privatanlegern hat es Rückkäufe gegeben, denn der Börse


Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels ist ebenfalls gestiegen, allerdings


nur um 9 Punkte auf einen Stand von nunmehr +1. Immerhin ist das während der


vergangenen vier Wochen teils große Bärenlager aufgrund der ungünstigen


Einstandspreise etwas zögerlich und lediglich um 6 Prozentpunkte


geschrumpft. Dabei konnten sich die ehemaligen Pessimisten nur teilweise zu


neuen bullishen Engagements entscheiden.



Die Stimmungsentwicklung zeigt per Saldo, dass der DAX für viele Akteure


unerwartet Flügel bekommen hat. Immerhin war die Bereitschaft recht groß,


sich von verlustbringenden Short-Positionen bzw. Absicherungen schnell und


diszipliniert zu trennen, weswegen die jüngste Kursrallye Zeichen einer


Shortsqueeze aufweist. Am Ende ist der Optimismus bei den institutionellen


Anlegern nun etwas deutlicher ausgeprägt als bei den privaten Pendants. Im


großen Ganzen etwa auf dem Stand von vor zwei Wochen, wobei der DAX


allerdings damals zum Erhebungszeitpunkt mit 12.320 Zählern erheblich


niedriger notierte. In der relativen Drei- bzw. Sechs-Monatsbetrachtung ist


der Optimismus von heute allerdings nicht als besonders ausgeprägt zu


bezeichnen. Allerdings droht das Börsenbarometer etwas Sand ins Getriebe zu


bekommen, denn die neuen bullishen Akteure werden schon bald Kasse machen


wollen.



Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren



Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15


Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link.


Ein Klick und fertig. Dafür erhalten Sie die Ergebnisse der Analyse sofort


per E-Mail zugesandt.



DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.750 (+300 Pkt.)



Börse Frankfurt Sentiment-Index



Institutionelle Anleger: +15 Punkte (Stand Vorwoche: -9 Punkte)



Private Anleger: +1 Punkte (Stand Vorwoche: -8 Punkte)



18. Juli 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de



Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index



Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler


Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in


negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren


Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.



(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)









 
 

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