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Kolumnist: wikifolio.com

Zertifikate-Strategien bauen traumhafte Charts! Ist das der heilige Gral?




13.10.17 07:33
wikifolio.com

Es müssen nicht immer Aktien sein. Auch wenn Warren Buffett das Segment der Derivate einst als "finanzielle Massenvernichtungswaffe" bezeichnet (und selbst trotzdem eingesetzt) hat, lassen sich mit solchen strukturierten Wertpapieren überaus interessante Anlagestrategien umsetzen. Bei wikifolio.com gibt es gleich mehrere Trader, die in diesem Bereich aktiv sind und durch kontinuierlich steigende Kurse überzeugen. Eine risikolose Gelddruckmaschine sind solche Strategien allerdings nicht, auch wenn die Charts der wikifolio-Zertifikate dies vielleicht suggerieren. Anleger sollten sich deshalb vor einem möglichen Investment auch hier ganz genau damit vertraut machen, welche Chancen und vor allem Risiken die jeweilige Handelsidee beinhaltet und wie die gehandelten Produkte im Detail funktionieren. Wir schauen uns das deshalb heute etwas genauer an.


Von links unten nach rechts oben

Den meisten Anlegern bekannt sein dürfte das wikifolio "ProReturn" von Henry Neumann ("permanentReturn"), das wir hier im Blog schon mehrfach vorgestellt haben. Mit einem investierten Kapital von über 15 Mio. Euro zählt das wikifolio-Zertifikat mittlerweile zu den absoluten Lieblingen der Investoren. Bei einer Performance von 75 Prozent und einem Maximalverlust von weniger als 9 Prozent hat der Kurs des wikifolio-Zertifikats eine relativ gradlinige Entwicklung von links unten nach rechts oben genommen. Das hat zum einen mit der professionellen Herangehensweise des erfahrenen Traders zu tun, ist in Teilen aber sicher auch dem Marktumfeld geschuldet. Von kurzfristig sehr starken Kursausschlägen bei dem vom ihm meist über Bonuszertifikate gehandelten DAX ist der Trader bislang weitestgehend verschont geblieben. So konnte die gehandelte Strategie ihre Stärken voll ausspielen.


Geringere Schwankungen durch größere Streuung

Ähnlich sieht es bei dem von Allan Valsky ("Franz99") betreuten wikifolio "Werthaltig mit Discounter" aus, der hier bei einer möglichst niedrigen Volatilität eine "mittlere Rendite mit Hilfe von verschiedenen Anlagezertifikaten" erwirtschaften möchte. Bei einer Performance von 28 Prozent und einem Maximum Drawdown von unter 5 Prozent wurden diese Ziele seit dem Start im Februar 2016 mehr als erreicht. Im Vergleich zu seinem Traderkollegen legt Valsky noch größeren Wert auf eine Diversifizierung seines Zertifikate-Portfolios. Bei dem Großteil der momentan 22 Positionen arbeitet er zudem mit Papieren, die mehrere Monate Restlaufzeit ausweisen und einen relativ großen Risikopuffer mitbringen.


30 Prozent Puffer für die nächsten acht Monate

Das mit einem Depotanteil von 8 Prozent zu den Schwergewichten zählende Capped Bonuszertifikat auf BASF wird zum Beispiel erst im Juni 2018 fällig und ist mit einer Barriere bei 62 Euro ausgestattet. Ein Niveau, das letztmals im Februar 2016 gehandelt wurde und gut 30 Prozent unter dem aktuellen Aktienkurs liegt. Sollte die Barriere bis zum Laufzeitende niemals verletzt werden, erhält der Trader den festgeschriebenen Höchstbetrag von 100 Euro, was vom jetzigen Niveau aus einen Gewinn von knapp 3 Prozent bedeuten würde. Bezogen auf seinen Einstiegskurs winkt ein Plus von 8,5 Prozent. Sollte die Barriere allerdings gerissen werden, fällt das Zertifikat auf den Kurs der Aktie zurück, was erhebliche Verluste zur Folge hätte. Bei einem Aktienminus von zum Beispiel 40 Prozent, würde das Zertifikat 45 Prozent an Wert verlieren. In einem solchen Szenario wäre wohl auch der gradlinige Kursverlauf des wikifolio-Zertifikats nicht mehr aufrechtzuerhalten, wobei der Trader zum Teil auch Reverse Bonuszertifikate einsetzt, die von fallenden Kursen profitieren können.


Das Stillhalten wird belohnt

Neben diesen mittelfristig ausgerichteten Zertifikaten setzt der Trader aber auch auf eine sehr kurzfristige Strategie, die bei dem "ProReturn"-wikifolio fast ausschließlich angewendet wird und für einen nicht unerheblichen Teil der bisherigen Performance verantwortlich sein dürfte. So kauft er regelmäßig Capped Bonuszertifikate auf den DAX mit einem massiven Aufgeld und einer nur noch sehr kurzen Restlaufzeit. Mit solchen Papieren lässt sich im Erfolgsfall relativ schnell eine absolut betrachtet überschaubare, aufs Jahr hochgerechnet aber sehr attraktive Rendite einstreichen. Das Risiko von erheblichen Kursverlusten im Falle von Marktverwerfungen ist bei diesen Papieren allerdings enorm. Und genau das ist der Punkt, den Anleger bei solchen im Fachjargon auch Stillhaltergeschäfte genannten Strategien unbedingt berücksichtigen sollten.


Fällt der DAX in zwei Wochen um 1000 Punkte?

Schauen wir uns zur Verdeutlichung das am Dienstag mit einer Gewichtung von gut 8 Prozent neu erworbene Capped Bonuszertifikat auf den DAX mal etwas genauer an. Bei einem Einstiegskurs von rund 545 Euro kommt es am Ende der Laufzeit in gut zwei Wochen zur Rückzahlung von 550 Euro, wenn der DAX bis dahin nicht auf oder unter die Barriere von 12000 Punkten fällt. Davon ist der Index knapp 1000 Punkte oder 7,5 Prozent entfernt. In dem momentan von sehr geringer Volatilität geprägten Marktumfeld erscheint ein solcher Kursrutsch in der kurzen Zeit recht unwahrscheinlich, so dass der Trader Ende Oktober wohl die 5 Euro Ertrag und damit einen Gewinn von 0,9 Prozent mitnehmen wird. Das klingt zunächst nicht übermäßig viel, entspricht aber einer annualisierten Rendite von über 20 Prozent! Und das in einem Markt, wo die Konditionen der Produkte momentan eher schlecht sind. In volatileren Phasen ist hier noch deutlich mehr möglich.


Im schlimmsten Fall drohen 80 Prozent Verlust

Wenn man diese Strategie ständig wiederholt und Misserfolge ausbleiben, führt das auf Sicht genau zu den beschriebenen Kursverläufen, von denen wohl jeder Anleger träumt. Da die Börse aber keine Einbahnstraße ist und es irgendwann ganz sicher mal wieder zu stärkeren Turbulenzen kommen wird, sollten sich Anleger auch der Risiken einer solchen Vorgehensweise bewusst sein. Wenn der DAX in dem beschriebenen Beispiel nun doch die Marke von 12000 Punkten verletzt, geht bei dem Zertifikat das gesamte Aufgeld von derzeit 322 Prozent verloren. Dann wird das Papier automatisch zu einem klassischen Partizipationszertifikat auf den DAX, was einen Kursrutsch auf nur noch 120 Euro (bei einem Dax von 12000) bedeuten würde. Ein Minus von fast 80 Prozent! Nur dieses eine mit 8 Prozent gewichtete Zertifikat würde dem gesamten wikifolio also über 6 Prozent Verlust bescheren. Die meisten anderen Positionen dürften dazu ebenfalls deutlich an Wert verlieren.

Auch wenn niemand vorhersagen kann, wann so ein Szenario mal wieder eintritt, sollten Investoren wissen, was dann mit den bislang ohne Zweifel extrem erfolgreichen Handelsideen passieren kann. Wer in die entsprechenden wikifolios investiert und in den Genuss der stetigen Kurszuwächse kommen möchte, der muss mit dem Risiko schneller und starker Einbrüche ebenfalls leben können.



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