Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

pfp Advisory: "US-Zwischenwahlen im Brennglas"




05.11.18 13:22
Redaktion boerse-frankfurt.de


Christoph Frank analysiert die möglichen Ausgänge der US-Wahlen morgen, welche Auswirkungen die möglichen Konstellationen jeweils auf die Aktienmärkte insgesamt und auf einzelne Branchen haben könnten. 5. November 2018. FRANKFURT (pfp Advisory). Was hat die Aktienmärkte im Oktober so dramatisch nach unten gezogen? Erklärungsansätze gibt es viele, z. B. der Handelskonflikt zwischen den USA und China, die auffallend häufigen "Gewinnwarnungen", die einen nahenden Wirtschaftsabschwung ankündigen könnten, die erhöhten Anleiheverkäufe der Fed, die reduzierten Anleihekäufe der EZB, die wegen der Berichtssaison fehlenden Aktienrückkäufe durch Unternehmen, der lange Börsenaufschwung davor, die in einigen Segmenten hohen Aktienbewertungen und der phasenweise überbordende Optimismus. Viele Erklärungen erscheinen mir nicht plausibel, da außer den Prognosesenkungen alle Phänomene auch schon vor dem Oktober zu beobachten bzw. bekannt waren. Alleine zur Erklärung des Mini-Crashs ausreichen dürfte keine einzige. Fakt ist, dass die Unsicherheit zugenommen hat, was sich an gängigen Volatilitätsindizes ablesen lässt. 

Immerhin ein Unsicherheitsfaktor wird am Dienstagabend höchstwahrscheinlich verschwinden: die Unklarheit über den Ausgang der US-amerikanischen Zwischenwahlen. Am 6. November dürfen die Bürger Präsident Donald Trump und seiner Regierung ein "Zwischenzeugnis" ausstellen. Jüngsten Umfragen zufolge werden die Republikaner im Senat ihre Mehrheit verteidigen. Im Repräsentantenhaus, das im Gegensatz zum Senat nicht nur zu einem Drittel, sondern komplett neu gewählt wird, könnte es dagegen zu einem Machtwechsel kommen. Die Rohdaten lassen derzeit keine klare Aussage zu, während statistisch aufbereitete Ergebnisse (z. B. auf der Internetseite 'FiveThirtyEight') einen Tag vor dem Urnengang einem demokratischen Sieg eine hohe Wahrscheinlichkeit zubilligen.

Je nachdem, ob die Demokraten diese zweite Kammer des US-Kongresses "erobern" oder nicht, wird sich Donald Trump künftig mit seinen politischen Gegnern arrangieren müssen oder unverändert "durchregieren" können. Welche Variante besser für Aktien ist, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Intuitiv erscheint ein Sieg der Republikaner wünschenswerter als ein Patt im Gefüge Präsident-Senat-Repräsentantenhaus. Schließlich sind vielen Beobachtern die Blockadesituation unter Barack Obama oder auch hierzulande die späten Jahre unter Helmut Kohl und Gerhard Schröder noch in unguter Erinnerung, als die beiden Bundeskanzler jeweils gegen einen politisch anders zusammengesetzten Bundesrat regieren mussten und am Ende fast nichts mehr ging.


"Blockadesituation unter Barack Obama" 
  Andererseits kann genauso gut argumentiert werden, und dazu neige ich, dass eine zu mächtige Regierung gerade in Wirtschaftsfragen gewöhnlich mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Politiker(innen) sind meist keine guten Wirtschaftsfachleute, die wenigsten haben vor ihrer politischen Karriere in der freien Wirtschaft gearbeitet. Am besten scheint mir in diesem Spannungsfeld die goldene Mitte zu sein: Die politischen Organe sollen sich nicht blockieren, um Stillstand zu vermeiden, aber auch nicht durchregieren können, um den größten (meist ideologiegetriebenen) Unsinn zu verhindern. 

Empirische Untersuchungen weisen übrigens ebenfalls darauf hin, dass ein geteilter US-Kongress für die Aktienkursentwicklung die beste Variante ist. Beispielsweise lag der jährliche Durchschnittsertrag des S&P 500 seit 1928 laut einer Studie von Bank of America Merrill Lynch bei 12,0 Prozent, wenn sich ein republikanischer Präsident mit einem geteilten Kongress konfrontiert sah. Konnte er sich dagegen auf einen republikanisch dominierten Kongress stützen und durchregieren, lag die Rendite fast 10 Prozentpunkte niedriger, bei auffallend schlechten 2,1 Prozent. 

Was erwartet die Aktienmärkte also am 6. November und in den zwei Jahren bis zur nächsten US-Wahl? Stark reagieren dürften die Kurse wahrscheinlich nur, wenn das Wahlergebnis deutlich von den Prognosen abweicht. Gelänge z. B. einer der Parteien ein Erdrutschsieg, würden viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt und müssten sich erst einmal neu am Markt positionieren, was wahrscheinlich erst einmal Unruhe verursachen würde.


"Was erwarten die Aktienmärkte?" 
  In den zwei Jahren danach bis zur nächsten Wahl würde Donald Trump bei einem gespaltenen Kongress mehr Schwierigkeiten haben, wichtige Gesetzesvorhaben umzusetzen, zumal er einen sehr konfrontativen Regierungsstil pflegt. Weitere Steuersenkungen oder Deregulierungen im Finanzsektor, die den Demokraten nicht genehm wären, wären erst einmal vom Tisch. Die Handelspolitik bliebe dagegen wohl die gleiche. Denn die Einführung von Strafzöllen wurde ja mit nationalen Sicherheitsinteressen begründet und beruhte auf Exekutivbefehlen. Bis zu einem formalen Handelsabkommen, über das die Legislative abstimmen müsste, kann Trump auf diese Weise handelspolitisch schalten und walten, wie er will. Wären die Verluste der Republikaner bei den Mid-Terms allerdings umfangreicher, könnte der Druck auf Trump aus den eigenen Reihen zunehmen, in der Handelspolitik weniger konfrontativ aufzutreten und wieder mehr auf Kooperation und freien Handel zu setzen. Das wäre die beste aller Welten: Viele Unternehmen würden aufgeschobene Investitionsvorhaben nachholen, das weltwirtschaftliche Umfeld würde wieder stabiler und planbarer, zerstörtes Vertrauen kehrte zurück. Dieses Szenario würde den Börsen gefallen.

Für den weniger wahrscheinlichen Fall, dass die Republikaner ihre Mehrheit in beiden Kammern behalten, dürfte sich Donald Trump in seiner Politik bestätigt fühlen. Weitere Steuerreformen und Deregulierungen könnten folgen. Profitieren dürften neben Banken und Finanzkonzernen auch die Ölindustrie, da Umweltschutzauflagen wohl weiter gelockert würden. Langfristig wären die Auswirkungen vermutlich nicht so positiv. Steigende Schulden, zunehmende Finanzierungskosten und inflationärer Druck dürften die Zinsen tendenziell weiter erhöhen, wodurch Anleihen gegenüber Aktien noch mehr an Attraktivität gewönnen. Die große Rotation von Anlagegeldern aus dem Aktienmarkt hin zum Anleihemarkt würde verstärkt.


"Steigene Schulden, zunehmende Finanzierungskosten"
  Was können Aktionäre also tun? Die vielleicht wichtigste Erkenntnis ist: Wer langfristig agiert, braucht sich um Wahlausgänge eigentlich nicht zu kümmern. Diverse Studien zeigen indes, dass nach US-Zwischenwahlen solche Sektoren am besten abschnitten, die sich durch langfristiges Wachstum auszeichnen, typischerweise Technologie, Konsum und Gesundheit. Auffallend schlecht performten dagegen Aktien aus den Bereichen Energie, Telekom und Versorger. Dass das Portfolio des DB Platinum IV Platow Fonds zurzeit in Technologie und Konsum stark und in Energie, Telekom und Versorger überhaupt nicht investiert ist, sollte angesichts dieser Befunde ex ante kein Nachteil sein, obwohl wir diese sektorale Verteilung gar nicht aktiv angestrebt haben. Offenbar hat unser strikter Bottom-up-Auswahlprozess "automatisch" diejenigen Einzeltitel verstärkt ins Rampenlicht geschoben, die derzeit auch gemäß einer Branchen-Selektion als aussichtsreich gelten. 

von Christoph Frank
5. November 2018, © Deutsche Börse AG

Über den Autor


Christoph Frank ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Roger Peeters steuert der seit über 20 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DB Platinum IV Platow Fonds (WKN DWS030), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds. Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Frank schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.
Disclaimer Inhalte des Onlineangebots Die hierin enthaltenen Angaben und Mitteilungen sind ausschließlich zur Information bestimmt. Keine der hierin enthaltenen Informationen begründet ein Angebot zum Verkauf oder die Werbung von Angeboten zum Kauf eines Terminkontraktes, eines Wertpapiers oder einer Option, die zum Handel an der Eurex Deutschland oder der FWB® Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen sind oder eines sonstigen Terminkontraktes, einer Emission oder eines hierin erläuterten Produktes. 

Die Deutsche Börse AG, Eurex Deutschland, Eurex Frankfurt AG, Eurex Clearing AG, FWB Frankfurter Wertpapierbörse und Börse Frankfurt Zertifikate AG haften nicht dafür, dass die folgenden Informationen vollständig oder richtig sind. Infolgedessen sollte sich niemand auf die hierin enthaltenen Informationen verlassen. Die Deutsche Börse AG, Eurex Deutschland, Eurex Frankfurt AG, Eurex Clearing AG, FWB Frankfurter Wertpapierbörse und Börse Frankfurt Zertifikate AG haften nicht für Schäden aufgrund von Handlungen, die ausgehend von den auf dieser oder einer der nachfolgenden Seiten enthaltenen Informationen vorgenommen werden. 

Zum Handel an der FWB zugelassene Wertpapiere sowie Eurex-Derivate (mit Ausnahme des DAX®Future-, STOXX® 50 Future-, EURO STOXX® 50 Future-, STOXX 600 Banking Sector Future-, EURO STOXX Banking Sector Future- und Global Titans Future-Kontrakts und Eurex Zinssatz Derivaten) stehen derzeit nicht zum Angebot, Verkauf oder Handel in den Vereinigten Staaten zur Verfügung noch dürfen Bürger, die den US-amerikanischen Steuergesetzen unterliegen, diese Wertpapiere anbieten, verkaufen oder handeln. 

Die in XTF Exchange Traded Funds® gelisteten Fondsanteile sind zum Handel an der FWB Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen. Nutzer dieses Informationsangebotes mit Wohnsitz außerhalb von Deutschland weisen wir darauf hin, dass der Vertrieb der in XTF Exchange Traded Funds gelisteten Fondsanteile in diesem Land möglicherweise nicht zulässig ist. Die Verwendung der Informationen geschieht auf eigene Verantwortung des Nutzers. Verweise und Links Bei direkten oder indirekten Verweisen auf fremde Internetseiten ("Links"), die außerhalb des Verantwortungsbereiches des Autors liegen, würde eine Haftungsverpflichtung ausschließlich in dem Fall in Kraft treten, in dem der Autor von den Inhalten Kenntnis hat und es ihm technisch möglich und zumutbar wäre, die Nutzung im Falle rechtswidriger Inhalte zu verhindern. Der Autor erklärt daher ausdrücklich, dass zum Zeitpunkt der Linksetzung keine illegalen Inhalte auf der verlinkten Seiten erkennbar waren. 

Der Autor hat keinerlei Einfluss auf die aktuelle und zukünftige Gestaltung und auf die Inhalte der gelinkten/verknüpften Seiten. Deshalb distanziert er sich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten /verknüpften Seiten, die nach der Linksetzung verändert wurden. 

Diese Feststellung gilt für alle innerhalb des eigenen Internetangebotes gesetzten Links und Verweise sowie für Fremdeinträge in vom Autor eingerichteten Mailinglisten. Für illegale, fehlerhafte oder unvollständige Inhalte und insbesondere für Schäden, die aus der Nutzung oder Nichtnutzung solcherart dargebotener Informationen entstehen, haftet allein der Anbieter der Seite, auf welche verwiesen wurde, nicht derjenige, der über Links auf die jeweilige Veröffentlichung lediglich verweist. Rechtswirksamkeit des Disclaimers Dieser Disclaimer ist ein Teil des Internetangebots, von dem aus auf diese Seite verwiesen wurde. Sofern einzelne Teile oder einzelne Formulierungen dieses Textes der geltenden Rechtslage nicht, nicht mehr oder nicht vollständig entsprechen sollten, bleiben die übrigen Teile des Dokumentes in ihrem Inhalt und ihrer Gültigkeit davon unberührt. Einbindung von weiteren Inhalten Dritter Es ist möglich, dass innerhalb unserer Website Inhalte Dritter unter anderem im Form von sog. iFrames eingebunden werden. Die Anbieter dieser Inhalte werden technisch bedingt Ihre IP-Adresse erfahren, um ihre Inhalte an ihren Browser zu senden, eventuell Cookies setzen wollen oder Analyse-Tools einsetzen. Für den datenschutzgerechten Umgang mit ihren Daten sind diese Drittanbieter eigenverantwortlich. Zu den Kontaktmöglichkeiten des Anbieters, dessen Datenschutzbestimmungen und eventuell eingeräumte Widerspruchsmöglichkeiten verweisen wir auf das Impressum und die Datenschutzerklärung des jeweiligen Drittanbieters.




powered by stock-world.de




 

 
hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
269,49 € 272,60 € -3,11 € -1,14% 27.01./00:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
LU1239760025 DWS030 317,58 € 256,82 €
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
Tradegate (RT)
270,641 € -0,68%  09:47
München 267,93 € -0,46%  09:58
Fondsgesellschaft 269,49 € -1,14%  09.11.18
Düsseldorf 264,89 € -1,85%  19:04
Frankfurt 264,57 € -1,87%  19:50
Berlin 264,31 € -2,23%  17:08
  = Realtime
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

Meistgelesene Artikel
Aktuelle Diskussionen
Es ist noch kein Thema vorhanden.
RSS Feeds




Bitte warten...