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Kolumnist: Geldanlage-Report

Die besten Anlagestrategien für Aktien




24.08.06 17:23
Geldanlage-Report

Quelle: www.geldanlage-report.de


 


Lieber Geldanleger,


ich werde immer wieder gefragt, was ich für die wichtigste Tugend eines Börsianers halte? Und meine Antwort ist immer die Gleiche: Disziplin! Denn nur wer in der Lage ist erfolgreiche Strategien über Jahre hinweg diszipliniert umzusetzen, wird am Ende überdurchschnittliche Erträge erzielen. Lesen Sie, wie der Spaß an der Börse dabei trotzdem nicht auf der Strecke bleibt!



*Warum die meisten Leute an der Börse kein Geld verdienen


In der Theorie ist die Anlage in Aktien das Einfachste der Welt. Inzwischen gibt es verschiedene Langfriststudien, die auf wissenschaftlicher - soll heißen: statistisch signifikanter - Basis nachweisen, dass Sie als Privatanleger langfristig mit überaus simplen Strategien die Möglichkeit haben, den Gesamtmarkt klar zu schlagen. Vorausgesetzt, Sie setzen diese Strategien über einen Zeitraum von mehreren Jahren stur um.


Ich nenne Ihnen ein ganz simples Beispiel: Wenn Sie in den vergangenen 40 Jahren immer am ersten Handelstag des Jahres die 50 Aktien gekauft hätten, die im Vorjahr an der Wall Street am stärksten gestiegen waren und diese für ein Jahr gehalten hätten, dann wäre eine durchschnittliche jährliche Rendite von 11,13 Prozent pro Jahr drin gewesen. Aus 10.000 US-Dollar wären so - ohne Berücksichtigung der Transaktionskosten - 681.200 US-Dollar geworden. Nicht schlecht oder?


Der S&P 500-Index hat in diesem Zeitraum eine durchschnittliche Rendite von 10,61 Prozent erwirtschaftet. Aus 10.000 US-Dollar wären dann "nur" 564.584 US-Dollar geworden. Mit minimalem Aufwand hätten Sie so also das geschafft, was 80 Prozent der Fondsmanager nicht schaffen - den Vergleichsindex (Fachbegriff: Benchmark) zu schlagen!


*Was eine Langfrist-Studie enthüllt


Zurecht werden einige von Ihnen jetzt einwenden, dass unter Einbeziehung der Transaktionskosten der knappe Vorsprung gegenüber dem Index wieder eingebüßt worden wäre. Denen möchte ich entgegnen: Zum einen können Sie ganz ohne Gebühren auch nicht in ein Indexzertifikat oder andere Produkte investieren, die den Index 1:1 nachbilden. Zum anderen möchte ich Sie ja auch nicht dazu auffordern, blind die Top-Performer des Vorjahres zu kaufen.


Aber drehen wir doch den Spieß mal um: Was, glauben Sie, wäre aus den 10.000 US-Dollar geworden, wenn Sie in den vergangenen 40 Jahren (bzw. im Untersuchungszeitraum der Studie, der die Jahre1963 bis 2003 abdeckt) immer zum Jahresbeginn die Aktien gekauft hätten, die im Vorjahr am meisten an Wert verloren hatten?


Schätzen Sie mal! 400.000 US-Dollar? 300.000 US-Dollar? Oder vielleicht sogar mehr als beim Kauf der Vorjahres-Gewinner-Aktien? Schließlich haben Sie ihre Aktien ja vermeintlich günstig eingekauft.


Weit gefehlt! Aus den 10.000 US-Dollar wären - halten Sie sich fest - schlappe 21.898 US-Dollar geworden. Ohne Berücksichtigung der Transaktionskosten entspricht dies einer katastrophalen durchschnittlichen Jahresperformance von 1,98 Prozent. Unter Berücksichtigung der Inflation wäre ihr Depot unter dem Strich nach 40 Jahren weniger als vorher Wert gewesen.


*Gewinner bleiben Gewinner und Verlierer bleiben Verlierer


Allein durch dieses simple Unterscheidungsmerkmal konnten also die "Gewinnertypen" unter den Anlegern in der Vergangenheit Jahr für Jahr durchschnittlich um 9 Prozent mehr verdienen als die "Verlierertypen".


Dieses Ergebnis können Sie übrigens genau wie alle folgenden Daten in der dritten Ausgabe des Buches "What Works On Wall Street" von James P. O`Shaughnessy nachlesen, das im vergangenen Jahr in den USA erschienen ist. Eine deutsche Übersetzung dieser Ausgabe gibt es leider noch nicht.


Was fangen wir jetzt also mit diesem Ergebnis an? Nun, genau in dieser simplen Statistik liegt der Ursprung für den Erfolg von Trend-Strategien im Allgemeinen. Aktien neigen dazu, ihren einmal eingeschlagenen Trend fortzusetzen. Das heißt Aktien, die in der Vergangenheit gestiegen sind, neigen dazu auch künftig weiter zu steigen und Aktien, die in der Vergangenheit gefallen sind, neigen dazu auch zukünftig zu fallen.


*Die Weiterentwicklung der Strategie


Selbstverständlich gibt es neben dem Trendverlauf einer Aktie auch fundamentale Kriterien, die in der Vergangenheit bei strikter Befolgung eine Überrendite gegenüber dem Gesamtmarkt erzielt haben.


Eine ganze Reihe von Autoren haben bewiesen, dass Aktien, die nur mit einem relativ niedrigen Vielfachen ihrer im letzten Jahr erzielten Gewinne und Umsätze sowie ihrer Cashflows und ihres Buchwertes bewertet werden, im Durchschnitt stärker steigen als Aktien mit entsprechend hohen Vielfachen. Auf Neudeutsch wird hier von einer "Outperformance der Value-Aktien" gesprochen.


O`Shaughnessy hat beispielsweise herausgefunden, dass die besten Ergebnisse dann erzielt werden, wenn die Komponente "Starker Kurszuwachs" mit einer wertorientierten Kennzahl kombiniert wird. Eine der Top-Strategien ist demnach die Kombination aus "Starker Kurszuwachs im Vorjahr" und niedrigem Kurs-Umsatz-Verhältnis. Aus der Menge aller Aktien werden die mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von unter eins herausgegriffen und entsprechend der erzielten Kursgewinne im Vorjahr geordnet. Die 50 Top-Aktien werden dann gekauft und ein Jahr lang gehalten. Das Ergebnis ist beeindruckend: Eine jährliche durchschnittliche Rendite von 16,75 Prozent wäre so drin gewesen. Aus 10.000 US-Dollar wären in 40 Jahren erstaunliche 4,91 Millionen US-Dollar geworden. Den Gesamtmarkt hätten Sie so um Längen geschlagen.


*Warum schaffen es dann trotzdem so wenig?


Wenn es wirklich so einfach ist, den Markt zu schlagen, warum schaffen es dann so wenige? Nun, es ist nur auf dem Papier einfach. In der Praxis ergeben sich, nicht zuletzt durch psychologische Faktoren, einige Probleme:


1. Diese Strategien funktionieren nur, wenn sie über mehrere Jahre hinweg umgesetzt werden. Auch die beste Strategie hat ihre schwachen Phasen, in denen Sie mit ihr Geld verlieren. Wer hat heutzutage schon noch die Geduld, diese Phasen durchzustehen, ohne in eine vermeintlich bessere Strategie oder einfach in "Hot Stocks" zu wechseln?


2. Wer ist bereit einen Betrag X ohne wenn und aber für die Anlage in Aktien auf die Seite zu bringen, ohne der Verlockung zu erliegen, nach dem ersten guten Jahr, mit den aufgelaufenen Gewinnen ein neues Auto zu kaufen?


3. Wer bringt die Disziplin auf, Empfehlungen für solche Aktien, die nicht in die gewählte Anlagestrategie passen, zu ignorieren? Zunächst wird eine Ausnahme gemacht, dann noch eine und zum Schluss besteht das Depot wieder aus einem bunt zusammen gewürfelten Sammelsurium an Werten.


4. Die mechanische Art der Aktienauswahl ist zwar sehr erfolgreich aber auch sehr langweilig. Menschen interessieren sich für interessante Storys, Hintergrundinformationen und lassen sich von rhetorisch begabten Unternehmensvorständen, die sich und ihre Aktie optimal vermarkten können, beeindrucken. Wie langweilig ist dagegen eine Kennzahl wie das KUV!


5. Den Anlegern wird von verschiedenster Seite der Weg zum schnellen Reichtum vorgegaukelt. Eine ganze Branche lebt davon, dass die Leute schnell hin und her traden, die neuesten Zertifikate, Garantiefonds und Optionsscheine kaufen. Stellen Sie sich vor, jeder würde bei einem günstigen Broker für 1 US-Dollar je Aktie am Jahresanfang 20 bis 30 Werte kaufen und diese ein Jahr halten! Das würde eine ganze Branche ruinieren (was wiederum auch schlecht wäre, weil Sie dann die Aktien nicht mehr für 1 US-Dollar kaufen könnten aber das ist ein anderes Thema). Also wird alles dafür getan, die Leute zum Spekulieren zu bringen. Machen Sie sich doch mal den Spaß und rechnen Sie zusammen, was Sie in den letzten 12 Monaten an Transaktionsgebühren "verbraten" haben und was unter dem Strich dabei an Gewinn für Sie herausgesprungen ist. Wer kann sich dieser Vermarktungsmaschinerie als Anleger denn noch entziehen?


Sie merken: Letztlich kommen wir immer wieder auf das Thema "Disziplin" zurück.


*Spaß mit der Börse haben und trotzdem verdienen?


'Schlechte Karten also für diejenigen, die beides möchten? Spaß an und mit der Börse haben - und trotzdem Geld zu verdienen.


Nicht unbedingt. Denn es gibt ja immer noch die Alternative aus der Masse an Trend-Aktien mit den besten Fundamentaldaten, die mit den interessantesten Storys aufzugreifen. Derartige Aktien stellen wir Ihnen u.a. in unseren wöchentlichen Ausgaben des Geldanlage-Reports vor (erscheint jeden Samstag).


Jetzt gratis anmelden und die aktuelle Ausgabe lesen: http://www.geldanlage-report.de


 


Viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage wünscht Ihnen


 


Ihr


Armin Brack


Chefredakteur Geldanlage-Report


www.geldanlage-report.de


 


 



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