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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Wochenausblick: Anleger bleiben skeptisch




10.09.18 17:18
Redaktion boerse-frankfurt.de


Vor dem Hintergrund eines neuen verbalen Schlagabtauschs im Handelskonflikt zwischen den USA und China bleiben Anleger wachsam. Technisch orientierte Analysten stellen auf kurze Sicht eine Gegenbewegung beim DAX in Aussicht. 10. September 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Handelskrieg, stockende Brexit-Verhandlungen, die italienische Schulden- sowie die Schwellenländerkrise sind nach Ansicht von Marktbeobachtern die aktuellen Zutaten für die Schwäche nicht nur am deutschen Aktienmarkt. Sicherheit rückt in den Fokus der Anleger, die ihre Gelder aus den Schwellenländern in die Industrieländer, aus Aktien in Renten und aus dem Euro in den Schweizer Franken umschichten, wie Claudia Windt anmerkt. Doch ganz so eindeutig sei das gegenwärtige Bild nicht. Angesichts der Suche nach sicheren Anlagehäfen sowie der kräftigen Verluste bei Aktien passt der Renditeanstieg am Rentenmarkt nicht so recht ins Bild, wie die Analystin der Helaba feststellt.

Robert Halver von der Baader Bank hält einen heftigen Ausverkauf am deutschen Aktienmarkt trotz erhöhter Schwankungen unter anderem aufgrund der nach wie vor verhaltenen Stimmung für unwahrscheinlich. Mit Blick auf die Vereinigten Staaten lege der Citigroup Macro Risk Index mit einem Stand von rund 0,6 zunächst weitere Zurückhaltung an den Aktienmärkten nahe. Indexwerte unter 0,5 deuteten auf eine höhere Risikofreude, Werte darüber gelten als Indiz für zunehmende Risikoabneigung. Auf Sentiment-Ebene hätten institutionelle Anleger in den USA ihre Aktieninvestitionsquote deutlich erhöht, was nach Ansicht von Halver potenziell für eine zwischenzeitliche Konsolidierung spreche.

Während für Chris-Oliver Schickentanz die Korrektur in den USA von neuen Höchstständen aus erfolgt und gesund ist, drohen, dem Commerzbank-Analysten zufolge, in Europa wichtige charttechnische Unterstützungsmarken zu fallen. Dennoch stuft Schickentanz das weitere Verlustpotenzial insbesondere in Europa aufgrund einer bereits extrem pessimistischen Positionierung als begrenzt ein. Trotz aller Nackenschläge werde sich das weltwirtschaftliche Wachstum in den kommenden Monaten um 3,5 Prozent stabilisieren. Dies stimme optimistisch für die weitere Gewinnentwicklung der Unternehmen. "Entsprechend sehen wir mit Blickrichtung viertes Quartal gute Chancen für einen versöhnlichen Jahresschluss."

Kurzfristige Bodenbildung nicht ausgeschlossen  

Aus technischer Perspektive erkennt Franz-Georg Wenner zumindest auf kurze Sicht Erholungschancen für den deutschen Aktienindex. "Geht es nach dem Lehrbuch, ist um 11.725 bzw. 11.870 Punkte auch aus dem übergeordneten Blickwinkel wieder eine - zumindest temporäre - Bodenbildung zu erwarten", meint der Charttechniker vom Börsenbrief "Index Radar". Dort sei es in den vergangenen Monaten immer wieder zu einem Nachfrageschub gekommen. "Im Rahmen einer technischen Erholung könnte der Index noch einmal zurück an den Monatsdurchschnitt bei rund 12.310 laufen."


WennerWenner   Übergeordnet deute die Serie fallender Zwischenhochs nach diesen Bodenbildungen jedoch auf einen Abwärtstrend hin, der früher oder später vermutlich zu einem Durchbruch unter dieses Areal führen werde. Zudem drohe der DAX nach der schwachen Vorwoche unter den seit 2009 bestehenden Aufwärtstrend bei rund 12.000 zu fallen. "Mittelfristig wäre dann mit weiteren Abgaben bis 11.420 zu rechnen."

Mehr Sachlichkeit bitte  

Folker Hellmeyer von Solvecon spricht sich für eine nüchterne Betrachtung der potenziellen Auswirkungen gegenwärtig an den Finanzmärkten thematisierter Probleme aus an. So werde der voraussichtliche Brexit-Schaden mit weniger als 0,1 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts für die globale Konjunktur "extrem" überschaubar sein. Ebenso sei die Krise in Argentinien primär eine nationale Angelegenheit. Nach der voraussichtlich erfolgreichen Übernahme von Idlid wird das Syrien-Thema nach Ansicht Hellmeyers auf absehbare Zeit von der Karte möglicher Risiken verschwinden und stattdessen der Wiederaufbau stärker in den Vordergrund rücken.


HellmeyerHellmeyer   Hinsichtlich der Handelsstreitigkeiten mit Kanada scheine sich eine Lösung abzuzeichnen, gleichzeitig befinde sich der Handelskonflikt zwischen der EU und den USA in "stabiler Seitenlage". Bleibe noch der Schlagabtausch mit China. Die bislang im Raum stehenden Strafzölle auf ein US-Importvolumen von 200 Milliarden US-Dollar - die jüngsten Drohungen noch nicht mitgerechnet - würden der Staatskasse 30 Milliarden US-Dollar bringen, getragen von Bürgern und Unternehmen. Diese fielen im Vergleich zu den bislang in diesem Jahr aufgenommenen öffentlichen neuen Schulden von 962 Milliarden US-Dollar kaum ins Gewicht. Die starken Reaktionen an den weltweiten Finanzmärkten haben für Hellmeyer mit sachlicher Diskontierung wenig zu tun. Immerhin komme die Weltwirtschaft trotz dieser Anfechtungen auf das höchste Wachstum seit 2011.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten


Dienstag 11. September 

11.00 Uhr. Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen und Lagebeurteilung September. Zu den ersten deutschen Stimmungsindikatoren eines Monats gehören die ZEW-Daten. Finanzmarktexperten dürften nach Ansicht der DekaBank die konjunkturelle Lage schlechter als im Vormonat einschätzen. Darauf deuteten die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten sowie Unsicherheitsfaktoren wie die Türkeikrise, die italienischen Haushaltsprobleme und die Gefahr eines erhöhten Protektionismus. Allerdings befinde sich die ZEW Lagebeurteilung nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Die Konjunkturerwartungen dürften sich laut DekaBank-Analysten angesichts des bereits erreichten niedrigen Ausgangsniveaus nicht weiter verschlechtern.

Donnerstag 13. September 

13.45 Uhr. Euroraum. EZB-Zinsentscheid. Der Mitarbeiterstab der Europäischen Zentralbank dürfte, der DekaBank zufolge, seine makroökonomischen Projektionen sowohl für das Wirtschaftswachstum als auch für die Inflation weitgehend unverändert lassen. Dieser Ausblick werde den Notenbankern voraussichtlich genügen, um auf der anstehenden Ratssitzung eine weitere Reduktion der monatlichen Wertpapierkäufe auf 15 Milliarden Euro ab Oktober zu beschließen. Demgegenüber würde die komplette Einstellung der Nettokäufe zum Jahresende nach wie vor unter dem Vorbehalt einer mittelfristig zunehmenden Inflation stehen. Eine Anpassung der Leitzinsen werde es vermutlich nicht vor Sommer nächsten Jahres geben.

von: Iris Merker
10. September 2018, © Deutsche Börse AG

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