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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Wochenausblick: Schwungverlust




03.05.21 11:17
Redaktion boerse-frankfurt.de

Die jüngste Schwäche an den Aktienmärkten interpretieren viele als temporäre Ermüdungserscheinung mit Aussicht auf weiter steigende Kurse im Anschluss. Aus technischer Perspektive kann die Reise kurzfristig sowohl nach oben als auch unten gehen, übergeordnet bleiben die Bullen am Ruder.



3. Mai 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Steigendes Impftempo auch in Europa, starke Wirtschaftsdaten nicht nur in den USA und überwiegend positiv überraschende Unternehmenzahlen für das zweite Quartal scheint die Stimmung an den Aktienmärkten hochzuhalten. Zwar erkennt Robert Halver von der Baader Bank nach der Rekordjagd an den Börsen durchaus eine gewisse Müdigkeit. Nachhaltige Bremsspuren für Aktien erwartet der Analyst aber nicht. Anleger würden Kursrücksetzer vermutlich weiterhin für Zukäufe nutzen. Allerdings erhöhe sich voraussichtlich die Volatilität. Auch gebe es künftig vermutlich weniger klare Trends. Mal laufe Value, dann Growth oder IT-Werte, dann wieder die Zykliker. Vergangene Woche büßte der deutsche Aktienindex 0,9 Prozent ein und konnte damit den April mit 15.135 Punkten leicht im Plus beenden. Am Montag eröffnete der DAX mit 15.191 Punkten leicht im Plus.


Technisch unentschieden


Aus technischer Perspektive hält Christoph Geyer von der Commerzbank die Aufwärtstrends von DAX und Dow Jones Industrial zum Teil als noch intakt. Manche Märkte hätten diese aber zur Seite verlassen, wobei Abwärtsdruck bislang noch ausgeblieben sei. „Alle gemeinsam treten derzeit mehr oder weniger auf der Stelle.“ Wie es weitergeht sei offen. Geyer hält ein frühzeitiges Abdriften ebenso für denkbar, wie ein Weiterlaufen nach oben.


Geyer


Aktienmärkte schwankungsanfälliger


Nach den aus Börsensicht euphorischen ersten 100 Tagen von Joe Biden im Amt dürfte die „Liebesbeziehung“ der Börsianer zur Biden-Administration nach Auffassung von Commerzbank-Analyst Chris-Oliver Schickentanz in den kommenden Wochen auch fundamental auf die Probe gestellt werden. Steuererhöhungen für Unternehmen würden dabei ebenso auf der Tagesordnung stehen wie eine Verdopplung der Kapitalertragssteuer für Reiche und die Gegenfinanzierung der Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel. Dadurch werde der Aufwärtstrend an den Börsen zumindest schwankungsreicher und weniger stark.


Halver rät Anlegern, die Steherqualitäten der Börse nicht zu unterschätzen. Der konjunkturelle Aufschwung spreche für steigende Unternehmensgewinne und damit verbesserte Bewertungsrelationen. Auch gelte die verdoppelte Kapitalertragssteuer nur bei Einkommen über eine Million US-Dollar und auch lediglich für Kursgewinne. Dividenden würden wie bisher versteuert. Das führe vermutlich zu einer längeren durchschnittlichen Haltedauer von Aktien, was wiederum deren Kursstabilität erhöhe.


Rohstoffe werden knapper


Die Weltwirtschaft befindet sich nach Ansicht von Edgar Walk vom Bankhaus Metzler mitten in einem der stärksten Aufschwünge seit dem zweiten Weltkrieg. Bestätigung dafür würden in den kommenden Tagen die Einkaufsmanagerindizes allerorten liefern. Auch die deutschen Auftragseingänge dürften demnach am Donnerstag ein explosives Wachstum zeigen. Als Folge verknappe sich bereits zu Beginn des Konsumbooms zunehmend die Verfügbarkeit von Rohstoffen und Transportkapazitäten. Das wiederum könnte Walk zufolge das Wachstum in diesem Jahr bremsen und die starke Nachfrage bis ins nächste, vielleicht sogar übernächste Jahr strecken.


Robert Havler

Halver


Allmählich steigender Preisdruck


Das sehen die Helaba-Analysten ähnlich. Der Konjunkturoptimismus spiegele sich gerade an den Rohstoffmärkten wider: Nicht nur beim Rohöl, sondern allgemein verteuerten sich demnach die Preise: Von Kupfer bis Sojabohnen würden langjährige Höchststände verzeichnet. Hierzulande falle die Inflationsrate mit 2 Prozent bereits recht hoch aus. Die deutschen Großhandelspreise lagen demnach im März um 4,4 Prozent und die Importpreise um 6,9 Prozent über Vorjahresniveau. Für das Gesamtjahr erwartet die Helaba eine Inflationsrate von 2,2 Prozent. Damit werde im zweiten Halbjahr die nationale Rate fast die 3,0 Prozentmarke erreichen und in der harmonisierten Rate gar deutlich überschreiten.


Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten


Dienstag, 4. Mai


9 Uhr. Frankfurt: Handelsstart Katek AG und OboTech Acquisition SE.


Donnerstag, 6. Mai


14.30 Uhr. Deutschland: Auftragseingang Industrie, März. Sowohl in den USA als auch hierzulande dürfte sich die gute Dynamik der Auftragslage im Industriesektor fortsetzen. Umfragen gehen für Deutschland von einem Anstieg um 1,5 Prozent im Vergleich zum Februar und 26,5 Prozent auf im Jahresvergleich aus.


Freitag, 7. Mai


14.30 Uhr. USA: Arbeitsmarktdaten April. Der US-Arbeitsmarkt dürfte sich nach Ansicht vieler Analysten im vergangenen Monat gestützt durch Teilöffnungen der Wirtschaft und das sechste Fiskalpaket deutlich erholt haben. Der Konsens liegt bei 950.000 zusätzlichen Beschäftigten im Vergleich zum Vormonat, die Arbeitslosenquote werde voraussichtlich von 6,0 auf 5,8 Prozent fallen. Hauptprofiteur werde der Niedriglohnsektor sein, weshalb die Stundenlöhne auf Jahressicht fallen könnten.


von: Iris Merker
3. Mai 2021, © Deutsche Börse AG




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