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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Tipps für die ETF-Auswahl




07.05.20 13:13
Redaktion boerse-frankfurt.de

Sie wissen, dass Sie passiv investieren und Vermögen aufbauen wollen. Und möchten jetzt aktiv werden. Aber die Auswahl von gut 1.500 Indexfonds mit kryptischen Namen und vielen Angaben erscheint Ihnen unverständlich? Die gute Nachricht: Es ist gar nicht so schwer.



Auf drei Dinge sollten Anleger bei der langfristigen Geldanlage achten, dann kann nichts schiefgehen: breite Streuung, ausreichend langer Anlagehorizont und möglichst geringe Kosten. Die ersten beiden Punkte ermöglichen einen entspannten Umgang mit Kurs- und Ausfallrisiken und zu hohe Kosten fressen die Gewinne auf.


Das macht ETFs zu dem idealen Anlageinstrument für Einsteiger, denn sie sind außerdem sehr leicht zu verstehen, vor allem die einfachen Index-Tracker der ersten Generation.


Es gibt im Moment rund 1.500 ETFs, die öffentlich in Deutschland angeboten werden, deutlich weniger als bei anderen Anlageklassen. Dennoch überfordert die Auswahl häufig Anleger wegen der Anzahl, vieler Angaben, kryptischer Namen, vergleichbar mit der Situation vor einem Supermarktregal mit 30 Sorten Erdbeermarmelade.


Die gute Nachricht vorweg: Mit einer gewissen Systematik und intelligenten Online-Tools ist die Auswahl deutlich einfacher, als Sie auf den ersten Blick glauben. Hier ein Vorschlag in acht Schritten, wie Sie vorgehen können.


Schritt 1: Die Wahl der Anlageklasse


Unter Anlageklassen versteht man verschiedene Objekte, in die Sie investieren können und die sich in Rendite- und Risikoverhalten meist unterscheiden. Die bedeutendsten sind Aktien, d.h. Anteile an Unternehmen, Anleihen und Festgeld, Rohstoffe und Edelmetalle, Immobilien. Kunst, Oldtimer und Wein als Investments sind auch Anlageklassen. An dieser Stelle beschränken wir uns aber auf die direkten Investitionsmöglichkeiten an der Börse, konkret Aktien, Anleihen und Rohstoffe.


Wählen Sie jetzt beispielsweise Aktien, so stehen noch 1.000 ETFs zur Auswahl
 


Schritt 2: Wahl des Marktes: Region, Land, Branche


Im zweiten Schritt überlegen Sie, in welchen Markt Sie investieren wollen, in ein einzelnes Land (USA), eine Region (wie der Pazifikraum) oder die ganze Welt. Vielleicht möchten Sie sich auch auf eine Branche konzentrieren (z.B. Pharma, Goldminen oder IT-Security).
 


Schritt 3: Breit gestreut oder mit Fokus?


Der dritte Schritt ist nicht weit weg vom zweiten. Hierbei geht es um die Stärke der Streuung. Wenn Sie weltweit investieren wollen, geht dies mit ETFs, die rund 1.600 Unternehmen aus Industrieländern weltweit enthalten (MSCI World) oder Sie orientieren sich noch breiter in ETFs mit etwa 3.500 Aktien aus Industrie- und Schwellenländern (MSCI World All Countries, FTSE World All Countries). Dagegen ist der DAX mit den 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands recht wenig diversifiziert: ein Land, große Unternehmen, wenige Branchen.


Grundsätzlich gilt: Je spitzer Ihr Anlagefokus, desto größer Ihre Chance, aber auch Ihr Risiko.
 


Schritt 4: Ausschüttend oder thesaurierend


Im nächsten Schritt entscheiden Sie, ob Sie laufende Einnahmen des ETFs wie Dividenden oder Zinsen regelmäßig ausgezahlt haben möchten. Oder ob diese automatisch im ETF verbleiben und damit das Fondsvermögen erhöhen. Dies wird thesaurieren genannt und stellt aus Ihrer Sicht ein Reinvestment dar. Es steigt der Wert Ihrer Anteile.


Ausschüttend oder thesaurierend ist eine Frage Ihrer persönlichen Vorliebe. Wenn Sie einen ausschüttenden ETF wählen, können Sie sich regelmäßig über


Cash-Spritzen freuen. ETFs schütten in der Regel viermal jährlich die Einnahmen aus. Allerdings wird auf die Zuflüsse sofort Abschlagsteuer fällig. Wenn Sie langfristig Vermögen aufbauen wollen, sind thesaurierende ETFs vorteilhafter. Sie müssen die Erträge nicht reinvestieren um von Zinseszinseffekt (gilt auch für Dividenden) zu profitieren.
 


Schritt 5: Mit oder ohne Währungsrisiko


Wenn Sie als Anlegerin oder Anleger aus der Eurozone in ausländische Aktien investieren, zum Beispiel US-amerikanische Unternehmen im S&P 500-Index, hängt Ihre Rendite nicht nur von der Kursentwicklung, sondern auch von der Wechselkursentwicklung des Euro zum US-Dollar ab. Diese kann zu Ihren Gunsten oder Ungunsten sein. Auf jeden Fall kommt ein weiterer Einflussfaktor hinzu, der sich leicht vermeiden lässt, denn es gibt inzwischen die meisten Standard-ETFs in einer währungsgesicherten Variante. Bei diesen minimieren die Anbieter Währungseffekte, die Kosten dafür sind in der Gesamtkostenquote enthalten.  


Langfristig gleichen sich die Wechselkurseffekte bei den meisten Währungen wieder aus. Ob Sie einen währungsgesicherten ETF wählen, hängt vor allem davon ab, ob Sie die zusätzliche Volatilitätsquelle bei Ihrem ETF vermeiden wollen.


Schritt 6: Replikationsmethode


Es gibt verschiedene Methoden, wie ETFs einen Index abbilden. Die meisten kaufen die Wertpapiere im Index, sie sind voll replizierend. Andere kaufen nur die größten Wertpapiere, das nennt man dann ‚teilreplizierend’ oder ‚optimiert’. Bei sehr großen Indizes macht das Sinn, weil die ständige Anpassung des Portfolios um kleine, wenig gehandelte Wertpapiere auswendig und damit teuer wäre.


Die dritte Form sind synthetische ETFs, auch als Swap-basiert bezeichnet. Bei diesen ETFs kaufen die Anbieter diverse Wertpapiere und gleichen die Wertentwicklung über Differenzgeschäfte, Swaps, mit Dritten aus. Die Form der Abbildung ist vor einigen Jahren kritisch diskutiert worden, da durch den möglichen Ausfall der Swap-Partner, Kontrahenten genannt, Risiken entstehen. Zwar ist der Anteil eines einzelnen Kontrahenten begrenzt, anderseits kann es mehrere geben.


Unterm Strich: Wer sich unwohl mit dem Gedanken fühlt, statt z.B. der DAX-Aktien chinesische Anleihen im Fondsvermögen zu haben, kann gezielt replizierende ETFs auswählen. Das ist ohnehin die Mehrheit.


Swap-basierte ETFs haben auch Vorteile. Zum Beispiel ermöglichen sie Investments in Unternehmen aus Ländern, in denen ausländische Anleger nur begrenzt oder gar keine Aktien kaufen dürfen, wie Vietnam.
 


Schritt 7: Wählen Sie den ETF

Wenn Sie bei diesem Schritt angekommen sind, dürften nicht mehr viele zur Auswahl stehen. Jetzt können Sie sich einen konkreten ETF aussuchen.


Ein mögliches Entscheidungskriterium an dieser Stelle: die niedrigere Gesamtkostenquote.


Ein Weiteres ist die Größe, d.h. das verwaltete Vermögen, auch als Assets under Management oder kurz AUM bezeichnet und auf boerse-frankfurt.de verfügbar. ETFs werden gelegentlich geschlossen oder zusammengelegt, wenn sie sich für die Emittenten mittelfristig nicht lohnen. Die Gewinnspannen der Anbieter sind sehr klein (was für Sie geringe Kosten bedeutet) mit hohen Skaleneffekte. Emittenten erklären, dass sich ein ETF ab 50 bis 100 Millionen Euro verwaltetem Vermögen lohne. Eine Schließung bedeutet für Anleger eine neue Investmententscheidung und die Versteuerung angefallener Gewinne. Beachten Sie, wenn Sie die Größe als Kriterium zu Rate ziehen: Themen-ETFs sind eher kleiner und manche ETFs sind noch sehr jung.


Ein weiterer Tipp: Gehen Sie auf die Internetseite des ETF-Anbieters. Dort können Sie sich z.B. die detaillierte Zusammensetzung des ETFs ansehen, manchmal auch eine grafisch aufbereitete Verteilung auf Länder oder Branchen. Welcher Emittent Ihnen mehr zusagt, kann auch ein ein Entscheidungskriterium zwischen ETF A und ETF B sein.
 


Schritt 8: Lehnen Sie sich entspannt zurück


Wenn Sie langfristige Geldanlage betreiben, ist auch der langfristige Preistrend für Sie der relevante, nicht die kurzfristigen Preisschwankungen. Mehrere Studien haben gezeigt, dass private Anleger häufig im ersten Jahr ihres ETF-Investments Geld verlieren, weil sie versuchen, den Markt zu schlagen. Das gelingt den Wenigsten. Beim Erfolg der langfristigen Geldanlage gilt der zeitlose Rat des weltbekannten Investors Peter Lynch: It is not about timing the market but time in the market ­– es geht darum, wie lange man investiert ist, nicht darum, den Markt zu schlagen.


von Edda Vogt, 
April 2020, © Deutsche Börse AG




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