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Kolumnist: Markus Fugmann

Wochenausblick KW 05 2013




29.01.13 07:01
Markus Fugmann

Euro-Dollar   

In der letzten Handelswoche schaffte der Euro endlich den Ausbruch aus der nervtötenden Seitwärtsrange zwischen 1,34 und 1,3260. Interessanterweise gelang der Ausbruch über die 1,34 parallel zum Ausbruch des Dax über die 7800er-Marke, und das kurz vor den ifo-Zahlen, die dann – oh Wunder – besser ausfielen als erwartet.

Der Anstieg des Euro geschieht dabei auf breiter Front, also nicht nur gegen den Dollar, sondern insbesondere auch gegen Währungen wie den AUD, CAD und das britische Pfund – vom Yen gar nicht zu sprechen. Dabei hat sich an den Fakten der Euro-Krise praktisch nichts verändert: Griechenland bleibt desolat, Zypern ist pleite, Spanien meldete letzte Woche Rekordhochs an Arbeitslosigkeit und faulen Krediten, und Frankreich scheint immer mehr abzusacken (ganz schwache Einkaufsmanagerdaten in der letzten Woche, die einen klaren Trend bestätigten). Die fundamentalen Daten der Eurokrise haben sich also nicht verändert, aber der Markt hat seine Wahrnehmung der Krise verändert: das sieht man schon daran, wie letzte Woche gute Daten aus Deutschland gefeiert wurden (Einkaufsmanagerindex, ifo-Index). Es sind die dicken Fische im Finanzmarkt, die keine Lust mehr auf Eurokrise haben und daher wieder in Europa investieren, speziell in den Problemländern, weil es ja soo schön günstig ist derzeit. Dieser Trend dürfte noch einige Zeit weiter laufen, und es macht keinen Sinn, sich dagegen zu stellen, wenn einem das eigene Kapital lieb und teuer ist…

Der Fokus richtet sich nun immer mehr auf Japan und Großbritannien – die Währungen dieser Länder werden derzeit und in näherer Zukunft verprügelt, was fundamental mindestens ebenso gerechtfertigt ist wie die Prügel für den Euro. All das ist noch kein „Währungskrieg“, auch wenn die Abwertung etwa in Japan politisch gewollt ist. Es sind dies notwendige Anpassungen an reale Verhältnisse: der Yen ist immer noch viel zu teuer für das Potential der japanischen Wirtschaft (Vergreisung der Gesellschaft), geschweige denn angesichts der immensen Verschuldung.

Zurück zum Euro: charttechnisch ist das Feld mit Bruch der 1,34 nun offen, zunächst bis 1,3485 (Jahreshoch aus 2012), bei Überbieten dieses Widerstands bis 1,3650. Auf der Unterseite sollte nun möglichst die 1,34 nicht mehr gebrochen werden.

DAX

Auch der Dax hat das Wunder vollbracht und ist aus dem Seitwärtstrend seit Jahresbeginn nach oben ausgebrochen. Dabei sah es zunächst eher nach einem Bruch nach unten aus, zumal der Markt hypernervös auf Gerüchte reagierte – so über eine Gewinnwarnung bzw. Kapitalerhöhung der Deutsche Bank oder den vermeintlichen Rücktritt des Bundesbankchefs Weidmann. Die wichtige Unterstützung bei 7630 Punkten wurde dabei mehrfach getestet und hielt – und eine alte Regel besagt ja bekanntlich, dass wer nicht fallen will die Tendenz zum Steigen hat.

Es wäre sicher interessant zu erfahren, wer die Gerüchte um Deutsche Bank und Weidmann gestreut hat – jemand, der billiger einkaufen wollte? Aber wie auch immer, die aktuelle Ralley speist sich aus mehreren Faktoren: erstens der vermeintlichen Erholung Chinas, die aufgrund des anstehenden Machtwechsels politisch gewollt, vermutlich nicht der Fall ist, aber gleichwohl von den Märkten geglaubt wird und so (Kurs-)Tatsachen schafft.

Zweitens der US-Berichtssaison, wobei eigentlich nur der Finanzsektor überwiegend gut abschneidet, während viele alte US-Tech-Dinos wie Intel schwach bleiben – von Apple wollen wir aus Gründen der Pietät gar nicht erst reden. Drittens die verschobene Wahrnehmung der Eurokrise: man sieht jetzt gerade bei den Marktbewegern (Pimco etc.) mehr die Chancen als die Risiken und sorgt durch Investments in die Europeripherie für Entspannung. Hinzu kommt viertens die aktuelle Entschärfung in der Frage der Anhebung der US-Schuldengrenze, nachdem die Republikaner einen zeitlichen Aufschub vorgeschlagen haben. Und nicht zu vergessen auch der Trend, dass die USA mithilfe neuer Techniken in Sachen Öl bald zum Selbstversorger werden könnten, sodass für US-Unternehmen die Energiekosten sinken, die Margen sich erhöhen. Und dann nicht zuletzt der Wohlfühlfaktor Notenbanken, die den risk-on-Modus unterstützen und zu steigenden Preisen geradezu einladen. Dass dabei massive Fehlallokationen von Kapital stattfinden – wie zum Beispiel am amerikanischen Junk-Bond-Markt, der sich in einer immer krasser werdenden Blasenbildung befindet – wird noch ausgeblendet. Man lebt letztlich auf Kosten der Zukunft, denn die Rechnungen für diese Fehlallokationen werden unweigerlich bezahlt werden müssen, aber eben noch nicht heute und morgen.

Insofern ist die Wahrscheinlichkeit eher hoch, dass die Party weiter geht, bis dann irgendwann – vermutlich noch in diesem Jahr – der Ballon platzen wird. Bis dahin gilt Ähnliches wie beim Euro (siehe oben): es macht keinen Sinn, gegen den Strom der Dickfische zu schwimmen. Zwar kann jederzeit eine Korrektur folgen, doch wird das große Geld eben diese Korrekturen immer wieder nach oben kaufen und damit erfolgreich sein. Wenn sich dann der Glaube eingeschlichen hat, dass man Korrekturen grundsätzlich kaufen muss, wird dann einmal eine Korrektur kommen, die sich als massiver Crash herausstellen wird.

Charttechnisch sieht der Dax naturgemäß mit Bruch der 7800er-Marke positiv aus, und die 8000er-Marke übt nun eine starke Anziehungskraft aus. Auf der Unterseite liegen die relevanten Unterstützungen bei 7800 und 7630 Punkten.

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