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Börse Frankfurt-News: Politik gibt den Takt vor (Anleihen)




22.06.18 17:36
dpa-AFX

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Auf den Handelskonflikt und die schwierigen Verhandlungen über eine EU-weite


Flüchtlingsregelung reagieren Anleger mit Vorsicht.

Bundesanleihen


profitieren.



22. Juni 2018. Eine länger werdende Liste politischer Unsicherheiten trübt


die Stimmung am Aktienmarkt zugunsten von Anleihen bonitätsstarker Staaten.


"Wir hatten eine recht turbulente Woche", berichtet Arthur Brunner von der


ICF Bank. Zum schwelenden Handelskonflikt und den offenen Fragen zur


Migration in Europa sei gestern die Besetzung von zwei Schlüsselpositionen


im italienischen Parlament durch Euroskeptiker hinzugekommen, die künftig


den Finanzausschuss im Senat und den Haushaltsausschuss im Unterhaus


leiteten. "In Folge gaben italienische Staatsanleihen deutlich nach."


Papiere anderer südeuropäischer Länder seien in Sippenhaft genommen worden.



Beim Flüchtlingsthema sieht Brunner lediglich einen temporären


Waffenstillstand, eine Lösung sei nicht in Sicht. Viele Staaten


positionierten sich im Vorfeld des EU-Sondergipfels zum Thema. Etwa bestehe


der italienische Innenminister Matteo Salvini öffentlich auf eine Eindämmung


der Einwanderung.



Euro-Bund-Future profitiert



Der sich zuspitzende Handelsstreit mit China und den Verbündeten der


Vereinigten Staaten habe mit der gestrigen Gewinnwarnung von Daimler


mögliche Auswirkungen der Strafzölle auf die reale Wirtschaft aufgezeigt.


Auch davon profitieren Bundesanleihen. Der Euro-Bund-Future gewann in der


vergangenen Woche von 160,87 auf 161,93 Prozent hinzu. Zwischenzeitlich


verringerten sich die Renditen für zehnjährige hiesige Staatsanleihen auf


0,33 Prozent. Zwar scheinen die positiven Kräfte für das hiesige


Rentenbarometer nach Ansicht von Klaus Stopp etwas zu schwinden.


Insbesondere der sich verschärfende Wirtschaftskrieg kann dem Händler der


Baader Bank zufolge aber jederzeit erneut die Flucht in den sicheren Hafen


nähren.



Kreditwürdigkeit steht auf dem Spiel



Auf dem jetzigen Stand hätten die zusätzlichen Zölle nicht das Potenzial,


die Volkswirtschaften und die allgemeine Kreditqualität von Unternehmen


nachhaltig zu verschlechtern, wie Thomas Miller zusammenfasst. Aktuell


erheben die USA und China laut dem Analysten der HSH Nordbank Einfuhrzölle


in Höhe von 25 Prozent auf Importe in einem Volumen von jeweils 34


Milliarden US-Dollar mit der Aussicht diese gegenseitig um weitere 16


Milliarden Euro zu auszuweiten. "Der gesamte Welthandel wird diese Effekte


wenig spüren." Erweitere die USA die Strafzölle aber auf bereits angedrohte


100 Milliarden US-Dollar, werde China mit hoher Wahrscheinlichkeit


nachziehen. "Dann wären wir in einer Region, in der für viele Industrien die


Wertschöpfungsketten durcheinandergeraten und etablierte Absatzmärkte


versiegen."



Fußball-WM bremst



Den Rentenhandel beschreibt Gregor Daniel von der Walter Ludwig


Wertpapierhandelsbank als eher beschaulich und sieht die Gründe unter


anderem in der laufenden Fußball-WM. "Die gestrige Niederlage Argentiniens


führte zu keinen großartigen Bewegungen in Anleihen der Südamerikaner." Die


Werte notierten in etwa auf dem Niveau der Vorwoche. Nachfrage auf beiden


Seiten macht Daniel in einem Papier der Neuquen Province (WKN A19GPQ) mit


einem jährlichen Zins von 7,5 Prozent aus.



VW-Bonds in Mitleidenschaft gezogen



Parallel zur Ausgabe zwei neuer VW-Hybridanleihen (WKNs A192QE, A192QF), die


noch nicht gelistet sind, trennten sich Anleger laut Brunner tendenziell von


bestehenden Hybridanleihen der Wolfsburger (WKN A1ZE21). "Zum einen kommen


die neuen Bonds mit attraktiveren Konditionen", begründet der Händler.


Außerdem habe die Gewinnwarnung von Daimler die gesamte Branche unter Druck


gesetzt. "Das spüren wir im Bond-Handel."



Zudem gebe es reges Kaufinteresse an einem bis Mai 2022 laufenden Ferratum-


Bond (WKN A2LQLF) mit einem Zins von 550 Basispunkten über dem Euribor. "Der


Wert hat sich seit Auflage gut entwickelt."



Investoren greifen zu Bayer-Bonds



Zur Finanzierung der Monsanto-Übernahme besorgte sich Bayer in dieser Woche


in großem Stil frisches Geld über den Kapitalmarkt, wie Brunner anmerkt.


Insgesamt hätten die Leverkusener acht Bonds im Gesamtvolumen von 15


Milliarden US-Dollar platziert. Hinzu kämen fünf Milliarden Euro mittels


vier neuer Anleihen. Die Nachfrage sei trotz großer Stückelungen von 200.000


US-Dollar und 100.000 Euro ausgesprochen stark ausgefallen.



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von: Iris Merker


22. Juni 2018, © Deutsche Börse AG



(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)









 
 

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