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Kolumnist: Sven Weisenhaus

Warnung statt Kaufsignal?




04.10.17 10:45
Sven Weisenhaus

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,


am Freitag schrieb Sven Weisenhaus im Hinblick auf die neue Rekordjagd des DAX, dass die Entscheidung, ob der DAX nachhaltig nach oben ausbricht, in den USA getroffen wird. Deshalb richten wir unsere Aufmerksamkeit diesmal auf die US-Indizes.


Das bringt uns der Ausbruch im S&P 500


Zurzeit zeigen sich die US-Börsen weiter stark. So markierte der S&P 500 in der vergangenen Woche ein neues Allzeithoch. Dabei durchbrach er den psychologisch wichtigen Widerstand bei 2.500 Punkten. Auch der Dow Jones konnte etwas später ein neues Allzeithoch ausbilden. Damit sehen wir ein klares Kaufsignal im S&P 500 und dem Dow Jones. Der NASDAQ 100 blieb hingegen noch unter seinem Allzeithoch und scheiterte nun schon mehrfach an seinem Hoch vom August.


Dazu muss man aber erwähnen, dass sich dieses August-Hoch im NASDAQ 100 genau an der 6.000-Punkte-Linie befindet. Deshalb ist an dieser Stelle natürlich auch der psychologische Widerstand besonders groß. Aber eine vergleichbare Hürde (2.500 Punkte Marke) konnte der S&P 500 bereits überwinden.


Die Vorlauffunktion des NASDAQ


Es handelt sich bei der Schwäche im NASDAQ 100 um ein erstes Warnsignal. Dieses verstärkt sich, falls der Index den Ausbruch nach oben nicht zeitnah schaffen sollte. Der NASDAQ 100 gilt nämlich als Vorläufer für die US-Märkte. Verliert dieser an Stärke, ist dies meist auch ein schlechtes Zeichen für die anderen US-Indizes. Der Grund hierfür ist die stimmungstechnische Interpretation des NASDAQ 100. Und zwar besteht er aus technologielastigen Aktien, die als risikoreicher gelten als die Aktien im S&P 500 (die einen guten Marktquerschnitt repräsentieren) oder gar die Blue Chips des Dow Jones.


Entsprechend werden risikobereite Anleger lieber in die Werte vom NASDAQ 100 investieren. Sollten sich die Anleger mehr auf den Dow Jones und den S&P500 fokussieren, spricht dies für eine höhere Risikoaversion der Anleger. Diese größere Vorsicht hat meistens einen guten Grund.


Die Schwäche des NASDAQ


Zuletzt war eine solche im Juli zu erkennen (siehe Börse-Intern vom 10.07.2017): Zu jener Zeit kam es im NASDAQ 100 zu einer relativ kräftigen Korrektur. Gleichzeitig konsolidierte der S&P 500 nur moderat und der Dow Jones pendelte sogar nur seitwärts. Als Erster stieg anschließend der NASDAQ 100 nach einer dynamischen Aufwärtsbewegung auf sein neues (wenn auch nur schwaches) Allzeithoch. Zu diesem Zeitpunkt hinkten die anderen beiden Indizes noch hinterher.


Die Marktbreite fällt weiter


In das oben gezeichnete Bild passt zudem, dass der Anstieg des S&P 500 in den vergangenen Monaten auf neue Allzeithochs von immer weniger Aktien des Index getragen wurde, die selber ebenfalls neue Allzeithochs markierten. Die entsprechende Kurve fällt seit dem Frühjahr (siehe folgender Chart unterer Teil):


Marktbreite S&P 500


(Quelle: MarketMaker)


Das signalisiert eine abnehmende Marktbreite, die es auch schon im Vorfeld zu den kräftigen Kurseinbrüchen in 2014 und 2015 gab. Zu damals gibt es aber Unterschiede: So ist das das Kurs-Momentum des S&P 500 noch vergleichsweise hoch und der Rückgang des grünen Marktbreite-Indikators ist noch relativ moderat. Da die US-Aktien aber sowieso schon sehr hoch bewertet sind, sollte man in dieser Situation nicht einfach über dieses Warnsignal hinwegsehen.


Das Fremdwort Angst


Passenderweise geben sich auch die Anleger immer sorgloser (siehe auch Börse-Intern vom 11.09.2017). Die Volatilitätsindizes aller großen Indizes sind in der Vorwoche noch weiter gesungen. Im Umfeld von steigenden Kursen sind neue langjährige Tiefstände bei den Volatilitätsindizes aber kein Wunder.


Diese messen die Risikoprämien, die Anleger an den Terminbörsen zahlen, um sich gegen fallende Kurse abzusichern. Im Falle von sehr hohen Prämien weisen sie hohe Werte aus. Dies bedeutet, dass die Anleger offenbar mit baldigen Kursrückgängen rechnen. Sie sichern sich daher aus Angst vor einem Kursrutsch ab. Nicht umsonst werden diese Volatilitätsindizes auch „Angst-Barometer“ genannt. Entsprechend signalisieren niedrige Werte eine besonders ausgeprägte Sorglosigkeit.


Die Sorglosigkeit erreicht neue Höhen


Einen historischen Tiefstand erreichte auch das „Angst-Barometer“ des DAX in der Vorwoche (siehe gelbe Ellipse in folgendem Chart).


DAX vs. VDAX new


Zuletzt gab es nur kurzzeitig im März einen Wert unter 12 (rote Linie) und davor letztmals 1996! Ein paar Monate nach dem Tief vom März kam es dann auch zur jüngsten kräftigen Korrektur. 1996 waren die Börsen auf dem besten Weg zur größten Übertreibung seit mehr als 70 Jahren (deren Gipfel allerdings noch mehr als drei Jahre auf sich warten ließ).


So sollten Sie reagieren


Deshalb ist die Sorglosigkeit der Börsianer aus antizyklischer Sicht durchaus bedenklich. Wenn der Nasdaq100 ein neues Hoch ausbildet, kann es sein, dass auch der DAX ein neues Allzeithoch erreicht. Wenn nicht, sollten sie die aufgelaufenen Gewinne bei dann weiter fallenden Kursen nach und nach sichern, z.B. durch geeignete (nachgezogene) Stopps.


Mit besten Grüßen


Ihr Torsten Ewert


(Quelle: www.stockstreet.de)



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