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Kolumnist: Ralf Flierl

„Weak again?“ - Der Druck auf Trump schwächt nun auch den US-Dollar




18.05.17 12:31
Ralf Flierl

Politische Börse?

Augenfällig ist aktuell die Schwäche des US-Dollar, der sogar gegenüber dem Euro an Wert verlor. Was als kraftstrotzender Trump-Dollar begann, lässt nun sichtbar Luft ab. Es scheinen weniger Ungleichgewichte in der Konjunktur oder der Geldpolitik zu sein, an die sich die US-Devise derzeit anpasst, sondern die Person Trump selbst. Die Entlassung von FBI-Chef James Comey durch den US-Präsidenten dürfte eine erhebliche Rolle bei der dynamischen Abwärtsbewegung des USD während der vergangenen Tage gespielt haben. Der Posten des FBI-Direktors ist nicht nur eine der Schlüsselstellungen im Staat, Trump und Comey sind einander – wie es auf tagesschau.de so treffend hieß – „in herzlicher Abneigung“ verbunden. Mit der Entlassung holen Trump nun erneut die Russland-Ermittlungen ein, begleitet von einer Welle medialer Entrüstung – vorzugsweise von jenen Meinungsbildnern, die ihren Anti-Trump-Kurs auch nach der US-Präsidentschaftswahl unverdrossen fortgesetzt hatten. Die innenpolitische Entlastung, die Trump mit dem Marschflugkörperangriff auf Syrien erreichen konnte, währte damit nur kurz. Es liegt ein Hauch von Watergate in der Luft, also die Möglichkeit, dass Trump über die Russland-Affäre letztlich ins Straucheln gerät und stürzt. Zwar haben politische Börsen kurze Beine und der Euro ist vom Grundsatz her die problematischere Währung, die Abwärtsdynamik aber ist Fakt. Man sollte sie nicht ignorieren, zumal der Kampf des Establishments gegen den US-Präsidenten mit unverminderter Härte fortgesetzt wird.

Politik hoch zwei

Auch charttechnisch sieht es für den US-Dollar derzeit nicht gut aus. Über das Wochenende vom 22./23. April öffnete sich ein Abwärts-Gap, das bislang nicht einmal angekratzt, geschweige denn geschlossen werden konnte. An diesem Wochenende fand der erste Wahlgang zur Präsidentschaftswahl in Frankreich statt und am Abend war den Märkten klar, dass die potentielle „Euro-Mörderin“ Le Pen nur noch als Zählkandidatin in die Stichwahl geht. Somit ist zwar auch dieses Gap politisch motiviert, hat aber ausnahmsweise einmal nichts mit „The Donald“ zu tun. Dass die Bewegung aus dem Euro kam, sieht man auch an der Relation USD/JPY, die sich von der Frankreich-Wahl vollkommen unbeeindruckt zeigte. Seit einigen Tagen bröckelt der USD allerdings nun auch gegenüber der japanischen Währung – ein Indiz dafür, dass wir es mit einer originären Schwäche der US-Devise zu tun haben. Gegenüber dem Euro wurden zuletzt sogar Mehr-Monats-Tiefs ausgelotet. Auf der politischen Ebene hat der Euro seine Probleme zwar erst einmal gelöst – genauer gesagt: vertagt –, der US-Machtkampf könnte jedoch demnächst in eine heiße Phase münden. Beides war bzw. ist schlecht für das USD/EUR-Verhältnis. Zoomen wir aus dieser kurzfristigen Betrachtung etwas heraus, dann ist nun auch das große Bild angekratzt. Konnte man bislang im US-Dollar während der Jahre 2014/15 eine impulshafte Aufwärtsbewegung sehen, der sich in der Folge eine ausgedehnte Konsolidierung anschloss, mit der positiven Implikation eines Ausbruchs nach oben, könnte dieses Szenario nun hinfällig werden. Die US-Währung verließ den kurzfristigen Aufwärtstrend innerhalb des Konsolidierungsbereich erst einmal nach unten (vgl. Abb.).



Auf einem ganz anderen Blatt steht, dass die USD-Schwäche positive Impulse für den US-Außenhandel setzt, weil sie Importwaren verteuert und damit relativ unattraktiver werden lässt. Zumindest in der Theorie sollte dann die Nachfrage danach zurückgehen. Eine Verbesserung des Außenhandels könnte damit sogar der Regierung in die Hände spielen. Tatsächlich hat heute ja kaum ein Land Interesse an einer Stärkung der eigenen Währung. Sollte jedoch an den Vorwürfen gegen Trump etwas dran sind, nützen ihm solche Effekte persönlich natürlich nichts mehr. Versucht man dann auch noch um die nächste Ecke zu schauen, dann könnte ein Ende der Amtszeit auch ein Ende der Abwärtsbewegung im USD bedeuten.

Die ultimative „Compounding-Maschine“

Nun könnte man meinen, dass zu Berkshire Hathaway, der Holding von Warren Buffett, bereits alles gesagt ist. Die Schlagzeilen sind schließlich voll von mehr oder weniger bedeutenden Nachrichten über die Beteiligungsgesellschaft. Jede noch so kleine Aussage des Orakels von Omaha wird von diversen Beobachtern analysiert, jede Transaktion seiner Portfoliomanager indirekt dem großen Meister zugeschrieben. Die üblichen Argumente gegen das Unternehmen sind meist folgende: Berkshire Hathaway ist doch bereits viel zu groß, um attraktive Renditen zu erzielen. Der Kult um Warren Buffett, seinen Kompagnon Charlie Munger und deren Hauptversammlung sei nicht viel mehr als ein „Kapitalisten-Karneval“. Und dennoch: Was viele Investoren verpassen, ist der Blick auf das große Bild. Die Aktie der Buffett-Holding ist nämlich weiterhin hoch attraktiv. Um es kurz zu machen: Berkshire Hathaway ist die ultimative „Compounding-Maschine“.

Das heißt, das Unternehmen besitzt eine hohe Ertragskraft und kann diese Erträge (ca. 20 Mrd. USD freier Cashflow pro Jahr) weiterhin zu attraktiven Renditen reinvestieren. Auf eine Dividende können die Aktionäre deswegen gut verzichten. Denn welcher Anleger möchte schon selbst in der Verantwortung stehen, seine Dividende zu reinvestieren, wenn dies indirekt auch ein Warren Buffett für ihn erledigen kann. Klar, die Größe spielt mittlerweile eine Rolle. Buffett selbst hat dies in der Vergangenheit stets betont. Entgegen aller Unkenrufe schafft der Altmeister jedoch auch heute noch locker eine jährliche Rendite im oberen einstelligen Prozentbereich. Dazu tragen zum einen die rund 80 operativen Töchter des Unternehmens bei, zum anderen das ca. 174 Mrd. USD umfassende Aktienportfolio. Daneben sitzt Berkshire aktuell auch noch auf einem Cash-Bestand von ca. 95 Mrd. USD. Zieht man davon ein gewisses Sicherheitspolster für größere Schadensfälle im Versicherungssegment ab, dürften immerhin knapp 75 Mrd. USD für weitere Akquisitionen zur Verfügung stehen.

Zwei Genies für sich arbeiten lassen

Statt einer Versicherungsholding handelt es sich damit bei Berkshire Hathaway immer mehr um ein breit diversifiziertes Industriekonglomerat. Noch 2006 stammten rund 57% der operativen Erträge aus den diversen Versicherungs- und Rückversicherungstöchtern, 2017 dagegen dürften es nur noch rund 25% sein. Entgegen Buffetts verhaltener Prognose entwickelte sich auch diese Sparte im vergangenen Jahr äußerst erfreulich. Doch was – mit Ausnahme des CEOs Warren Buffett – ist nun die Besonderheit dieser Beteiligungsgesellschaft? Es ist vor allem die Struktur und Kultur, die über Jahrzehnte etabliert wurde. Letztendlich handelt es sich bei Berkshire um einen ganzen Strauß von höchst erfolgreichen Unternehmen, die selbstständig agieren, gleichzeitig jedoch von jeglichen Finanzierungsnöten befreit sind. Hat ein Unternehmen aus dem Berkshire-Konzern ein interessantes Projekt oder eine spannende Akquisition im Blick, zückt Buffett liebend gerne das Scheckbuch – aber auch nur dann, wenn die Rendite stimmt. Garantien oder Bürgschaften der Holding gibt es dagegen keine. Die einzelnen Töchter arbeiten an einer verdammt langen Leine. „Management by Trust“, wie Buffett dieses Prinzip nennt.

Für die Kapitalallokation auf Ebene der Holding sind dagegen zwei Genies verantwortlich, Warren Buffett und Charlie Munger. Und diese beiden verwalten knapp 300 Mrd. USD Aktionärsvermögen für jeweils 100.000 USD Jahresgehalt (!). Was will man also mehr als außenstehender Aktionär. Erfahren Sie im nächsten Smart Investor, der sich dem Thema Beteiligungsgesellschaften widmet, ab welchem Niveau derzeit der „doppelte Boden“ durch die angekündigten Aktienrückkäufe gilt. Trotz des hervorragenden Chancen/Risiken-Verhältnis bietet die Aktie nämlich auch noch eine indirekte Absicherung nach unten. Daneben berichten wir Ihnen im neuen Heft über die interessantesten Aussagen von Buffett und Munger auf der Berkshire-Hauptversammlung in Omaha. In unserem Musterdepot nutzen wir die Gelegenheit, die „Mr. Market“ uns bietet, und versuchen unsere Position mit einem Limit noch einmal aufzustocken.



Zu den Märkten

Etwas Morgenluft wittern derzeit die Edelmetallmärkte. Gold und Silber steigen, zumindest in USD. Und da wir uns eingangs etwas genauer mit den Ursachen hinter sichtbaren Bewegungen auseinandergesetzt haben, müssen wir hier feststellen, echte Dynamik ist das nicht und schon gar nicht kommt diese aus dem Gold selbst. In der Abbildung sehen wir den Goldpreis in USD (schwarz) und in EUR (rot). In der Regel waren die Bewegungen in beiden Währungen ähnlich. Diesmal jedoch ist die Goldpreiserholung im Euro fast vollständig ausgefallen. Ein echter Edelmetalltrend sollte sich jedoch in beiden Währungsräumen zeigen. Die aktuelle Stärke der Goldnotiz in USD reflektiert bislang also lediglich die Abschwächung der amerikanischen Währung. Erst wenn Gold auch in Euro anfangen sollte zu steigen – und zwar nicht aufgrund einer Erholungsbewegung des USD – erst dann könnte sich hier ein echter Aufwärtstrend herausbilden.

Wie der heutige Tag gezeigt hat, macht sich nun auch beim DAX zunehmend Verunsicherung breit. Auslöser dürfte der zunehmende Druck auf US-Präsident Trump sein, der ist auch hier der Grund der Turbulenzen. Ein Rücktritt oder Impeachment ist in den aktuellen Kursen noch nicht enthalten – weder in den USA, noch in Deutschland.

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Wir steigen aus einem US-Titel aus und erhöhen unsere Position in der US-Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Mehr dazu im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

„EURO Endspiel“

Unter diesem Motto findet am 27. Mai die 8. Hamburger Mark Banco Anlegertagung des Instituts für Austrian Asset Management (IfAAM) statt. Auch dieses Jahr konnte IfAAM-Gründer Steffen Krug Experten gewinnen, die weit über den Tellerrand hinausschauen – beispielsweise die Bestseller-Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik. Neben der Analyse des Status Quo werden darüber hinaus Alternativen wie Bitcoin und Blockchain auf ihre Zukunftsfähigkeit abgeklopft. Gerade weil das Thema Euro aus den Schlagzeilen verschwunden ist, dürfte es brandaktuell sein.
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Fazit

Die Situation für US-Präsident Trump spitzt sich im Stundentakt zu. Die Medien mögen Trump hassen, die Märkte dagegen hassen vor allem Unsicherheit. Unvorhersehbarkeit bleibt das Leitwort für das Jahr 2017.

Christoph Karl, Ralph Malisch

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Ein mit “*“ gekennzeichnetes Wertpapier wird zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Publikation oder der Smart Investor Printausgabe von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.


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