Kolumnist: Björn Junker

Warnungen vor Lithiumschwemme womöglich verfrüht




10.04.18 13:01
Björn Junker

In der letzten Zeit gab es Stimmen, die vor einer wahren Lithiumschwemme schon im kommenden Jahr warnten. Aus der Branche selbst kommt jedoch vielfacher Widerspruch gegen diese These.


So erklärte zum Beispiel Jay Roberge, Partner und Geschäftsführer der der Geschäftsbank Theama Capital, dass die negativen Prognosen davon ausgehen würden, dass alle neuen Lithiumsole- und Hartgesteinlagerstätten auch zur Verarbeitung kommen, was aber einfach nicht der Fall sei.


Es gebe ausreichend Lithium auf der Welt, so Roberge weiter, das Problem liege aber bei der Weiterverarbeitung zu Lithiumkarbonat, Lithiumprodukten und Lithiummetall. Nicht alle Lithiumprojekte, die über einen anständigen Lithiumgehalt verfügen, seien wirtschaftlich zu betreiben, da man auch in der Lage sein müsse, das Lithium zum einem Endprodukt zu verarbeiten.


Die explodierende Nachfrage nach Lithium in Batterien für Elektrofahrzeuge hat in den vergangenen Jahren großes Interesse unter den Anlegern auf sich gezogen. Allerdings könnte auch das Angebot deutlich steigen, meint zum Beispiel Morgan Stanley. Die Investmentbank warnte im Februar, dass schon 2019 ein Angebotsüberschuss vorherrschen werde. Und die Analysten von Wood Mackenzie erklärten, dass das Angebot die Nachfrage deutlich übertreffen werde, sodass schon ab dem kommenden Jahr mit einem Preisrückgang zu rechnen sei, berichtete miningweekly.com.


Tatsächlich sehen auch die Experten von Roskill Information Services einen Überschuss in der Minenproduktion, der nächstes Jahr noch steigen sollte, doch besteht ihnen zufolge immer noch eine Knappheit bei den verarbeiteten Produkten, von denen es schließlich eine große Zahl verschiedener Varianten gebe.


Viele Lithiumgesellschaften hingegen weisen die These zurück, dass eine Lithiumschwemme im Entstehen begriffen ist. So geht zum Beispiel Guy Burassa, CEO von Nemaska Lithium (WKN A1JQUB) für die kommenden vier bis fünf Jahre von einem engen Lithiummarkt aus und hält Berichte zu einem drohenden Überangebot für „stark übertrieben“. Und auch Carlos Vicens, CFO von Neo Lithium (WKN A2AP37) erwartet, dass die Massenakzeptanz von Elektromobilen sich zwischen 2019 bis 2021 aufbauen und damit die Nachfrage nach Batteriematerialien weiter ankurbeln wird.


Roskill selbst rechnet angesichts der Entwicklung im Bereich Elektromobile mit zweistelligen Wachstumsraten bei der Lithiumnachfrage, wobei den Experten zufolge Batterien 2018 und 2019 mehr als 50% des Verbrauchs ausmachen dürften. Dieser Wert, so die Experten weiter, sollte in den kommenden Jahren dann sogar auf über 90% steigen. Im vergangenen Jahr sei die Lithiumnachfrage um rund 17% gestiegen, teilte die chilenische SQM (WKN 895007) in ihrem Geschäftsbericht mit, und habe damit das Angebot übertroffen.


Zudem gebe es zahlreiche weitere Verwendungsmöglichkeiten für das Metall, die in den meisten Rechnungen nicht berücksichtigt seien, erklärte Herr Roberge vergangene Wochen auf einer Konferenz in Hong Kong. Als Beispiel führte er einen Frachtcontainer aus China an, der komplett elektrisch betrieben werde und seinen Strom aus Batterien beziehe. Und laut einem Bloomberg-Bericht ist ein elektrisches Schiff von Guangzhou Shipyard Internationals mit einer Mischung aus Lithium-Ionen-Batterien und Superkondensatoren ausgestattet, die insgesamt über eine Kapazität von 2,4 MWh verfügen.


Das sei eine Menge Batteriestrom und eine potenziell große Nachfrage, so Roberge, weiter. Sollten beispielsweise diese Geräte zu Massenprodukten werden, könnte der Markt für Elektroautos im Vergleich klein erscheinen.


Dennoch werde irgendwann in der Zukunft der Punkt kommen, an dem Angebot und Nachfrage ein Gleichgewicht erreichen und die Lithiumpreise sich dann stabilisieren, führte Roberge weiter aus. Die Produzenten von Lithium und Lithiumprodukten mit den niedrigsten Kosten, würden dann zu den Gewinnern gehören.



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