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Kolumnist: Franklin Templeton

Die neue Landschaft der Schwellenländer: Auf dem Weg zum globalen Technologieführer




30.06.20 09:42
Franklin Templeton

In diesem Beitrag unserer  Reihe erläutert das Team von Franklin Templeton Emerging Markets Equity, wie Schwellenländerunternehmen Innovation betreiben.


Neue Realität: Durch Innovation und moderne Technologien haben Unternehmen aus Schwellenländern etablierte Modelle hinter sich gelassen.

Die Schwellenländer werden nicht zwangsläufig demselben Entwicklungsmuster folgen wie die Industrieländer. Dies kann aus unserer Sicht auch gut sein. So gibt es in Schwellenländern und den dortigen Unternehmen beispielsweise mitunter keine traditionelle physische oder technologische Infrastruktur, die modernisiert werden müsste. Stattdessen ist dort sofort der Schritt in Infrastruktur der nächsten Generation möglich. Dies kann Innovationen und neue Geschäftsmodelle fördern. Private Banken in Indien nutzen beispielsweise digitale Ressourcen, um Kunden in ländlichen Gebieten zu gewinnen, die nur schlechten oder keinen Zugang zu Bankdienstleistungen haben.


Mit der anhaltenden Umstellung hin zu einer wissensbasierten Weltwirtschaft ist eine zunehmende Bedeutung immaterieller Vermögenswerte zu beobachten. Tatsächlich stehen mehrere Schwellenländer in Bereichen wie E-Commerce, digitaler Zahlungsverkehr und dem erwähnten Mobile Banking an der Innovationsspitze und lassen dabei den Westen hinter sich. Nach unserer Auffassung dürfte sich dieser Trend fortsetzen.


Die Schwellenländer haben die USA und Japan in Bezug auf Patentanmeldungen überholt, wie die folgende Grafik zeigt. Ebenso zeigt die Grafik, dass das Wachstum der chinesischen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) die Ausgaben der Industrieländer bei weitem übersteigt. Ausgebaut wird dieser Vorsprung durch die in den Schwellenländern in der Regel niedrigeren Kosten für die Entwicklung und Wartung von Technologie-Software. Zudem haben viele Kreditinstitute von Anfang an flexible digitale Plattformen aufgebaut, während ihre Konkurrenz aus den Industrieländern Schwierigkeiten bei der Migration traditioneller Systeme hat. Auch der lokale Zugang zu solider Expertise in künstlicher Intelligenz hilft den Kreditinstituten, ihre eigenen Ressourcen in digitalen Boom-Ländern zu entwickeln.



Auf dem Weg an die globale Spitze

In China gibt es mehr als vier Millionen Basisstationen der vierten Generation (4G). Dies ist mehr als die Hälfte aller 4G-Basisstationen weltweit und 15 Mal mehr als in den USA.[1]  Daher nimmt China bei der Mobilfunk-Netzabdeckung unter den großen Volkswirtschaften einen Spitzenplatz ein. Und auch bei der Einführung der 5G-Technologie geht China voran.


Zudem betragen die Datenkosten in China nur einen Bruchteil der Kosten im Westen. Daher wird Technologie von einem größeren Anteil der Bevölkerung genutzt.


Angesichts der COVID-19-Epidemie gelten diese Technologien als unverzichtbar, denn immer mehr Menschen müssen zu Hause arbeiten und lernen.



„China wird ganz vorne bei der 5G-Technologie mitspielen: Es wird erwartet, dass bis 2025 rund 600 Millionen Chinesen 5G nutzen werden. Das entspricht 40 % der prognostizierten 1,6 Milliarden Nutzer weltweit.[2] In Kombination mit künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik wird diese Technologie das Wachstum in der chinesischen New Economy antreiben und das Streben des Landes nach einer größeren Unabhängigkeit von den USA unterstützen“, so Manraj Sekhon von Franklin Templeton Emerging Markets Equity am 18. Dezember 2019.


Die Nachfrage nach mehr Technologie dürfte einen Dominoeffekt in der Halbleiterbranche in Südkorea und Taiwan auslösen, die mittlerweile zwei der größten Halbleiterhersteller der Welt sind.


Der südkoreanische Konzern Samsung Electronics beispielsweise entwickelte sich seit den 1970er Jahren vom Fernsehgerätehersteller zu einem weltweit führenden Hersteller von Speicherchips. Derweil stammen einige der modernsten Chips, die in einer Vielzahl von Geräten – von Smartphones bis hin zu Servern – zum Einsatz kommen, von der Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC).


Mehr online in COVID-Zeiten

In Krisenzeiten müssen sich Unternehmen häufig rasch anpassen. Dies kann zur Übernahme neuer Technologien führen. Als das Coronavirus in China ausbrach, war New Oriental, einer der führenden Anbieter von Nachhilfekursen des Landes, beispielsweise imstande, sämtliche in Präsenzkursen angebotenen Unterrichtseinheiten in 100 Städten auf eine Online-Plattform umzustellen.


Diese Umstellung betraf zwei Millionen Schüler – und das ist nur ein Beispiel von vielen. Auf mittlere bis lange Sicht erwarten wir in China eine weitere Beschleunigung bei der Durchdringung im Bereich Online-Nachhilfe.


Die Alibaba-Gruppe, die für ihre E-Commerce-Plattform bekannt ist, hat ihr Geschäft im Laufe der Jahre breiter aufgestellt und ist in neue Sektoren expandiert. Während des Lockdowns gewährte Alibaba freien Zugang zu seiner Kommunikations-App, so dass 600.000 Lehrer Fernunterricht erteilen konnten.


Das Unternehmen erhöhte zudem die Anzahl von Livestreaming-Sitzungen auf seiner E-Commerce-Plattform, als Millionen von Menschen im Lockdown in ihren Häusern eingeschlossen waren. Livestreaming-Hosts boten Preise, Rabatte und Spiele, um mit potenziellen Kunden in einem modernen Teleshopping-Erlebnis zu interagieren. Im Westen sind Streaming-Plattformen generell auf Spiele und Unterhaltung konzentriert. In China ist Livestreaming für chinesische Verbraucher bei der Suche nach neuen Produkten und Rabatten mittlerweile eine wichtige Option. Für Händler ist Livestreaming mittlerweile ein wichtiger Kanal, nicht nur, um die Rückgänge im Offline-Geschäft auszugleichen, sondern auch um die Kreativität im Marketing und die Entwicklung der Kundenbeziehungen zu fördern.


Die COVID-19-Pandemie hat technologische Entwicklungen rund um den Globus beschleunigt und möglicherweise dauerhaft verändert, wie wir einkaufen, lernen und Gesundheitsleistungen nutzen. Die Unternehmen in den Schwellenländern schienen zu Beginn dieser Krise relativ solide zu sein, und ihre Fähigkeit, diese Krise zu bewältigen, ist unserer Einschätzung nach sehr viel größer als in früheren, ähnlichen Krisenzeiten.


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[1] CEIC, WIND, CICC Research, Juni 2019.


[2] Quelle: GSMA Intelligence. Stand: Oktober 2019. Es kann nicht zugesichert werden, dass sich Prognosen, Schätzungen oder Hochrechnungen als richtig erweisen.










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