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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Wochenausblick: Politik bestimmt die Richtung




01.10.18 13:52
Redaktion boerse-frankfurt.de


Die spendable italienische Regierung verdirbt Anlegern die September-Bilanz für deutsche Bluechips. Nach Ansicht technisch orientierter Analysten verstärkt sich mit den jüngsten DAX-Verlusten der Druck auf der Unterseite.


 


Mit einem Minus von knapp 1 Prozent und einem Stand von 12.246 Punkten verabschiedet sich der deutsche Aktienindex von traditionell als schwierig betrachteten Monat. Am Morgen eröffnete der DAX mit 12.265 Zählern leicht im Plus. Saisonal startet nun zwar die aus statistischer Perspektive schönste Jahreszeit für Aktien. Politische Unwägbarkeiten könnten einem versöhnlichen Jahresausklang allerdings einen Strich durch die Rechnung machen. Für die Helaba wird eine zunehmende Risikoaversion der Marktteilnehmer augenscheinlich. Zudem sei offen, ob die bisher weitgehend ausgebliebenen saisonalen September-Effekte in den kommenden Monaten nachgeholt werden. Mögliche Auslöser dafür seien durchaus gegeben.


 


"So lange der Markt nicht zumindest ein oder zwei der derzeitigen geopolitischen Bremsklötze überwinden kann, dürfte die übergeordnete Seitwärtsbewegung zunächst anhalten", meint Thomas Metzger. Gelinge dies allerdings, sieht der Analyst vom Bankhaus Bauer insbesondere für europäische Aktien und Werte der Schwellenländer durchaus Chancen für eine Jahresendrallye. Denn die Risiken seien bei beiden bereits in den Kursen verarbeitet. "Die Skepsis vieler Marktteilnehmer bietet antizyklisch denkenden, langfristig orientierten Investoren momentan selektiv interessante Einstiegsmöglichkeiten", urteilt Metzger.


 


"Insgesamt dürfte den europäischen Aktienmärkten wieder keine leichte Woche bevorstehen", schätzt Chris-Oliver Schickentanz mit Blick auf die kommenden Tage. Konjunkturell laufe in den USA und Europa zwar vieles rund. Leider spiele die Politik nicht immer mit. Die Brexit-Verhandlungen gingen nun in die heiße Phase und die europäischen Aktienmärkte müssten noch den "italienischen Haushaltsschock" verdauen. Im Vorfeld hätten sich einige Anleger im Vertrauen auf einen moderaten Etat positioniert und trennten sich zum Teil wieder von ihren Positionen. Insbesondere italienische Aktien wurden abgestoßen, an der Mailänder Börse verlor der italienische Leitindex seit Dienstag vergangener Woche rund 4,4 Prozent an Wert. Eine echte Eurokrise erwartet Schickentanz nicht. Aller Voraussicht nach würden aber die ganzen Diskussionen über die Zukunft der EU wieder losgetreten.


 


Höhere Kapitalzinsen bremsen Ausgabefreude


 


Sintje Boie geht davon aus, dass steigende Kosten für Staatsanleihen die Italiener letztlich disziplinieren werden. Die populistische Regierung werde zwar versuchen den Seiltanz zwischen der Erfüllung möglichst vieler Wahlversprechen - gestreckt unter Umständen auf die nächsten Jahre - und der Vermeidung eines zunehmenden Vertrauensverlustes in Form von höheren Zinsen zu unternehmen. "Nur ein starker Anstieg der Renditen dürfte die Regierung zum Einlenken bewegen und sie von ihrem ausgabefreudigen Kurs abbringen", ist die Analystin der HSH Nordbank überzeugt. Denn ohne stabile Möglichkeit, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren, sei eine Regierungsarbeit kaum möglich. Der Weg bis dahin könne aber weit sein. "Und es ist auch durchaus wahrscheinlich, dass die Regierung daran zerbricht."


 


Bullen haben es schwer


 


Mit Blick auf die Charts bleibt die Lage nach Auffassung von Franz-Georg Wenner angespannt. Zwar sei der DAX zuletzt aus einem fallenden Kurskanal nach oben hin ausgebrochen. Der Sprung werde sich aber wohl eher als Fehlsignal erweisen. "Wie bereits nach den letzten beiden Zinserhöhungen der Federal Reserve gehen die Bullen auch nach dem Zinsschritt vom vergangenen Mittwoch vorerst wieder in Deckung", beobachtet der technische Analyst vom Börsenbrief 'Index Radar'. Negativ bleibe zudem die Tatsache, dass der DAX seit Juli immer wieder im Bereich der 200-Tage-Linie nach unten drehte. Die Folge sei eine Serie fallender Hochpunkte.


 


Damit verstärke sich der Druck auf die Unterseite, ein erneuter Test der Unterstützungszone um 11.730 bzw. 11.830 DAX-Punkte sei vermutlich nur eine Frage der Zeit. "Mit etwas Glück dreht der Index auch schon bei 12.120 Zählern." Von hier aus könne dann die vorgezogene Jahresendrally starten. Unwahrscheinlicher sei hingegen ein bevorstehender, scharfer Umschwung nach oben mit Rückeroberung der Barriere um 12.460 Punkte. Falle die Hürde, wäre laut Wenner zumindest der Weg bis zur 200-Tage-Linie bei 12.600 DAX-Zählern frei.


 


Für Christoph Geyer hat der DAX auf der Zielgeraden zum Wochenende die Chance vertan, den Abwärtstrend zu brechen und die Gesamtlage zu verbessern. "Der Ausbruch, der am Donnerstag generiert wurde, wurde am Freitag negiert", fasst der Charttechniker der Commerzbank zusammen. Die Indikatoren hätten Verkaufssignale generiert oder stünden kurz davor. Diese Verschlechterung der technischen Lage dürfte Geyer zufolge dafür sorgen, dass die Unterstützungszone erneut getestet wird.


 


Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten


 


Mittwoch, 3. Oktober


Deutschland: Feiertag. Die Marktplätze Frankfurt und Xetra bleiben geschlossen.


 


Freitag, 5. Oktober 14.30 Uhr. USA: Arbeitsmarktbericht September. Die derzeitige Arbeitsmarktlage sieht die DekaBank als weiteres Indiz dafür, dass die US-Wirtschaft nach wie vor dem kräftigen Wachstumspfad folgt. Seit Beginn des Jahres seien im Durchschnitt gut 200.000 Stellen pro Monat geschaffen worden. Mit einem ähnlich hohen Zuwachs rechnen die DekaBank-Analysten für den vergangenen Monat. Die bislang vorliegenden Frühindikatoren deuteten sogar auf einen etwas stärkeren Anstieg. Gleichwohl ließen sich Belastungen durch Überschwemmungen, verursacht durch Hurrikan Florence, nicht ganz ausschließen. Mit größerer Spannung würden Marktteilnehmer die Lohndaten verfolgen. Die durchschnittlichen Stundenlöhne dürften zwar um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat überdurchschnittlich ansteigen. Aufgrund eines Basiseffekts sinke die Jahresveränderungsrate dennoch auf 2,7 Prozent.


 


11.00 Uhr. Indien: Zinsentscheid Reserve Bank of India. Nach zwei Zinserhöhungen auf nun 6,5 Prozent, hatte die indische Notenbank eigentlich geplant abzuwarten, wie sich diese Straffung auf Konjunktur und Preise auswirkt. Doch die Schwäche der indischen Rupie dürfte laut DekaBank zur Folge haben, dass dieser Plan über den Haufen geworfen wird. Die Rupie habe unter anderem aufgrund des hohen Leistungsbilanzdefizit seit Jahresbeginn rund 12 Prozent zum US-Dollar verloren und sei damit die schwächste Währung in Asien. Die Inflationsrate sei im August zwar von 4,2 auf 3,7 Prozent gefallen und liege damit unter dem Zentralbankziel von 4 Prozent. Da die Entwicklung stark durch die volatilen Nahrungsmittelpreise getrieben worden sei, stehe die Preisentwicklung einer Zinsanhebung um 25 Basispunkte nicht entgegen.


 


Von: Iris Merker


1. Oktober 2018, © Deutsche Börse AG



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