Kolumnist: Feingold-Research

VW, Dax, Infineon – das Risiko Handelskrieg




08.10.18 09:23
Feingold-Research

In unserem ersten Teil “Dialog, Nvidia, Netflix – es droht der Abschwung” berichteten wir bereits über den Einfluss des Handelskrieges, die Stabilität in der Eurozone und die Situation in den Emerging Markets. Im zweiten Teil geht es um Italiens politische Entscheidungen sowie die Frage, ob ein konjunktureller Abschwung in Europa droht. Als größte Gefahr stellt sich dabei der Handelsstreit heraus. Jedoch können sich Anleger aktuell mit Papieren wie den Inlinern HX4GAW auf Volkswagen und HX42JF auf den Dax gut positionieren. Wer auf den Halbleiterhersteller Infineon setzen möchte, greift zum Discounter HX0KTB.

Wir blicken auf den zweiten Teil der Einschätzung von Südseiten der Börse München. Der Donner & Reuschel Analyst Carsten Mumm veröffentlichte dort seine Einschätzungen zur aktuellen Marktsituation mit der Frage “Droht nun der Abschwung?”:


Italiens Politik ist wenig realistisch

Börse_UniCredit_Banken_ItalienDie bisherigen Vorschläge der neuen italienischen Regierung sind wenig ermutigend, aber auch kaum realistisch. Die Unterstützung der chronisch schwach wachsenden Volkswirtschaft durch schuldenfinanzierte fiskalische Maßnahmen ist grundsätzlich sinnvoll – sofern sie Investitionen in die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit betreffen (also in Bildung, Digitalisierung, Infrastruktur, usw.). Konsumtive Ausgaben wie ein Grundeinkommen, ein früherer Renteneintritt oder allgemeine Steuererleichterungen sind derzeit weniger hilfreich.


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Es ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass der Haushaltsentwurf an die gemäß Maastricht-Kriterien vorgesehene Grenze von einem Haushaltsdefizit in Höhe von 3 Prozent heranreicht. Sogar der italienische Finanzminister Tria möchte das Defizit bei 1,5 Prozent beschränken, um kein weiteres Vertrauen an den Finanzmärkten zu verlieren. Basisszenario ist daher, dass die italienische Regierung keinen kompletten Konfrontationskurs gegen die EU durchhält. Auch sie braucht schnell vorzeigbare Erfolge. Die Zustimmung Italiens zum EU-Haushaltsentwurf etwa könnte durch eine Entlastung des Landes bei der Aufnahme von Flüchtlingen erreicht werden. Sollte es doch zu kritischen Turbulenzen und der Gefahr der Destabilisierung weiterer Eurostaaten kommen, ist davon auszugehen, dass die EZB zumindest verbal und im Notfall auch mit Wertpapierkäufen erneut stabilisierend eingreifen würde.


Brexit steht vor der Tür

England_London_3Unter den gegebenen Voraussetzungen deutet vieles auf ein ungeordnetes Ausscheiden Großbritanniens aus der Eurozone (No-Deal-Szenario) hin. Die jüngsten Vorschläge der britischen Premierministerin May sind vonseiten der EU kaum akzeptabel, da diese auf den weitgehenden Erhalt der Handelsfreiheit bei gleichzeitiger Beschränkung bspw. des freien Personenverkehrs hinausliefen (Rosinenpicken).


Das Kernproblem ist derzeit aber die verrinnende Zeit. So müssen wesentliche Vereinbarungen schon im Herbst dieses Jahres stehen, um noch vom britischen Parlament sowie allen anderen Eurostaaten ratifiziert zu werden. In Anbetracht des bisher wenig erfolgreichen Verhandlungsverlaufes ist eine so schnelle Einigung kaum realistisch. In 40 Jahren entstandene rechtliche und ökonomische Verflechtungen können kaum innerhalb von Wochen sinnvoll anders geregelt werden. Wünschenswert wäre ein ungeordnetes Ausscheiden indes für keinen Beteiligten. Zu groß sind die Gefahren für die wirtschaftliche Dynamik – vor allem in Großbritannien selbst.


Es fehlt vor allem Zeit

Für ein neues Referendum mit einem ggf. anderen Ausgang (No-Brexit-Szenario) fehlt ebenfalls die Zeit. Zudem kann man Unternehmen, die bereits ihre Konsequenzen aus dem anstehenden Brexit gezogen – z.B. Unternehmensteile in andere europäische Staaten verlegt – haben, kaum erklären, dass man kurzerhand eine Kehrtwende gemacht hat. Politische Stabilität sähe anders aus. Somit wäre der sinnvollste Weg eine Verlängerung der Verhandlungsfrist, wenn nötig auch um einige Jahre. Nur so wäre es möglich, eine EU-Regelung nach der anderen zu verhandeln und für Großbritannien neu zu regeln ohne ein zwischenzeitliches Chaos zu provozieren.


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Folgt der konjunkturelle Abschwung?

Konjunktur_AutoIn Europa hat die anhaltende Niedrigzinsphase mit Sicherheit dazu geführt, dass es im Markt einige „Zombie“-Unternehmen gibt. Diese können sich nur noch deshalb halten, weil sie sich zu extrem günstigen Konditionen refinanzieren können. Der natürliche Ausleseprozess der Marktwirtschaft ist an dieser Stelle sozusagen teilweise ausgesetzt. Sobald die Zinsen steigen, wird von diesen eines nach dem anderem aus dem Markt ausscheiden. Je länger die Phase niedriger Zinsen jedoch andauert, desto mehr Zombie-Unternehmen gibt es. Entscheidend für die Auswirkungen des Zinsanstiegs ist die Schnelligkeit der Bewegung. Solange die Zinsen langsam ansteigen, dürfte es nicht zu einem plötzlichen Abstürzen ganzer Marktsegmente kommen (z.B. hoch verzinsliche Unternehmensanleihen). Nicht mehr rentable Unternehmen würden sukzessive insolvent werden, die Ausfallraten stiegen langsam an und Anleger könnten einzelne Ausfälle kompensieren.


Letztlich wäre dies sogar ein wünschenswerter Effekt, um die notwendige Bereinigung anzustoßen. Ein schneller und deutlicher Zinsanstieg könnte hingegen eine Panikreaktion hervorrufen und für Turbulenzen sorgen. Die EZB dürfte daher alles tun, um einen schnellen Zinsanstieg zu vermeiden. In den USA hat dieser Prozess seit den ersten Leitzinsanhebungen Ende 2015 bereits stattgefunden, bisher ohne größere negative Auswirkungen. Mit dem konjunkturellen Abschwung ist es ähnlich: auf die Geschwindigkeit kommt es an. Zumindest in Europa waren die Banken in den letzten Jahren nicht an spekulativen Kreditvergaben in größerem Ausmaß beteiligt. Dafür sind die regulatorischen Auflagen zu hoch, die Ertragslage seit Jahren zu schwach und Risiken werden nur noch vergleichsweise restriktiv eingegangen.


Keine Spekulationsblasen an den Börsen

Die globalen Aktienmärkte befinden sich definitiv auf erhöhten Niveaus. US-Aktien sind mittlerweile sogar relativ teuer, was zumindest bei anhaltend niedrigen Zinsen in Europa auf die hiesigen Aktienmärkte nicht zutrifft – genauso wie auf die Börsen der Schwellenländer allgemein nicht. Spekulationsblasen vergleichbar mit der Situation Ende der 90er-Jahre sind an den Aktienbörsen allerdings derzeit nirgendwo erkennbar. Zudem stirbt ein Aufschwung nicht aufgrund seines Alters. Es kommt auf die fundamentalen Rahmendaten an.


Börse_DAX_Symbol (4)In Europa sind mit Blick auf die kommenden zwei bis drei Jahre keine nennenswerten Zinssteigerungen absehbar – ein wichtiger Faktor für die Stabilität der Aktienmärkte. Außerdem läuft die Konjunktur noch sehr robust. In diesem Umfeld kann die Aktienhausse noch einige Monate oder sogar wenige Jahre tragen. Wer jetzt aussteigt, läuft Gefahr, sein Kapital sehr lange unverzinslich parken zu müssen. Wer noch keine oder zu wenig Aktien im Depot hat, kann daher trotzdem heute investieren. Dabei macht es Sinn, US-Aktien geringer zu gewichten. Auf jeden Fall braucht man derzeit mehr denn je ein vorab klar definiertes und konsequent umzusetzendes Risikomanagement, um die Gefahr übermäßiger Verluste zu reduzieren, wenn es doch einmal wieder deutlicher abwärtsgeht.


Chancen bei Deeskalation der Handelskrise

Den Handelskrieg sehen die Experten als größtes Risiko für die Entwicklung an den Aktienmärkten. Sollte dieser tatsächlich im bisherigen Tempo weiter eskalieren, trüben sich über negative konjunkturelle Effekte auch die Aussichten für die globalen Aktienmärkte erheblich ein. Auf der anderen Seite steckt hier auch die größte Chance. Vor allem viele stark vom Export abhängige europäische und Schwellenländeraktien haben in diesem Jahr aufgrund der zunehmenden Handelsrestriktionen bereits deutlich korrigiert.


Sobald es Anzeichen für eine Deeskalation gibt, dürften diese schnell einen großen Teil der zuletzt negativen Wertentwicklung aufholen. Da vorerst weiterhin kaum berechenbare politische Einflussfaktoren die entscheidenden Impulse für die Börsen geben werden, kann schnelle Handlungsfähigkeit und ein professionelles Management des Portfolios ein entscheidender Vorteil sein.


Quelle: Börse München, eigene Recherche



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