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Auslandsaktien: Gefangen in der Krise




31.05.12 17:05
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die steigende Nervosität hinsichtlich schuldengeplagter Euroländer macht sich auch im Handel mit Auslandsaktien bemerkbar, wie Roland Stadler von der Baader Bank berichtet, so die Deutsche Börse AG.

"Anleger fragen sich, was mit dem Euroraum passiert." Neben Griechenland hätten insbesondere die Probleme spanischer Banken mit ihren faulen Immobilienkrediten auf die Stimmung gedrückt. Der iberische Bluechip-Index IBEX-35 (ISIN ES0SI0000005/ WKN 969223) habe in dieser Woche beispielsweise auf dem niedrigsten Stand seit 2003 notiert.

"Mit jeder Hiobsbotschaft sinkt das Anlegervertrauen etwas mehr", bemerke auch Walter Vorhauser von der Close Brothers Seydler Bank. Griechenland erlebe etwa einen schleichenden Bank-Run. Seit Ausbruch der Krise hätten Privatleute und Unternehmer mit rund 63 Milliarden Euro fast ein Drittel ihrer Einlagen von ihren Konten abgehoben. Privates Kapital sei auch aus Spanien, Portugal und Irland abgezogen worden. "Zudem versichert mit Euler Hermes auch der weltgrößte Kreditversicherer vorerst keine Ausfuhren nach Griechenland mehr."

Einen der größten Börsengänge in Deutschland in diesem Jahr plane Telefónica (ISIN ES0178430E18/ WKN 850775). Über die deutsche Tochter des viertgrößten spanischen Telekommunikationskonzerns solle O2 mit dem Gang aufs Parkett Geld in die leeren Kassen bringen. "Der Konzern muss bis 2015 jährlich sieben bis acht Milliarden Euro an Schulden refinanzieren", wisse Stadler. Zudem schwächle das Geschäft im Heimatmarkt. "O2 soll acht bis zehn Milliarden Euro wert sein."

Telefónica erwäge auch eine Börsennotierung des Lateinamerika-Geschäfts, das sich zum wichtigsten Gewinnbringer des Konzerns entwickelt habe. Die Probleme in der heimischen Wirtschaft hätten auch am Kurs des portugiesischen Platzhirschen Portugal Telecom (ISIN PTPTC0AM0009/ WKN 895464) genagt. Die Aktie des Unternehmens sei dieser Woche auf den niedrigsten Stand seit Juni 1996 gefallen

Insbesondere an den britischen Nobelmarken Jaguar und Landrover habe der indische Autohersteller Tata Motors (ISIN US8765685024/ WKN A0DJ9M) derzeit viel Freude. Denn diese hätten Stadler zufolge überdurchschnittlich zum besten Ergebnis der Firmengeschichte beigetragen. Der Gewinn habe sich im vierten Quartal um 130 Prozent über Erwarten auf umgerechnet knapp 900 Millionen Euro verbessert.

"Nach der Übernahme von Jaguar und Rover im Jahr 2008 war das Ganze zunächst ein Verlustgeschäft." Erst jetzt zahle sich die Investition richtig aus. "Die Marktschwäche in Europa kompensierten die Inder mit einer Rekordnachfrage in Schwellenländern wie China und Russland." Mit Jaguar und Land Rover plane Tata gar, BMW Paroli zu bieten. Anleger hätten die Rekordzahlen nicht honoriert, der Aktienkurs habe von 24 auf rund 21 US-Dollar nachgegeben. "Das kann an der allgemeinen Marktschwäche liegen."

Die Konkurrenz schlafe nicht. Das spüre derzeit insbesondere die Design-Schmiede Apple (ISIN US0378331005/ WKN 865985). Zumindest bei den Smartphones habe Samsung Electronics (ISIN US7960508882/ WKN 896360) derzeit die Nase vorn, wie Vorhauser berichte. Mit 10,9 Millionen verkauften Geräten zwischen Januar und März dieses Jahres komme das koreanische Unternehmen auf einen Marktanteil von weltweit 39 Prozent. Apple liege mit 7 Millionen verkauften iPhones bei 27 Prozent Marktanteil. "Samsung arbeitet sich seit Jahren Schritt für Schritt nach vorn."

Mit der jüngsten Gerätegeneration von Smartphones, dem neuen Flaggschiff Galaxy S3, hätten die Koreaner zudem erneut aufgetrumpft. Ein größeres Display, ein schnellerer Prozessor und der Zugang zu 19 Millionen Songs über den neuen Service Music Hub sollten den Konkurrenten auf Distanz halten. Der Aktienkurs der Koreaner habe sich seit dem dritten Quartal 2011 auf zwischenzeitlich 473 Euro verdoppelt und notiere derzeit bei 414 Euro. "Die momentane Schwäche an den asiatischen Aktienbörsen bekommen auch die Koreaner zu spüren."

Trotz 2,92 Millionen neuer Mobilfunk-Kunden im April sei die Aktie des Mobilfunkkonzern China Unicom (ISIN HK0000049939/ WKN A0RBTQ) unter Druck, seit Monatsbeginn habe sie 40 Prozent eingebüßt und stehe aktuell bei 1,11 Euro. "Die chinesische Telekommunikationsbranche bekommt das schwächere Wachstum im Heimatland zu spüren", begründe Vorhauser. Ebenso verlangsame sich der Zuwachs in der Sparte 2G und bei den Festnetzanschlüssen. "Stärkeres Wachstum hat es nur im Bereich Breitband gegeben." Auf einen Nachfrageschub würden die nun angekündigten Konjunkturprogramme der chinesischen Regierung zielen. "Mit vorgezogenen Infrastrukturmaßnahmen soll die Wirtschaft unterstützt werden."

Die Absichten der CGI Group (ISIN CA39945C1095/ WKN 912483), Logica (ISIN GB0005227086/ WKN 868387) zu übernehmen, würden bei Anlegern offenbar auf Gegenliebe stoßen. Die Aktie des britischen IT-Dienstleisters habe am heutigen Donnerstag über 60 Prozent zugelegt. Den Logica-Anteilseignern würden die Kanadier mit 105 Pence pro Aktie einen Aufschlag von 67 Prozent zur Notierung vor der Übernahme-Ankündigung bieten. "Rund 1,7 Milliarden Pfund in bar lässt CGI sich demnach die Akquisition kosten", berichte Stadler. (31.05.2012/ac/a/m)







 
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