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Kolumnist: Markus Fugmann

Trumps Steuerreform und die obszönste Spekulations-Blase der US-Geschichte




07.10.17 08:20
Markus Fugmann

Als unter der Regie des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan im Jahr 1982 die letzte große Steuerreform in den US erfolgte, sah die Welt noch ganz anders aus: die Leitzinsen damals bei 18% (!), die Rendite einer 10-jährigen US-Staatsanleihe bei 15%, die jährliche Inflation bei 8%, die Sparrate der Amerikaner bei 10% (heute unter 5%), das Shiller-KGV (CAPE, inflationsbereingtes KGV der letzten 10 Jahre) bei 7 (heute bei 30). Die Voraussetzungen waren damals anders, man kam aus einer schwachen Wirtschaftsperiode, die Steuerreform sorgte in der Folge für einen Boom (nur kurz unterbrochen durch den Crash im Oktober 1987).

Wird es, wenn Trumps Steuerpläne Realität werden sollten, auch zu einem Boom kommen? Sehen wir uns einmal die relevanten Kennziffern an, was sich durch diese Steuerreform wirklich ändern würde:


1. Steuern für Privatpersonen


Derzeit zahlen die 10% der Bestverdiener der USA 50% aller Steuern, die verbleibenden 90% die restlichen 50%. Die unteren 40% der Verdiener zahlen de facto gar keine Steuern, sondern sind teilweise sogar Empfänger von Geldern, haben also eine aus Sicht des Staates eine negative Steuerbilanz. Kommen nun die geplanten Abschaffungen von steuerlichen Abzugsmöglichkeiten für Steuern an die Bundesstaaten bzw. Lokalverwaltungen, würde diese Gruppe vielleicht faktisch sogar Steuern zahlen, die sie zuvor netto nicht gezahlt haben!


Kommt die Steuerreform so, wie sie die Trump-Administration plant, würde das bedeuten: die Zinsen würden steigen, damit auch die Zinskosten für die hoch verschuldete Gruppe der mittleren bis unteren Einkommen in den USA. Mithin würde das, was im Idelafall weniger an Steuern gezahlt wird, durch die steigenden Kosten zur Bedienung der Schulden weitgehend „aufgefressen“. Und: würden die Top-Verdiener in den USA viel mehr konsumieren, weil sie etwas weniger Steuern zahlen? Eher nicht, der Effekt dürfte verschwindend gering sein.


2. Steuern für Unternehmen


Der größte Bluff von Donald Trump ist seine immer wieder wiederholte Ausasge, wonach die amerikanischen Unternehmen so viel Steuern zahlen würden wie in keinem anderen Land der Welt. Das ist schlicht falsch! Das ist schon deshalb absurd, weil die USA das einzige Land der OECD sind, in denen Unternehmen keine Umsatzsteuer entrichten müssen für die produzierten Güter oder Dienstleistungen!



Foto: Michael Vadon – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41703473


Derzeit entrichten die US-Unternehmen nur 8,8% der gesamten Steuereinnahmen der USA, und mit allen Abzugsmöglichkeiten, die sich den Unternehmen derzeit bieten, zahlen ca. 80% der US-Firmen derzeit weniger als 20% Steuern (siehe hierzu den Chart von Lance Roberts) – also jenen Satz, den die Trump-Administration als Unternehmenssteuer vorschlägt. Entfallen viele dieser Abzugsmöglichkeiten (wie derzeit geplant), könnte die reale Steuerlast für viele US-Unternehmen sogar steigen!


Selbst wenn es anders wäre: würden die US-Unternehmen neue Jobs schaffen und investieren, weil sie weniger Steuern zahlen? Die bisherigen Verhaltensweisen der US-Unternehmen deuten eher nicht darauf hin: sie würden vermutlich, wie bisher, vor allem eigene Aktien zurück kaufen.


Seit Jahrzehnten ist der reale Steuersatz, den US-Unternehmen bezahlen, rückläufig. Das ist das, was man einen Langfrist-Trend nennt!


Faktisch ist der Hype der Wall Street um die Steuerreform daher wohl die „obszönste Spekulation“ der amerikanischen Finanzgeschichte, wie Jan Hussman schreibt:

„Put simply, it seems misguided to imagine that ‘tax reform’ will somehow make the most obscene speculative bubble in U.S. history something other than the most obscene speculative bubble in U.S. history.”


Und Hussman weiter:

„Corporations are already enjoying strikingly light tax burdens from a historical perspective, and investors are already paying extreme valuation multiples on elevated earnings.“



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