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Börse Frankfurt-News: "Keine Angst vor Risiken" (Marktstimmung)




30.11.16 18:24
dpa-AFX

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 30. November 2016. Der heutigen Befragung zufolge ist der Optimismus der Profis erstaunlich beharrlich, was für Goldberg große Risiken eines Fehlsignals nach oben birgt.


Gleich eine breite Palette von sogenannten Ereignis-Risiken wartet während der kommenden Tage auf die Börsianer. Allen voran das Verfassungsreferendum, zu dem die Italiener am 4. Dezember an die Urnen gerufen werden - ein Event-Risiko, dem mancher Akteur an den Finanzmärkten eine ähnlich große Bedeutung wie dem Brexit-Votum oder den US-Präsidentschaftswahlen beimisst. Ein Referendum übrigens, das längst nicht so bedeutend wäre, hätte nicht der italienische Ministerpräsident seine politische Zukunft an dessen Ausgang geknüpft. Und so rechnet man im Falle eines "No" Italiens zur Verfassungsänderung mit negativen Reaktionen der Aktienmärkte und steigender Volatilität. Als umso bedeutsamer sind die Positionierungen der Investoren vor diesem wichtigen Ereignis einzuschätzen. Hat sich der Optimismus, der noch vor einer Woche bei den von der Börse Frankfurt befragten Anlegern zu beobachten war, auch heute gezeigt?


Für die mittelfristig orientierten institutionellen Investoren kann diese Frage bejaht werden. Tatsächlich ist der Optimismus gegenüber der Vorwoche sogar gestiegen. Dies zeigt sich am Zuwachs des Börse Frankfurt Sentiment-Index, der, wenn auch nur um 2 Punkte, zum dritten Mal hintereinander angestiegen ist und nun einen Wert von +37 Punkten erreicht hat. Dieser Optimismus ist vor allem deshalb so bemerkenswert, weil er - zumindest vordergründig - alle Befürchtungen der Kommentatoren konterkariert. Und er liegt höher als vor den Tagen der bisherigen großen Ereignisrisiken dieses Jahres, dem Brexit-Votum und der US-Präsidentschaftswahl.


Von der viel beschworenen Nervosität ist demnach zumindest bei den Teilnehmern dieses Panels nicht allzu viel zu spüren. Ob der leichte Rücksetzer des DAX in Richtung 10.540 Punkte Anreiz genug war, etwaige Kauf-Engagements noch zu vergrößern? Vielleicht setzt man aber auch lediglich auf eine neuerliche, diesmal positive Überraschung, ein "Si" der Italiener, verbunden mit einer Jahresschlussrallye.


dennoch ziehen sich die Privatanleger zurück Diese Zuversicht scheinen die Privatanleger indes nicht zu teilen. Dort notieren wir eine konträre Entwicklung des Börse Frankfurt Sentiment-Index, der sich nun die dritte Woche hintereinander nach unten bewegt und dieses Mal um 5 Punkte auf einen Stand von nunmehr +29 Punkten gefallen ist. Dabei handelt es sich fast durchweg um Aktienverkäufe zugunsten einer Wanderung in das Lager neutral gestimmter Marktteilnehmer. Gemessen am Halbjahresdurchschnitt von rund +21 Punkten ist der Optimismus in der relativen Betrachtung also nicht mehr allzu hoch.


Angesichts der bevorstehenden Ereignisse in Italien, aber auch der Wiederholung der Wahl des Präsidenten in Österreich sowie der Sitzung der Europäischen Zentralbank in der kommenden Woche scheint die derzeitige Positionierung der institutionellen Anleger ausgesprochen ambitioniert. Zumal sich der DAX immer noch in seiner sehr breiten Konsolidierungszone zwischen ca. 10.185 und 10.825 Zählern bewegt. Falls der DAX tatsächlich durch die bevorstehenden Ereignisse einen Aufwärtsimpuls erhalten sollte, dürfte dieser vor allem nach Verlassen der Konsolidierung an der Oberseite schon bald (ca. 1 bis 2 Prozent höher) durch Gewinnmitnahmen gestört werden. Mit anderen Worten: Die Gefahr eines Fehlsignals und eines anschließen Rückschlags ist aktuell als relativ hoch einzuschätzen.


Sollte der DAX indes zuvor massiv unter Druck geraten, würde stützende Nachfrage aus institutionellen Quellen auch innerhalb der Konsolidierungszone fehlen. Und weil sich langfristige Kapitalflüsse nur gegen eine saftige Risikoprämie, möglicherweise erst bei einem DAX-Stand knapp unter 10.000 Zählern, einstellen dürften, stehen die Chancen für das Börsenbarometer alles andere als günstig.


von: Joachim Goldberg 30. November 2016, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


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(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)







 
 

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