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Börse Frankfurt-News: Parität wieder Thema (Devisen)




30.11.16 14:34
dpa-AFX

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 30. November 2016. Nach dem rasanten Anstieg des US-Dollar gehen immer mehr Analysten davon aus, dass der Euro bald nur noch einen Dollar wert sein wird.


Am Devisenmarkt gibt es einen klaren Gewinner: den US-Dollar. Nach der Wahl von Trump zum neuen US-Präsidenten hat die Währung kräftig zugelegt: Gemessen am US-Dollar-Index, der die US-Währung ins Verhältnis zu sechs anderen Währungen setzt, kletterte der Greenback vergangenen Donnerstag auf ein Dreizehnjahreshoch.


Auch gegenüber dem Euro hat der US-Dollar stark aufgewertet: Aktuell wird der Euro zu 1,06 US-Dollar gehandelt, vergangene Woche waren es sogar 1,05 US-Dollar - der tiefste Stand sei März 2015. Anfang November lag der Wechselkurs noch bei 1,11 US-Dollar zum Euro. Jetzt leidet die Gemeinschaftswährung zusätzlich unter dem am Sonntag anstehenden Referendum der Italiener über eine Verfassungsreform. Im Fall des Scheiterns wird befürchtet, dass die eurokritische Protestpartei "Fünf Sterne" Oberhand gewinnen und den Reformprozess beenden könnte.


Euro fehlt Zinserhöhungspotenzial


Generell ist die US-Dollar-Stärke aber auf die erwartete Zinsanhebung in den USA und auch die von Trump versprochenen Konjunkturpakete zurückzuführen. Mit einer baldigen Korrektur ist nach Ansicht von Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank nicht so schnell zu rechnen. "Die fest erwartete Zinserhöhung am 14. Dezember ist für sich genommen bereits ein klares Signal für die US-Währung." Viele Banken, zum Beispiel Morgan Stanley, gehen davon aus, dass die Gemeinschaftswährung 2017 erstmals seit 14 Jahren nur noch einen US-Dollar wert sein wird. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege bei der Deutschen Bank, prognostiziert sogar, dass der Euro bis Ende kommenden Jahres bis auf 0,95 US-Dollar fallen wird.


Die Helaba hält den US-Dollar eigentlich für völlig überteuert und verweist unter anderem auf den bereits acht Jahre anhaltenden Anstieg der US-Währung und die Kaufkraftparität. Zudem seien die Staatsdefizite in der Eurozone - trotz lax gehandhabter Defizitkriterien - geringer als in den USA, wo mit Trump auch noch mit einem Anstieg zu rechnen sei. "Trotz der massiven Überbewertung ist das Potenzial für den Euro begrenzt; schließlich fehlen der Gemeinschaftswährung weiterhin die Zinserhöhungsperspektiven", erklärt Christian Apelt aber.


Im Handel mit Devisen-ETNs konzentrieren sich Anleger auf Euro/US-Dollar. Aktuell am meisten gehandelt werden der ETFS 5x Short USD Long Euro (WKN A12Z32) und der ETFS 5x Long USD Short Euro (WKN A12Z31). Ivo Orlemann von der ICF Bank berichtet vor allem von Interesse am ETFS 5x Short USD Long Euro. "Da sehen wir aber Käufe und Verkäufe."


Pfund arbeitet sich wieder nach oben


Das britische Pfund hat sich nach dem brexit-bedingten Rücksetzer gegenüber dem Euro erholen können: Am Mittwoch kostet ein Euro wieder nur 0,85 Pfund nach 0,90 Pfund vor einem Monat. "Die Nachricht, dass die britische Regierung erwägt, die Körperschaftssteuer auf unter 15 Prozent zu senken, verlieh dem Pfund eine starke Aufwärtsdynamik", stellt die HSH Nordbank fest. Großbritannien hätte dann die niedrigsten Unternehmenssteuersätze innerhalb der G20-Länder.


"Die politischen Unsicherheiten in Großbritannien werden 2017 andauern und könnten sich phasenweise sogar verschärfen", meint Apelt von der Helaba. Die Bank geht davon aus, dass die bislang überraschend robuste Konjunktur im Land 2017 zunehmend unter der Ungewissheit leiden und sich spürbar eintrüben wird, die Geldpolitik der Bank of England könne daher noch etwas expansiver werden. "Jedoch ist die britische Währung nach dem Kursrutsch mittlerweile sehr günstig bewertet, was das Verlustpotenzial begrenzt, das Pfund dürfte allenfalls noch temporär nachgeben."


Franken wieder teurer


Auch gegenüber dem Schweizer Franken hat der Euro verloren: Aktuell müssen 1,07 Franken für die Gemeinschaftswährung gezahlt werden - damit ist wieder das Niveau nach dem Brexit-Votum erreicht. Anfang Oktober lag der Kurs bei 1,09 Franken zum Euro. Nach Einschätzung der HSH Nordbank hängt das mit Äußerungen von Dewet Moser, Direktoriumsmitglied der Schweizerischen Nationalbank (SNB), zusammen. Der hatte bemerkt, dass der Preisfindungsmechanismus letztlich den Kräften von Angebot und Nachfrage überlassen bliebe. Laut HSH Nordbank lässt das darauf schließen, dass die SNB in Zukunft ihre Interventionen auf dem Devisenmarkt zurückfährt. "Dementsprechend gehen wir davon aus, dass der Franken in den nächsten Wochen weiter aufwerten wird."


Große Verluste im Yen


Ein noch größerer Verlierer als der Euro ist der japanische Yen: Während vor der Trump-Wahl 103 Yen für einen US-Dollar gezahlt werden mussten, sind es jetzt 113 Yen. Hintergrund ist die wachsende Zinskluft zwischen Japan und den USA: Während in den USA die Aussicht auf umfangreiche Infrastrukturprogramme die Zinsen hat steigen lassen, hält die Bank of Japan die Zinsen niedrig. Aus diesem Grund wird der Yen nach Ansicht von Apelt im kommenden Jahr kaum zulegen, zumal die zuvor signifikante Unterbewertung der Währung abgebaut sei. Gegenüber dem Euro seien ebenfalls keine ganz großen Sprünge zu erwarten. Auch zum Euro zeigt sich die japanische Währung schwächer: Aktuell liegt die Notierung bei 120 Yen zum Euro nach 115 vor einem Monat.


von: Anna-Maria Borse 30. November 2016, Sie können sich kostenlos für unseren täglichen Newsletter per E-Mail anmelden. Registrieren Sie sich bei www.boerse-frankfurt.de/newsletter


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