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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Wochenausblick: Teure Währung hält dagegen




07.08.17 13:22
Redaktion boerse-frankfurt.de


Den jüngsten Gewinnen zum Trotz deutet Analysten zufolge derzeit einiges auf einen klassischen saisonalen Verlauf am deutschen Aktienmarkt. Technisch stützt der Bereich oberhalb von 12.300 Punkten. 7. August 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt) Rund 1,1 Prozent machte der deutsche Aktienindex in der vergangenen Woche gut. Ob der DAX mit dem Aufbäumen insbesondere zum Wochenschluss der saisonalen Schwäche ein Ende setzt, ist Analysten zufolge offen. Grundsätzlich halte die starke Gemeinschaftswährung europäische Aktien in Schach, wie Markus Reinwand von der Helaba meint. Seit der Euro zum Greenback aus seinem Seitwärtsband bei rund 1,15 US-Dollar ausgebrochen sei, habe sich die relative Schwäche deutscher Exportwerte verstärkt. 

Fundamental hält Robert Halver die Eurostärke für nicht gerechtfertigt und macht dies an der Zinsdifferenz zehnjähriger Bundesanleihen zu US-Treasuries fest. "Der Renditevorsprung Amerikas hat sich zwar zurückgebildet, doch ist die Aufwertung des Euros übertrieben", urteilt der Analyst der Baader Bank, der dennoch mit einer zwischenzeitlichen Entwicklung Richtung 1,20 US-Dollar rechnet. Denn Trends an den Devisenmärkten könnten sehr hartnäckig sein. 

Mit weniger Kraft voraus


Die starke europäische Währung und die aus Halvers Sicht vorübergehende Verstimmung im Automobilsektor deuteten zunächst auf verhaltene Aussichten für den deutschen Aktienindex. "Immerhin machen Automobil- und Zuliefererindustrie rund 25 Prozent der Dividendenausschüttungen und knapp 15 Prozent der Marktkapitalisierung des DAX aus." Der fundamentale Nährboden für eine stabilisierte Entwicklung auch von DAX-Werten sei aber weiterhin vorhanden.
 

Von der relativen Stärke amerikanischer Aktien gegenüber deutschen Werten zeigt sich der Analyst überrascht. Angesichts offensichtlicher wirtschaftspolitischer Ladehemmungen der Trump-Administration müsse eigentlich eine Konsolidierung folgen. Doch genau das Gegenteil sei der Fall. "Weil Trump außenpolitisch schwach auftritt, konjunkturelle Stimulanz nicht entfalten kann und damit auch US-geldpolitisch keine wirklich harte Hand nötig ist, schwächt sich der US-Dollar ab und beflügelt die amerikanische Exportindustrie."


HalverHalver  

Abwärtsrisiken bleiben


Auf Basis der gängigsten Kennziffern bewegen sich US-Aktien Reinwand zufolge deutlich oberhalb des langfristigen "Normalbandes" und sind damit zunehmend teuer. "Gerade angesichts einer weniger locker werdenden US-Geldpolitik ist dies ausgesprochen ungewöhnlich und trägt somit klare Züge einer Übertreibung." Dem gegenüber habe sich die Bewertung von DAX und Euro Stoxx 50 etwas entspannt, die Aktien seien auf dem derzeitigen Niveau angemessen gepreist. Anlegern rät die Helaba, ihr Pulver vorerst dennoch trocken zu halten. Für eine wieder offensivere Positionierung seien auch hiesige Dividendentitel noch nicht attraktiv genug. Eine Fortsetzung der Kursrückgänge in den kommenden Monaten hält Reinwand daher für gesund. 

Saisonale Schwäche  

Technisch befindet sich der DAX nach Ansicht von Franz-Georg Wenner wie so häufig in den Sommermonaten auch in diesem Jahr in einer angeschlagenen Lage. Zwar fiel die Korrektur von rund 6,0 Prozent seit dem Rekordhoch im Juni noch vergleichsweise gering aus, wie der technische Analyst vom Börsenbrief Index Radar feststellt. Seit 1988 liege der durchschnittliche jährliche Rückschlag bei 20 Prozent. "Dennoch haben die Verluste der vergangenen Wochen bereits Bremsspuren in der mittelfristigen Einschätzung hinterlassen." So sei der DAX unter den seit Sommer 2016 bestehenden Aufwärtstrend bei rund 12.300 Punkten gerutscht.


WennerWenner   Nur wenn der hiesige Bluechip-Index in den kommenden Tagen die Linie wieder zügig zurückerobert und anschließend auch das Hoch aus 2015 bei rund 12.400 Zählern nimmt, hellen sich nach Meinung Wenners die Aussichten wieder auf. "Perspektivisch liegen dann die nächsten Ziele bei 12.700 und 12.850 Punkten." Setze sich hingegen die bis Ende Oktober negative Saisonalität durch, werde ein Test der 200-Tage-Linie bei 11.880 Punkten nur eine Frage von wenigen Wochen sein. "Sollten wir auch in diesem Jahr eine typische Sommer- und Herbstkorrektur sehen, könnte auch der Nachkaufbereich bei 11.500 DAX-Punkten auf die Agenda rücken." Noch aber seien die Würfel nicht endgültig gefallen. 

Kräfte sammeln angesagt


"Kritisch wurde es für den deutschen Aktienindex direkt zu Handelsbeginn am Freitag, als dieser zunächst im Tief mit 12.152 Punkten gefährlich nahe an der Unterstützung um 12.100 Punkte aufsetzte", urteilt Gregor Bauer mit Blick auf die vergangenen Handelstage. "Im Laufe des Tages kam dann aber Kaufdruck auf." Unter anderem getrieben durch positive, noch vor Handelsstart veröffentlichte Daten zum US Arbeitsmarkt sei der S&P 500 mit einer Aufwärtslücke nach oben gesprungen. "Das zog den DAX mit.", urteilt der unabhängige technische Analyst. Mit 12.297 Punkten sei der hiesige Bluechip Index dann zum Handelsschluss nur knapp an der Marke von 12.300 Zählern gescheitert. Dieser Bereich fungiere aber derzeit als kurzfristiger Widerstand, weshalb der DAX nach Ansicht von Bauer zum Wochenbeginn durchaus eine Verschnaufpause einlegen könnte. 

"Wird die Marke von 12.300 Zählern nach oben durchbrochen, folgt der nächste kurzfristige horizontale Widerstandsbereich um 12.500 Zähler und schließlich das Zwischenhoch von Mitte Juli 2017 um 12.660 Punkte." Für charttechnisch bedeutend hält der Charttechniker zudem den Bereich um 12.440 DAX-Punkte. Hier verlaufe die Abwärtstrendlinie, die seit dem Hoch vom 20. Juni bei 12.951 Punkten Einzug in die Charts gehalten habe. "Ein Durchbruch nach oben hätte entsprechende Signalwirkung." 

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten


Freitag, 11. August 

14.30 Uhr. USA: Konsumentenpreise und Inflation Juli. In den vergangenen Monaten überraschten die Konsumentenpreise laut HSBC deutlich auf der Unterseite, der Anstieg der Kerninflation sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Dies habe dazu beigetragen, dass sich an den Kapitalmärkten die Zinserhöhungsphantasien bezüglich der US-Notenbank zurückgebildet haben, was wiederum zur Schwächung des US-Dollar geführt habe. Diesen Abwärtstrend sehen die Analysten der Großbank zumindest bei der Jahresteuerungsrate gestoppt, die für Juli gegenüber dem Vorjahr einen unveränderten Wert von 1,7 Prozent erwarten. An dem grundsätzlichen Bild eines gemessen an der niedrigen Arbeitslosenquote geringem Inflationsdruck ändere dies aber nichts. 

von: Iris Merker 7. August 2017, © Deutsche Börse AG



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