Kolumnist: Feingold-Research

Trumps Ausfälle belasten den Dow Jones




01.09.17 07:11
Feingold-Research

Die Rekordfahrt des Dow Jones scheint vorläufig gestoppt. Zwar bewegt sich der Dow weiterhin knapp unter seinem Allzeithoch, welches Anfang August erreicht wurde, doch Unklarheit bezüglich der weiteren Ausrichtung der Geldpolitik von Janet Yellen und politische Krisen lassen Investoren zögern. In unserer ISIN-Liste nehmen wir immer wieder verschiedene Anlageideen auf das bekannteste Börsenbarometer der USA auf,  aktuell empfehlen wir die Put Optionsscheine DL73AG und HW3WG9 oder den Reverse Bonus Cap VL2MSK. Gerade in politisch unsicheren Zeiten könnte ein starker US-Präsident das Vertrauen vieler Anleger gewinnen, doch scheint dies unter Trump momentan ausgeschlossen. Werfen wir einen Blick auf den Kommentar von Robert Halver für die Börse München


Die USA sind Weltmacht Nr. 1. Wer aber Weltmacht ist, muss sich auch wie eine aufführen, vor allem wenn man Verantwortung für den gesamten Westen trägt. Jeder Nachkriegs-Präsident hatte einen Plan für z.B. Europa. Und Donald Trump? Er hat keinen.


Immerhin glänzt er durch ganz andere „Qualitäten“. Natürlich darf ein US-Präsident seine persönliche Note haben. Ronald Reagan hat diese mit seiner Schauspielkunst immer gerne gezeigt, kannte aber auch seine Grenzen. Dem gegenüber entgleitet der Amtsinhaber in der Daily Soap „Unser täglich Trump gib uns heute“ regelmäßig verbal. Das mag für einen Box-Promoter durchgehen, nicht aber für den Führer der freien Welt.


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Wer will noch für Trump arbeiten?

Seine Planlosigkeit könnte man sicherlich mit Leben füllen. Genügend Personal steht dem amerikanischen Regierungsapparat allemal zur Verfügung. Aber wie soll Ruhe in den Washingtoner Polit-Karton kommen, wenn sich das Personenkarussell von Trump schneller dreht als das Düsentriebwerk seiner Air Force One? Mittlerweile sind immer weniger gute Leute bereit, für Trump zu arbeiten. Wer aus der amerikanischen Elite lässt sich schon gerne behandeln wie ein Praktikant bei Walmart am ersten Tag? Eher nutzen Polit-Glücksritter ohne Erfahrung ihre Chance. Wirklich geheilt wird die Planlosigkeit der Regierung Trump damit allerdings nicht.


Trumps Außenpolitik ist so etwas wie eine Wundertüte: Man weiß nie, was drin ist. Mag er Russland oder nicht? Will er China im Nordkorea-Konflikt einbinden oder lieber nicht? Und jetzt will Trump das US-Militär doch wieder zur Terrorbekämpfung einsetzen, obwohl er im Wahlkampf das direkte Gegenteil versprochen hat.

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Gefragt sind Vertrauen und Weisheit Amerika kann sich keine Unberechenbarkeiten in einer zunehmend unsicheren Welt leisten, in der Vertrauensbildung und verlässliche Führung, ja sogar Weisheit gefragt sind. Amerika ist zu groß, um klein regiert zu werden. Alles andere ist vorsätzliches Staatsversagen mit Kollateralschäden für den gesamten Westen. In dieses Führungsvakuum stoßen Russland und China immer mehr vor und sicherlich nicht nur zum Nutzen Europas. Wenn die US-Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Mit seiner Führungsschwäche schneidet Trump den USA übrigens ins eigene wirtschaftliche Fleisch. Amerika hat der Welt im Windschatten seiner globalen Führungsrolle und als Freund und Beschützer auch immer gerne seine Schokoriegel, Zahnpasta, Fast Food, Musik, TV-Serien und High Tech aufgedrängt. Wieso riskiert man jetzt diese Wirtschaftspotenz durch geopolitische Schwäche und macht den Chinesen auch noch die Tür zum Welthandel auf? Casanova hätte niemals mit dem Gedanken gespielt, sich selbst zu entmannen. Eine Staatsdemontage gefährdet den sozialen Frieden Lieber übt sich Trump und seine Gang in Wirtschaftsideologie: Man will nicht nur den schlanken, auch nicht nur den superschlanken, sondern den Schmalhans-Staat, am liebsten 100 Prozent Markt. Natürlich, das viel Fett angesetzte amerikanische Bürokratiemonster braucht eine strikte Diät, einen Rückbau des Verwaltungsstaats und jede Menge Deregulierung. Aber eine Staatsdemontage, die die ohnehin nicht üppigen Sozialleistungen zur Gesundung der aus dem Ruder gelaufenen Staatsverschuldung atomisieren will, gefährdet den labilen sozialen Frieden. Wenn man selbst oben ist, sollte man keine Konflikte da unten schüren.

Mittlerweile geht seine eigene republikanische Partei auf Distanz. Von den Darbietungen Trumps sind sie so wenig entzückt, dass sie ihm Knüppel zwischen die Beine werfen. Das hat zwar zunächst Vorteile. Denn wo kein durchsetzungsfähiger Präsident, da auch kein Trumpscher Handelsprotektionismus. Es ist wohltuend zu wissen, dass viele Republikaner ihre ökonomische Vernunft nicht an der Garderobe im Weißen Haus abgegeben haben. Und wo kein robustes US-Wirtschaftswachstum, da keine Finanzmarkt schädliche, restriktive Geldpolitik der Fed.


Keine vernünftige Wirtschaftspolitik Allerdings kommen bei diesen politischen Scharmützeln auch keine vernünftige Wirtschaftspolitik, keine Steuerreform und keine Aufwertung der Infrastruktur zustande. Die wirtschaftspolitische Ladehemmung der Trump-Administration stößt bei Unternehmen und Aktienmärkten immer mehr negativ auf. Dass sich jetzt sogar US-Wirtschaftsgrößen aus den Beraterteams der US-Regierung zurückziehen, ist mehr als bemerkenswert. Wer gibt schon seine starke Lobby-Position freiwillig auf? Doch was nutzt sie, wenn Trump auf beiden Ohren taub ist? Und tatsächlich, in puncto amerikanischer Wirtschaftsstimmung in Industrie und Dienstleistungsgewerbe folgte auf die Trump-Chance bereits das Trump-Risiko. Gefragt ist ein Weißkopfseeadler – kein komischer Kauz Ein beratungsresistenter, unkontrolliert tweetender Präsident, der schon sein eigenes Land nicht regiert, ist ein Belastungsfaktor für die gesamte westliche Welt und ihre Finanzmärkte. Trump ist so etwas wie der frühe Fehler in einer Mathematikaufgabe, der sich bis unten durchzieht.
Könnte der Westen durch Europa beleuchtet werden, wenn der amerikanische Leitstern verglüht? Trumps Führungsschwäche wäre eine Chance für Europa, mehr geopolitische Verantwortung zu übernehmen. Doch dass das kleine Deutschland the leader of the free world wird, wäre Amtsanmaßung. Und dass Maman et Macron über die Wiederbelebung der deutsch-französischen Freundschaft schließlich auch unseren Kontinent einigen und zu Musketieren von Europa aufbauen, ist sehr zu wünschen, aber leider noch Wunschdenken. Wie will man denn nach außen Stärke zeigen, wenn man innen durch viele Konflikte geschwächt ist?


Europa kann zumindest vorläufig kein wirklicher Führungsersatz sein. Die westliche Welt braucht Amerika, einen sicher auftretenden Weißkopfseeadler, keinen komischen Kauz.


Quelle: Börse München / eigene Recherche
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