Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Wochenausblick: Gewöhnungseffekt




11.06.18 12:32
Redaktion boerse-frankfurt.de


Auf die G7-Eskapaden von Donald Trump reagieren Anleger mit Gelassenheit. Analysten halten insbesondere deutsche Aktien für relativ resistent gegenüber dem wirtschaftspolitischen Feuerwerk. 11. Juni 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nach dem Tweet scheint vor dem Tweet. Der Ausstieg der Vereinigten Staaten aus einer gemeinsamen G7-Abschlusserklärung und die damit erwartete Verschärfung im Streit über Handelszölle könnte in dieser Woche Zinsentscheiden der Federal Reserve und Europäischen Zentralbank den Rang ablaufen. Eine Leitzinserhöhung der US-Notenbank um 25 Basispunkte ist nicht nur für Claudia Windt wohl eine ausgemachte Sache. "Das Kommuniqué dürfte sich nicht groß ändern." Interessant werde, ob sich Notenbankchef Powell zu den möglichen Auswirkungen der fiskal- und handelspolitischen Entwicklungen auf die Geldpolitik auslasse. Politisch und fundamental spannend sei zudem das historische Treffen zwischen Donald Trump und dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un.

"Gut, dass die Fußballweltmeisterschaft beginnt", sinniert die Analystin der Helaba. "Vielleicht geraten damit die beiden derzeit maßgeblichen Spielgestalter an den Finanzmärkten - USA und Italien - etwas in den Hintergrund."

Krisenerprobte Investoren


Es gibt Stimmen, die den Ereignissen rund um den G7-Gipfel nicht zu viel Bedeutung beimessen. Womöglich habe sich der US-Präsident vor dem Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator in Stellung bringen wollen. Dass Trump gleich zwei wichtige Begegnungen hintereinander platzen lässt, hält die Rabobank für eher unwahrscheinlich. Ein erfolgreiches Unterfangen am Dienstag würde an den Finanzmärkten für Erleichterung sorgen.
Robert Halver von der Baader Bank spricht Anlegern eine gewisse Krisenfestigkeit zu. "Sicherlich wird Trump bis zur Kongresswahl in den USA im November die Trommeln der harten Handelsrhetorik schlagen." Auch hätten die zuletzt schlechteren Wirtschaftsdaten in der Eurozone und Deutschland für fundamentales Stirnrunzeln gesorgt. Aktuell zeige sich allerdings so etwas wie ein Lotusblüten-Effekt. "Selbst große Risiken perlen an Aktien ab."

Der Start des DAX in die Woche scheint dies zu bestätigen. Kurz nach Handelsstart steht der deutsche Bluechip-Barometer bei 12.834 Punkten und damit ein Dreiviertel Prozent im Plus. Pendel ungewiss  

Technisch wechselt der deutsche Aktienindex derzeit überdurchschnittlich häufig die Richtung, sobald der Index seinen Monatsdurchschnittskurs erreicht, wie Franz-Georg Wenner feststellt. "Der DAX zeigt am Donnerstag bereits das dritte Tageshoch im Bereich der 12.900er-Marke in Folge", erinnert der technische Analyst von index-radar. Im näheren Umfeld dieses Schwellenwertes werde jeweils verstärkt verkauft. Über die kurzfristigen Probleme könne auch der eigentlich positive Mehrjahres-Chart nicht hinwegtrösten. "Darin ist nach wie vor eine Aufwärtsbewegung des Deutschen Aktienindex erkennbar, auch wenn diese zuletzt deutlich an Geschwindigkeit verloren hat." Ändern würde sich dies Wenner zufolge erst, wenn die Nachfrage um 12.550 bzw. 12.650 DAX-Zähler ausbliebe. In diesem Bereich befinde sich seit mehreren Monaten eine horizontale Wendezone.


WennerWenner   "Im Falle eines stärkeren Rückschlags sollte der Markt sich an einem Kreuzungspunkt der entsprechenden Kurskorridore um derzeit etwa 11.590 längerfristig wieder fangen können." Damit biete sich also jede Menge Korrekturpotenzial, selbst wenn der Langfrist-Aufwärtstrend bestehen bleibe. Dieses reiche kurzfristig bis mindestens an die Untergrenzen des aus vergangenen Kursausschlägen berechneten Prognose-Korridors bei 12.400 bzw. 12.640 Zählern, wenn der DAX auch weiterhin an der Marke von 12.900 Punkten scheitere. Anlegern rät Wenner, einen neuen Trend abzuwarten und sich dann in die entsprechende Richtung bis zum Rand der übergeordneten Seitwärtsspanne zu positionieren.

Geldsystem auf dem Prüfstand  

Mit dem deutlichen Votum gegen die Vollgeld-Initiative in der Schweiz scheint das Thema erst einmal vom Tisch. Allerdings gibt es auch in anderen Ländern - dazu gehören Deutschland, Österreich - Bestrebungen, das Geldsystem radikal auf Vollgeld umzustellen. Dabei soll nach dem Willen der Vollgeld-Befürworter neues Geld nur noch von der Zentralbank geschöpft werden können. Im Zuge von Kreditvergaben geschaffenes reines Buchgeld durch Geschäftsbanken würde demnach wegfallen. Für Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank sind die Gründe für einen Systemwechsel durchaus nachvollziehbar. "Rund 90 Prozent des Geldes wird von Geschäftsbanken geschaffen, womit diese Institutionen in der Lage sind, sowohl Boom− als auch Abschwung-Phasen zu verstärken."


de la Rubiade la Rubia   Strengere Regulierung halte bislang dagegen. "Alternativ könnte man aber eben auch über diesen sehr radikal anmutenden Schritt des Vollgeldes nachdenken." In der Konsequenz würden Banken künftig die Assets eher verwalten. Kredite würden durch Zentralbankgeld auf der Einlagenseite gedeckt. Bereits im Jahr 1936 sei der Wirtschaftswissenschaftler Irving Fisher zu dem Ergebnis gelangt, dass durch ein derartiges System Konjunkturschwankungen erheblich herabgesetzt, Bankruns ausgeschlossen und die öffentliche als auch private Verschuldung deutlich reduziert werden könnten. Interessanterweise hätten Wissenschaftler des Internationalen Währungsfonds (IWF) in einer vor wenigen Jahren erschienenen Studie Fishers Modellberechnungen bestätigt.

Im Zeitalter von Kryptowährungen würden einige Notenbanken über einen direkten Bürgerzugang zu Zentralbankgeld bereits laut nachdenken. "Schweden scheint bei diesen Überlegungen relativ weit fortgeschritten zu sein."

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten


Dienstag, 12. Juni

11.00 Uhr. Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen, Juni. Die jüngste sentix-Erhebung unter Finanzmarktanalysten entstand der DekaBank zufolge unter dem Eindruck der Verhängung von US-Zöllen und der neuen italienischen Regierung. Entsprechend steil sei es mit der Stimmung in den Keller gegangen. All diese Faktoren plus die mögliche Eskalation des Handelsstreits fließe nun auch in die ZEW-Umfrage ein. Die DekaBank-Analysten erwarten daher einen spürbaren Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sowie eine moderate Korrektur der Lageeinschätzung.

Donnerstag, 14. Juni

13.45 Uhr. Euroraum: Zinsentscheid Europäische Zentralbank (EZB).Die Unsicherheit über den Kurs der neuen italienischen Regierung scheint die EZB nicht zu beeinflussen, denn im Vorfeld der Ratssitzung stehe die Forderung einiger Notenbanker im Raum, über die Beendigung des Wertpapierkaufprogramms zu diskutieren. Die DekaBank geht zwar davon aus, dass die EZB ihre Nettokäufe im vierten Quartal auslaufen lassen wird. Mit einer Ankündigung rechnen die Analysten indes jetzt noch nicht. Stattdessen werde die EZB vermutlich mit neuen makroökonomischen Projektionen und Mario Draghis begleitenden Kommentaren signalisieren, dass die Voraussetzungen für den nächsten Schritt des geldpolitischen Ausstiegs gegeben sind. Blieben bis zur Ratssitzung Ende Juli negative Überraschungen aus, werde sich die Zentralbank auf einen Zeitplan für die Einstellung der Wertpapierkäufe festlegen.

Freitag, 15. Juni

9.00 Uhr. Börse Frankfurt: Börsengang Home24. Am Freitag geht der Online-Möbelhändler Home24 in den Prime Standard. Gezeichnet können die Wertpapiere bis 13. Juni zwischen 19,50 und 24,50 Euro. Das Unternehmen aus dem Portfolio von Rocket Internet ist das sechste Unternehme aus dem Deutsche Börse Venture Network, das an die Börse geht. Außerdem wird am Freitag das Venture Network drei Jahre alt.

Gegen 13.00 Uhr. Dreifacher Verfallstermin an den Terminbörsen. Heute verfallen an den Terminmärkten zeitgleich die Futures und Optionen auf große Indizes. Mit der Mittagsauktion der Basiswerte werden die Abrechnungspreise festgestellt. In der Regel ist das Handelsaufkommen an diesem Tag größter und es kann zu stärkeren Kursschwankungen kommen.

Von: Iris Merker
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