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Kolumnist: Sven Weisenhaus

Der gefährlichste Börsenmonat




04.09.18 12:08
Sven Weisenhaus

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,


bei dem Oktober handelt es sich um den gefährlichsten aller Börsenmonate. Das stellte auch schon Mark Twain fest und fügte hinzu: „Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Februar." Tatsächlich muss man jedoch beim September genauer hinsehen.


Nach der Sommerpause kommt der heiße Herbst


Gestern feierten die USA noch den Labor Day, ein Feiertag, der mit unserem 1. Mai vergleichbar ist (Tag der Arbeit). Dies ist auch der Tag, an dem die Sommerferien enden und damit heute wieder die Schule beginnt. Und auch an der Börse markiert der Labor Day das Ende der Sommerpause und den Beginn des „heißen Herbsts“. Da die US-Börsen gestern geschlossen waren, nutzen wir die Zeit, um die weiteren Perspektiven der US-Märkte im Herbst auszuloten.


Seinen schlechten Ruf hat der Oktober wohl den großen Crashs von 1929 und 1987 zu verdanken. Dabei handelt es sich beim Oktober statistisch gesehen eher um einen unauffälligen Monat. Der wirklich schlechteste Monat ist dagegen der bereits begonnene September.


Das verdeutlicht auch der folgende Chart:


Dow Jones Jahreszyklen


(Quelle: MarketMaker, eigene Berechnungen)


 


Die obere hellblaue Kurve zeigt den Durchschnittsverlauf des Dow Jones seit 1900, die dunkelblaue Kurve den Durchschnittsverlauf aller Zwischenwahljahre seit 1900 (2018 ist ebenfalls ein Zwischenwahljahr) und die rote Kurve stellt den Verlauf des Dow Jones seit Jahresbeginn dar. Man erkennt in beiden historischen Durchschnittsverläufen einen Kursrückgang im September (siehe gelbe Markierung). Diese Saisonalität hatte auch schon Sven Weisenhaus vor einiger Zeit beschrieben.


Aussichten nach Allzeithoch etwas besser?


Nun stellt sich die Frage (die auch einige Leser hatten), ob sich die Aussichten für September durch das neue Allzeithoch im S&P 500 und im NASDAQ 100 verbessert haben.


Die erste eindeutige und etwas entmutigende Antwort findet man in der hellblauen Kurve im obigen Chart. So markiert der Dow Jones faktisch während des gesamten Jahres über immer höhere Allzeithochs, um dann doch wieder im September einzubrechen.


Der September ist der schlechteste Börsenmonat


Zumal der September in allen US-Indizes mit Abstand schlechteste Monat ist. Das verdeutlicht auch die folgende Auflistung:


  • ·Im September beträgt die Rendite Im Dow Jones durchschnittlich -1,05 %. Das ist die schlechteste Rendite im ganzen Jahr und nur der Februar besitzt ebenfalls ein negatives Monatsergebnis mit moderaten -0,12 %.
  • ·In 70 von 121 Jahren stand am Ende ein Verlust Im Dow Jones zu Buche. Dies entspricht einer Verlustwahrscheinlichkeit von 57,9 %. Nur  im Juni gibt es häufiger Verluste anstatt Gewinne und dann auch nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 51,2 % (63 von 123 Jahren).
  • ·Auch im S&P 500 gilt der September als der verlustreichste Monat (-1,02 %) vor Februar und Mai mit -0,05 bzw. -0,02 Prozent. Dazu gibt es neben dem September keinen Monat mit mehrheitlichen Verlusten (49 von 89 Mal = 55,1 %)
  • ·Im NASDAQ Composite gibt es keinen anderen Monat, der seit 1971 im Durchschnitt mit Verlusten endete.
Auch „Spezialstatistiken“ helfen nicht Doch man soll ja keiner Statistik trauen, die man nicht selbst „erstellt“ hat. Deshalb habe ich einmal versucht, ein Kriterium zu finden, nachdem der Dow Jones im September statistisch im Plus lag. Doch leider bin ich daran gescheitert. Hier ein paar Beispiele dazu:
  • ·Nach kleinen Verlusten im Juni, stellten sich im Juli und August wieder klare Gewinne ein. Von den 27 Fällen, in den das schon früher einmal so passierte, lag der September nur 8-mal im Plus, aber 19-mal im Minus – mit einem Durchschnittsverlust von 1,98 %.
  • ·In 46 Fällen, in denen man wenigstens zwei Gewinnmonate im Sommer (Juni-August) und in diesen drei Monaten insgesamt einen Gewinn feststellen konnte, kam es zu 20 positiven September. Doch in 23 Fällen gab es am Ende Kursverluste mit einem durchschnittlichen Minus von 1,78 %.
  • ·Und in den 31 Jahren, in denen es im Dow Jones wie 2018 bis August immerhin 5 Monate mit Gewinnen gab, stand am Ende nur 14-mal ein Kursplus im September zu Buche. Dagegen kam es 17-mal zu Verlusten von durchschnittlich 1,68 %.

Werden wir also auch dieses Jahr den üblichen September-Blues spüren?


Es gibt noch Hoffnung


Am Ende sehen wir in der Statistik nur die Durchschnittswerte. Dies sagt uns noch nicht, wie das Ergebnis in einem bestimmten Jahr konkret aussehen wird. Zumal die Kursschwankungen von Jahr zu Jahr – nicht nur im September! – erheblich ausfallen. Dies verdeutlicht auch die folgende Grafik, in der die statistischen Durchschnittswerte (rote Punkte) zusammen mit den durchschnittlichen Schwankungen (blaue Striche nach oben und unten) abgebildet sind.


Dow Jones Monatsrenditen/-schwankungen seit 1896


(Quelle: MarketMaker, eigene Berechnungen)


Man erkennt, dass der blaue Strich auch im September ein ganzes Stück über die Nulllinie herausragt. Und dabei handelt es sich nur um die durchschnittlichen Schwankungen. So kam es auch schon zu Jahren mit einem zweistelligen Kurszuwachs im September! Es gibt also immer noch Hoffnung, sogar auf ein neues Allzeithoch im Dow Jones.


Der September bietet auch Chancen


Doch wir sind nicht gezwungen uns auf den Dow Jones zu beschränken. Wenn man nämlich die obigen „Spezialstatistiken“ z.B. für den NASDAQ Composite berechnet (der eine extrem hohe Korrelation mit dem NASDAQ 100 aufweist, aber ein längere Kurshistorie besitzt), bekommt man durchaus positive Ergebnisse. Diese weisen zumindest auf einen positiven Verlauf für die Technologiewerte im September hin.


Passenderweise steigen die Technologiewerte derzeit tatsächlich relativ stark an, wie Sven Weisenhaus erst vor kurzem beschrieb (siehe Börse-Intern vom 30.08.2018). Und getreu dem Motto „The Trend is your Friend!“ könnte diese Stärke auch noch im September anhalten. Somit bietet es sich an, in den kommenden Wochen eher in die Technologietitel im NASDAQ zu investieren als in den Dow Jones.


Doch was ist mit der ebenfalls im Artikel beschriebenen Überbewertung der Technologieaktien? Dieses „Restrisiko“ bleibt leider bestehen, wenn wir die statistische Wahrscheinlichkeit auf unsere Seite bringen. Doch irgendein Risiko gehen wir schließlich an der Börse immer ein - sonst wäre es keine Börse mehr. Diese Erkenntnis hatte bestimmt auch schon Mark Twain.


Mit besten Grüßen


Ihr Torsten Ewert


(Quelle: www.stockstreet.de)



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