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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Wochenausblick: Allgemeine Verunsicherung




03.09.18 12:22
Redaktion boerse-frankfurt.de


Der Handelskonflikt prägt nach wie vor das Bild am Markt und setzt deutsche Aktien unter Druck. Für die weitere DAX-Reise sind die Weichen nach Ansicht von Charttechnikern noch nicht gestellt, wobei saisonal höhere Schwankungen wahrscheinlich sind. 3. September 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Gut 3,4 Prozent verlor der deutsche Aktienindex im abgelaufenen Monat. Auch in die neue Woche startete der DAX mit einem Minus. Dem gegenüber legte der Dow Jones Industrial im August über 2 Prozent zu. In den Vereinigten Staaten konnten Aktien nach Ansicht von Claudia Windt unter anderem davon profitieren, dass der Handelskonflikt in Nordamerika zwischen den NAFTA-Partnern USA und Mexiko beigelegt worden ist. "Präsident Trump aber lässt nicht locker. Er scheint sich nun wieder den Großen zuzuwenden: China und Europa", beschreibt die Analystin der Helaba.

Auch für die Commerzbank bleiben die Aktienbörsen geprägt von den andauernden Handelskonflikten. "Nachdem Trump seine Entspannungssignale zum Teil wieder einkassiert hat, dürfte die Verunsicherung der Marktteilnehmer wieder zunehmen", schätzt Chris-Oliver Schickentanz.

"Der wahrscheinlich weiter eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China sowie die Turbulenzen einiger Schwellenländerwährungen ersticken momentan jeden Versuch eines Befreiungsschlages des Marktes", stellt Thomas Metzger von Bankhaus Bauer fest. Bisher hielten sich die tatsächlichen Auswirkungen des Zollkonflikts auf die Weltwirtschaft zwar in Grenzen. Sollte US-Präsident Trump allerdings zusätzliche Abgaben auf weitere chinesische Importe in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar erheben, so beträfe dies über die Hälfte des Handels mit China und bringe Risiken für die Entwicklung der globalen Konjunktur mit sich.
Besserer Schutz geistigen Eigentums  

Robert Halver von der Baader Bank macht nach gut einem Jahr handelspolitischer Unsicherheit und unzähligen Wut-Tweets des US-Präsidenten versöhnlichere Töne zwischen den USA und der Europäischen Union aus. Abseits weiterer US-Zollandrohungen gegen China - die über verzweigte Lieferketten auch deutsche Unternehmen träfen - käme die nachlassende Handelsangst in einem verbesserten ifo Geschäftsklima vor allem auch im exportorientierten verarbeitenden Gewerbe zum Ausdruck.


HalverHalver   Zwar werde Europa ohne Zweifel im Handelsstreit draufzahlen. Andererseits schätze Brüssel die US-Maßnahmen gegen den Diebstahl geistigen Eigentums. Denn allein könne die europäische Staatengemeinschaft China gegenüber wenig ausrichten. Hier biete das neue Nordamerika-Abkommen klare Copyrights und Patentrechte, die in einem transatlantischen Handelsvertrag zu globalen Standards führen könnten.

Saisonal höhere Schwankungen  

Die Sommerhitze neigt sich jahreszeitbedingt dem Ende zu, gleichzeitig halten die anstehenden Monate Christoph Geyer zufolge häufig einen Anstieg der Temperaturen am Aktienmarkt bereit. Jetzt bereits von einem heißen Börsenherbst zu sprechen, hält der Charttechniker der Commerzbank zwar für verfrüht. "Es ist aber bekannt, dass die Volatilität in den Monaten September und Oktober nicht selten anzieht." Einen Vorgeschmack davon habe der DAX im August geliefert. "Auch wenn sich der Dow Jones bislang davon nur wenig beeindruckt gezeigt hat, sollte nicht davon ausgegangen werden, dass dies so bleibt."


GeyerGeyer   Bären bleiben in Stellung  

Während die US-Märkte in der vergangenen Woche einmal mehr neue Allzeithochs markierten, hinkt der DAX aus technischer Perspektive erneut weit hinterher, wie Gregor Bauer feststellt. Nachdem der hiesige Bluechip-Index zwischen Ende Juni und Mitte August im Bereich um 12.150 Punkte eine starke technische Unterstützung in Form eines Doppel-Bodens gebildet habe, sei das Barometer zunächst in Richtung der Barriere um etwa 12.600 Punkte beinahe explodiert. An diesem Widerstand sei der DAX jedoch in der vergangenen Woche nach unten abgeprallt.


BauerBauer   "Das Kursziel liegt nun erneut im Bereich der Unterstützung um 12.150 DAX-Punkte", beziffert der unabhängige technische Analyst die nächsten Anlaufstellen. Sollte der Index diese nach unten durchbrechen - wofür Bauer aktuell keine Anzeichen sieht - wäre für den deutschen Aktienindex ein weiterer massiver Verlust bis in den Haltebereich um 11.800 Punkte möglich. Nach oben blieben die 12.600 Punkte in Sichtweite, gefolgt vom Widerstand um 12.800 Punkte.

Richtungsentscheidung  

Mit dem Monatswechsel steht der DAX nach Ansicht von Franz-Georg Wenner auch aus charttechnischer Sicht vor einer Weichenstellung. In der übergeordneten, langfristigen Perspektive rücke allmählich die Untergrenze des seit März 2009 bestehenden Aufwärtskanals bei aktuell rund 12.000 Punkten in den Mittelpunkt. "Sollte der Kursbereich klar unterboten werden, wäre dies ein deutlicher Beleg für einen größeren Trendwechsel nach unten am deutschen Aktienmarkt", meint der technische Analyst vom Börsenbrief Index Radar.


WennerWenner   Die Chancen der Bären stünden durchaus gut: Neben der negativen Saisonalität - der September zählt zu den schwächsten Börsenmonaten im Jahresverlauf - sieht Wenner auch das kurzfristige Bild kritisch. Seit Juni sei jede Erholung immer früher beendet worden, der Chart zeige eine Serie fallender Hochpunkte. Zuletzt drehte das deutsche Aktienbarometer bereits deutlich unter der fallenden 200-Tage-Linie gen Süden. Damit steige der Druck auf die nächste wichtige Unterstützung um 12.120 Punkte. "Im schlimmsten Fall droht ein Test des Jahrestiefs um 11.725 bis 11.870 Zähler", stellt Wenner in Aussicht. Auf der Oberseite bleibe das Bild von zahlreichen Barrieren durchzogen, die zwischen 12.600 bis 12.900 Punkten verstärkt sichtbar würden.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten


Dienstag 4. September 

16.00 Uhr. USA: ISM Index Verarbeitendes Gewerbe August. Die Stimmung der US-Unternehmen ist laut DekaBank nicht erst seit Inkrafttreten der Steuerreform hervorragend, sondern bereits seit über einem Jahr. Nach einem Rücksetzer im Juli werde der nationale Einkaufsmanagerindex ISM für das verarbeitende Gewerbe wieder einen leichten Anstieg zeigen. Als Grundlage dieser Prognose dienten die Umfragewerte von insgesamt fünf Fed-Distrikten. Diese hätten sich im Mittel zwar gegenüber dem Vormonat leicht verschlechtert. Aber in den Distrikten, die erfahrungsgemäß am bedeutsamsten sind, habe sich die Stimmung verbessert.

Freitag 7. September 

8.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion Juli. Nachdem die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal ein solides Wachstum auswies, fallen die Zahlen für die darauffolgenden Monate der DekaBank-Analysten zufolge gedämpft aus. Nach einem unerwarteten Rückgang für das produzierende Gewerbe im Juni, gäben die bislang vorliegenden Daten zu Auftragseingängen und den Industrieumsätzen wenig Anlass zur Hoffnung auf eine starke positive Gegenbewegung im Juli.

von: Iris Merker
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