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Kolumnist: Stock-World Redaktion

Die sozioökonomische Ungleichheit als Bedrohung für das Klima




06.05.22 09:37
Stock-World Redaktion

Sehr geehrte Damen und Herren,


die Unterstützung für die Klimapläne der Regierungen ist in weiten Teilen der Wählerschaft noch nicht gefestigt. Verständlicherweise verlagert auch der Krieg in der Ukraine den Fokus auf Themen wie Kaufkraftverlust und Sicherheit. Populistische Parteien machen sich diese kurzfristige Ausrichtung geschickt zunutze. So schaffte es die rechtsradikale Kandidatin Marine Le Pen mit der Fokussierung auf die Kaufkraft in die Endrunde der französischen Präsidentschaftswahlen. Dass die Franzosen anfällig für derartige Themen sind, zeigt sich schon an der Bewegung der „Gelbwesten“, die als Reaktion auf die große sozioökonomische Ungleichheit entstand. Die anhaltende Ungleichheit führt verständlicherweise dazu, dass es den Wählern gleichgültig ist, dass Le Pen ganze Windparks abbauen und die Subventionen für Wind- und Solarenergie kürzen wollte. Und genau das ist die Schwachstelle aller Klimapläne: Wenn sie nicht jedes Mal von Maßnahmen zur Beseitigung der sozioökonomischen Ungleichheit begleitet werden, wird eine große Gruppe von Menschen weiterhin versucht sein, dem Ruf des Populismus zu folgen. Das Wiederaufleben des Populismus führt oftmals zu einer Regierung, die aus Klimaskeptikern besteht, wie wir am Beispiel Donald Trump gesehen haben.
 
Keine sehr attraktive Aussicht für politische Entscheidungsträger, die sich ernsthaft um die Bekämpfung der globalen Erwärmung bemühen. Dennoch scheint dieser Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Ungleichheit und dem Erfolg von Klimaplänen von vielen Politikern übersehen zu werden. Dies zeigt sich beispielsweise an der absurden Entscheidung vieler europäischer Regierungen, die Benzin- und Mehrwertsteuer auf Energie pauschal zu senken. Es sollte klar sein, dass es keinen Sinn macht, alle Menschen gleichermaßen für eine steigende Energierechnung zu entschädigen, während Familien, die unterhalb der Armutsgrenze leben, viel härter getroffen werden. Diese Missachtung der Ungleichheit nährt bei Ihnen das Gefühl benachteiligt zu sei und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit eines populistischen, klimaskeptischen politischen Wandels. Die Tatsache, dass Klimapolitik tatsächlich Arbeitsplätze schafft und enorme Kosten in der Zukunft verhindert, wird vergessen, sobald das Bauchgefühl die Oberhand gewinnt. Es ist daher höchste Zeit, dass die Regierungen in aller Welt nach dieser Erkenntnis handeln. Denn der wichtigste Aktionspunkt in jedem erfolgreichen Klimaplan lautet: Beseitigung der sozioökonomischen Ungleichheit.


Joeri de Wilde

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Joeri de Wilde, Investment Strategist bei Triodos Investment Management



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Der Autor stellt hier lediglich Informationen zur Verfügung, es erfolgt keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Vermögensanlagen. Anlagegeschäfte beinhalten Risiken, so dass die Konsultierung professioneller Anlagenberater empfohlen wird. Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass ein Engagement in Aktien (auch Hot Stocks oder Penny Stocks), Zertifikate, Fonds oder Optionsscheine zum Teil mit erheblichen Risiko verbunden. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden.





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