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Kolumnist: Markus Fugmann

Die Zeichen mehren sich: die US-Aktienmarkt-Rally ist müde!




05.08.17 07:31
Markus Fugmann

Während der Dow Jones, vor allem getrieben durch Boeing und McDonald´s, von Allzeithoch zu Allzeithoch eilt, ist das Bild bei anderen US-Indizes anders: das liegt vor allem daran, dass bei der Berechnung des Dow Jones der reine Kurswert einer Aktie ausschlaggebend ist, was faktisch bedeutet, dass eine Aktie, die 100 Dollar kostet, doppelt so stark gewichtet ist in dem Index als eine Aktie die 50 Dollar kostet. Das ist beim Nasdaq (100 oder Composite), beim S&P500 und beim Neben-Werte Russell2000 anders, sodass diese Indizes per se ein besseres Bild der Lage abgeben als der Dow Jones.

Blickt man auf den S&P500, so fällt vor allem die extrem geringe Handelsspanne zwischen den Schlusskursen der letzten Tage auf – in den letzten elf Handelstagen waren es nie mehr als 0,32% Veränderung. Seit 270 Handelstagen wiederum hat es noch keine nennenswerte Korrektur gegeben, das ist einer der längsten Strecken seit den 1950er-Jahren. Irgendwann aber endet zwangsläufig jede Serie – das ist aber kein Hinweis darauf, wann die Strecke endet.


Ein besserer Hinweis auf ein baldiges Ende des Siegeszuges bzw. eine nennenswerte Korrektur ist dagegen die Reaktion der verschiedenen Aktien auf die übergeordnet durchaus guten Quartalszahlen. Mit Ausnahme von Apple und Tesla erleben wir derzeit das erste Mal in 17 Jahren die Situation, dass Aktien von Unternehmen nicht steigen nach ihren Quartalsberichten, wenn diese Unternehmen sowohl beim Gewinn pro Aktie als auch beim Umsatz die Erwartungen übertreffen (bisher 73% der berichtenden Unternehmen hatten die Erwartungen in beiden Kategorien übertroffen, durchschnittlich stiegen die Gewinne bislang um +9,1%).


Eine neue Analyse der Bank of America Merrill Lynch zeigt nun, dass durchschnittlich Aktien von Unternehmen, die besser als erwartete Zahlen abgeliefert hatten, fünf Handelstage später zu fallen beginnen und unter dann unter den Stand fielen, den sie unmittelbar vor der Vorlage ihrer Zahlen erreicht hatten. Das bedeutet faktisch: die guten Zahlen waren gewissermaßen schon vorher eingepreist!


Ein weiterer Indikator dafür, dass die Rally schon müde ist, zeigt die Entwicklung der amerikanischen Transportwerte, die im Dow Jones Transportation Average (DJT) zusammen gefasst sind. Im Dow Jones Transportation Average sind Fluglinien, Packet-Zusteller und Eisenbahn-Unternehmen enthalten, die in der Summe einen guten Einblick sowohl in den Konsum in den USA geben als auch auf das Einkaufsverhalten der US-Unternehmen.


Und der Dow Jones Transportation Average zeigt schon eine auffällige Schwäche: der Index ist seit Erreichen seines Hochs Mitte Juli um 6% gefallen! Das korrespondiert übrigens mit den eher schwachen US-Konjunkturdaten der letzten Tage und Wochen und ist auch ein Ausdruck für die Enttäuschung darüber, dass Trump von seinen Versprechen eines massiven Aufschwungs durch eine konsequente Wachstumspolitik bislang meilenweit entfernt ist. Laut der Dow-Theorie jedenfalls ist diese Divergenz zwischen den Transportwerten und den anderen Sektoren negativ zu werten – allerdings gab es ähnliche Divergenzen in den Jahren 2012 und 2016, ohne dass der Gesamtmarkt damals heftig korrigierte.


Der letzte Punkt, der den Bullen langsam Sorgen bereiten sollte ist die Tatsache, dass bis zum 29.September die US-Schuldenobergrenze angehoben werden muß, da sonst die USA laut Aussagen von Finanzminister Mnuchin nach diesem Termin seine Rechnungen nicht mehr bezahlen könnte. Bis zum 01.Oktober muß darüber hinaus ein neues Budget verabschiedet werden, und das dürfte alles andere als einfach werden: die Stimmen der Republikaner im Senat würden nur dann ausreichen, wenn das Budget „neutral“ ausfiele, also keine neuen Schulden gemacht würden, was aber ausgeschlossen ist. Also brauchen die Republikaner mindestens 60 Stimmen, haben im Senat aber nur 52 Stimmen. Bislang bestehen die Republikaner darauf, Ausgaben für die Mauer zu Mexiko ins Budget zu integrieren, was für die Demokraten ein „no go“ ist und sie daher erklärtermaßen jedem Budget ihre Zustimmung verweigern, in dem Ausgaben für die Mauer enthalten sind.


Das heißt: das wird ein sehr heißer Herbst in Washington, und die Aktienmärkte werden früher später beginnen, auf diese Hitze zu reagieren! Dazu sind Indizes wie der Dow Jones so massiv überkauft, dass eine Korrektur von 5% oder 10% alles andere als schädlich wäre für den Markt..


Quelle: finanzmarktwelt.de



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