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Kolumnist: Robert Halver

Die taubenhafteste US-Zinserhöhung aller Zeiten




20.03.17 15:40
Robert Halver

Die Risikofaktoren an den Finanzmärkten haben zuletzt deutlich an Einfluss verloren. Durch ihre Zinserhöhung kann die Fed jetzt behaupten, angesichts verbesserter US-Konjunkturdaten nicht untätig geblieben zu sein. Damit verschafft sie sich – und das ist die eigentliche Absicht – ein willkommenes Alibi für zinspolitische Zurückhaltung, bis sich die Konjunkturpolitik der neuen US-Regierung offenbart. Frau Yellen kann ihr Kunststück „Zins-Spiel ohne Ball“ zur Verhinderung eines Zinsschocks an den Rentenmärkten also fortsetzten. In den Niederlanden hat der Deich gegen die Euro-feindlichen Sturmfluten gehalten. Und ein ähnliches pro Europa-Ergebnis ist auch für die Präsidentschaftswahl in Frankreich zu erwarten. Doch besteht langfristig die größte politische Gefahr für ein gemeinsames Europa darin, dass die Politiker dann versucht sein könnten, weiter ihre Hände in den Schoß zu legen und damit Europa seiner wirtschaftlichen, aber auch politischen Perspektiven berauben.


Der sogenannte „dot plot“ – die Leitzinsprojektionen der Fed – signalisieren zwar weiter insgesamt drei Zinssteigerungen für dieses Jahr sowie jeweils für 2018 und 2019. Diese sind jedoch alles andere als in Stein gemeißelt. Tatsächlich spricht Frau Yellen anhaltend von akkommodierender Geldpolitik. Am Devisenmarkt hat sich die Einschätzung durchgesetzt, dass die US-Wirtschaft zinspolitisch nicht über Gebühr belastet wird. So zeigt der US-Dollar seit Jahresbeginn und zuletzt mit Dynamik gegenüber den meisten Währungen eine Abschwächung. Neben einer Aufwertung des Euros hat interessanterweise der mexikanische Peso am stärksten zugelegt.


US-Konjunkturpläne im Fokus der Fed


Das Hauptaugenmerk der Fed richtet sich auf die Konjunkturmaßnahmen der Trump-Administration. Die geplanten Trumponomics haben sich in einem imposanten Stimmungsanstieg bei US-Kleinunternehmen niedergeschlagen. Bislang allerdings sind die wirtschaftspolitischen Pläne der neuen US-Regierung wenig konkret. Das versetzt die US-Notenbank in die Lage, sich in puncto weiterer Zinserhöhungen Zeit zu lassen.


Grundsätzlich hat die US-Notenbank ihre Wachstumsprojektionen nahezu unverändert gelassen: 2,1 Prozent in diesem Jahr; 2,1 nach 2,0 Prozent für 2018 und 1,9 Prozent für 2019. Auch das setzt zinserhöhungspolitisch entspannte Duftmarken.


Inflationsanstieg und Notenbankreaktion - Das Alibi wieder sinkender Ölpreise


Ad hoc betrachtet besteht aus Inflationssicht zwar klares Zinserhöhungspotenzial. Dieser Preisdruck entspringt jedoch nicht der vermeintlich robusten Situation am US-Arbeitsmarkt. Der Beschäftigungsaufbau vollzieht sich weiterhin schwerpunktmäßig im Bereich des Niedriglohnsektors - vor allem in der Gastronomie - und bislang kaum im einkommensstarken Industriesektor.


Diese Entwicklung am Arbeitsmarkt erklärt den bislang moderaten Aufwärtsdruck der durchschnittlichen Stundenlöhne im produzierenden Gewerbe. Ein Inflationsschub über Zweitrundeneffekte bleibt aus.


Tatsächlich hat die US-Notenbank ihre Inflationsprognosen nicht verändert: 1,9 Prozent 2017, 2018 und 2019 jeweils 2,0 Prozent. Insofern wird das Inflationsziel der Fed erst 2018 erreicht, was keine unmittelbar scharfe Zinsreaktion erfordert. Die Fed ist sogar bereit, ein temporäres Überschießen über ihren Inflationszielwert zu tolerieren, für das sie insbesondere die Basiseffekte steigender Rohstoffpreise verantwortlich macht.


Denn diese rohstoffbasierte Preisbeschleunigung sieht die Fed als nicht nachhaltig an. Sie kennt die mangelnde Förderdisziplin der OPEC aufgrund der finanzpolitischen Notlage ihrer Mitglieder. Und sie weiß, dass angesichts der Alternativfördermethode Fracking keine nachhaltige Preisbefestigung zu erwarten ist. Tatsächlich haben die Anzahl aktiver US-Ölbohrungen und damit auch die US-Ölproduktion wieder spürbar zugenommen, seit der Ölpreis über der Profitabilitätsschwelle von 50 US-Dollar liegt. Wenn die OPEC kürzt, weitet Fracking die Produktion aus.


So deuten auch die markant gestiegenen Spekulationen am Terminmarkt auf steigende Ölpreise – seit der Einigung der OPEC-Produzenten und Russland auf Förderkürzungen – auf deutliches Korrekturpotenzial beim Ölpreis hin. Die zuletzt widersprüchliche Nachrichtenlage von der OPEC-Front hat in der Tat erhebliche Zweifel an der Umsetzung der Förderkürzungen aufkommen lassen. Die Rohstoffseite gibt der Fed ein Argument für zinserhöhungspolitische Zurückhaltung.


Restriktive US-Zins- und Liquiditätspolitik nur eine Fata Morgana


Nach Inflation entpuppt sich die bisherige US-Zinserhöhungspolitik ohnehin als Mogelpackung. Real haben wir es in Amerika seit 2015 mit einer „Zinssenkungspolitik“ zu tun. Und nach Preissteigerung sind auch die volkswirtschaftlichen Kreditzinsen rückläufig und damit eindeutig wirtschaftsfördernd. Der Realzins einer durchschnittlichen 30-jährigen Hypothek ist auf das tiefste Niveau seit 2013 gefallen. Amerika ist mit der bravsten Zinserhöhungspolitik aller Zeiten „konfrontiert“.


Die Fed hält auch an ihrer üppigen monetären Ausstattung fest. Sie betreibt keinen Liquiditätsabzug, um einem weltkonjunktur- und -finanzmarktschädlichen Zinsschock zu entgehen. Frau Yellen weiß um den massiven Überdruck in der größten Anlageblase der Welt, dem Zinsvermögen.


Damit wird auch das Volumen der Wertpapierkredite an der New York Stock Exchange als markante Stütze für die Aktienmärkte zinspolitisch nicht gehandicapt. Von ihrem Rückgang aufgrund der Zinserhöhungsangst im vergangenen Jahr hat sich das Kreditvolumen vollständig erholt und befindet sich sogar auf einem neuen Allzeithoch.


Politische Zitterpartie in Europa vorerst gestoppt, aber…


Mit dem Euro-freundlichen Ergebnis bei den Parlamentswahlen in den Niederlanden ist das Gespenst eines „Nexit“ - eines niederländischen Euro-Austritts - gebannt. Dieses Ergebnis hat ebenso positive Signalwirkung auf die Wahlen in Frankreich: Dort wird die Euro-kritische Präsidentschaftskandidatin Le Pen in der Stichwahl wohl keine Mehrheit erhalten.


Folgerichtig signalisiert der von der BNP Paribas veröffentlichte Political Risk Index für die Eurozone, dass die politischen Risiken deutlich an Drohpotenzial verloren haben. Die Kursschwankungsbreite von Aktien der Eurozone gemäß VStoxx Volatility Index befindet sich auf einem Allzeittief.


Charttechnik DAX - Die Marke bei 12.000 Punkten bleibt hart umkämpft


Aus charttechnischer Sicht kommt es zu einer Korrektur, wenn der DAX die Unterstützung bei 12.016 Punkten unterschreitet. Darunter geben dann die kurzfristig wichtigen Marken bei 11.920 und 11.821 Halt. Setzt der Index seinen intakten langfristigen Aufwärtstrend fort, stößt er bei 12.083 auf einen ersten Widerstand. Wird dieser durchbrochen, liegen die nächsten Hürden bei 12.219 und darüber am Allzeithoch bei 12.391 Punkten.


Der Wochenausblick für die KW 12 - Wenig Aufregung voraus


In den USA verstetigt sich die Konjunkturerholung in Form stabiler Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter und eines im Trend aufwärtsgerichteten Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe.


Die Konjunkturstimmung in der Eurozone legt mit unveränderten Einkaufsmanagerindices in der Industrie für März eine Verschnaufpause ein. In Deutschland bleibt die Binnenwirtschaft laut GfK Konsumklimaindex ein wichtiges Konjunkturstandbein.


Vom Eurogruppen-Treffen der Finanzminister geht keine Gefahr von der Causa Griechenland aus.


Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de


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Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.


Herausgeber:


Baader Bank AG


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www.baaderbank.de




Redaktion:


Robert Halver,


Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG


Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG





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