Kolumnist: Klaus Stopp

The Year After




09.11.17 14:25
Klaus Stopp

Once upon a time - so beginnen normalerweise Märchen, die wir unseren Kindern vorlesen. Jedoch heute sagen wir: „Es war einmal vor einem Jahr, da wurde in den USA Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten gewählt und hat nebenbei alle Meinungsforscher Lügen gestraft.“ Viele Menschen denken noch heute mit Schrecken an diesen Tag zurück und freuen sich gleichzeitig ganz besonders, weil er es voraussichtlich nur noch drei Jahre sein wird. Obwohl seinen Anhängern eine Wiederwahl sinnvoll erscheint, wage ich zu behaupten, dass zur Vermeidung dieses Ereignisses im Jahr 2020 viele Nichtwähler von 2016 diesen Fehler nicht ein zweites Mal begehen werden. Zu vieles erinnert in diesem Zusammenhang an die Brexit-Abstimmung in Großbritannien, deren Ausgang die Bevölkerung ebenfalls überraschte.


Jedoch muss man in einer Demokratie mit einer solchen Entscheidung des Volkes umgehen können. Heute ist somit die Zeit gekommen, um in Anlehnung an den US-Fernsehfilm aus dem Jahre 1983 „The Day After“ nun auf die Schaffenszeit von D.T., dem Unberechenbaren, zu blicken. Die Bewertung seiner Leistungen fällt hierbei sehr unterschiedlich aus. So sind seine Anhänger der Meinung, dass es noch keinen US-Präsidenten gegeben hat, der sich mehr für ihre Belange eingesetzt hat, während seine Kritiker sagen, dass er die USA politisch immer mehr ins Abseits führt und isoliert. Denn seine tollpatschigen Kommentare sowie Tweets sind oftmals ein Spiegelbild seiner wirren Gedanken - und zerstören nur Vertrauen. Insbesondere Börsianer wissen, wovon ich spreche, denn auf dem Börsenparkett gilt immer noch das gesprochene Wort, anders als bei Trump.


Beim Blick auf die Entwicklung an den Finanzmärkten könnte man allerdings den Eindruck gewinnen, dass der Slogan „America First“ die Investoren ermutigt hat, dem Mann zu vertrauen, der die USA wie ein Unternehmen führen möchte. Der Jahresvergleich spricht eindeutig für diese Aufbruchsstimmung.


Aber niemand vermag zu sagen, ob das unter einer anderen Präsidentschaft nicht auch so eingetreten wäre. Denn eine Hausse hat immer mehrere „Väter“ und ist nicht das Ergebnis eines Ereignisses.


In Vorfreude auf seine doppelt so langen Twitter-Nachrichten, mit denen er uns alle noch mehr an seinen Gedanken teilhaben lassen kann, richten wir allerdings schon heute den Blick auf die Halbjahresbilanz seiner Amtszeit am 8.11.2018. Vielleicht werden die Börsianer dann schon überlegen, ob man zukünftig in der Wallstreet nicht nur George Washington, sondern auch einem anderen US-Präsidenten gedenken sollte.






EZB geht einen Schritt vor und zwei zurück


Nach vielen Jahren des extrem billigen Geldes hat die Europäische Zentralbank (EZB) vorletzte Woche bekanntlich einen vorsichtigen Kurswechsel avisiert. Statt 60 Mrd. € sollen von Januar 2017 an nur noch 30 Mrd. € für den Ankauf von Anleihen eingesetzt werden. Auf den ersten Blick ist das immerhin eine Halbierung des bisherigen Programms. Aber eben nur auf den ersten Blick. Bei genauerer Betrachtung wird das Programm zum einen um neun Monate bis mindestens September 2018 gestreckt – dazu noch mit offenem Ausgang. Und zum anderen fallen in den kommenden Monaten durchschnittlich Reinvestitionen in Höhe von 11 Mrd. € an, was das monatliche Volumen der Anleihekäufe wieder auf 41 Mrd. € erhöhen wird. Diese Rechnung ergibt sich aus den Fälligkeiten des QE-Portfolios der EZB, wonach von November 2017 bis Oktober 2018 rund 130 Mrd. € - darunter öffentliche Anleihen für 101 Mrd. € - fällig werden, die am Markt zu reinvestieren sind. Da fühlt man sich doch an das Motto „Ein Schritt vor, zwei zurück“ erinnert. Der Löwenanteil der zu reinvestierenden Mittel wird dabei mit 44 Mrd. € auf das zweite Halbjahr 2018 entfallen.




Der Einstieg in den Ausstieg einer expansiven Geldpolitik ist also höchstens ein halbherziger. Denn es wird weiter billiges Geld in die Euro-Zone gepumpt. Kein Wunder, dass Führungskräfte in deutschen Unternehmen mehrheitlich Kritik an dem „stoischen Kurs“ der EZB üben, wie die Welt schreibt. So sind nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger knapp zwei Drittel der Befragten der Meinung, dass das Stillhalten der Währungshüter die Akzeptanz der EZB schwächt. Wichtiger Kritikpunkt in diesem Kontext ist der Umstand, dass der EZB-Chef mit dem bricht, was bisher gegolten hat: Bei steigender Konjunktur, wie sie jetzt herrscht, die Zinsen zu erhöhen. Draghi aber hat indessen klargemacht, dass zuerst die Staatsanleihekäufe auslaufen müssten, bevor an der Zinsschraube gedreht werde.




Wie expansiv die EZB in ihrer Geldpolitik vorgeht, wird durch einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed deutlich. Während die Bilanzsumme der Fed gerade mal 23% des Bruttoinlandsprodukts beträgt, sind es bei der EZB rund 40%. Eine derart aufgeblähte Bilanzsumme passt aber nicht zu einer guten Konjunktur in der Euro-Zone, von der ja sogar die lange leidenden Südländer profitieren.




Wenn dann Draghi auch noch sagt, die niedrigen Leitzinsen der EZB belasten die Zinseinnahmen der Banken im Durchschnitt des Euroraums nicht, wird klar, dass er und die meisten Geschäftsbanker keine Freunde mehr werden.






Bank of England in der Zwickmühle


Ring frei zur nächsten Runde im Streit um den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU)! Gestern hat die 6. Runde der bisher ergebnislosen Verhandlungen zwischen Brüssel und London begonnen. Es geht vor allem ums Geld. 60 bis 100 Mrd. € will die EU haben, Großbritannien nicht einmal die Hälfte zahlen. Es geht aber auch um 3 Mio. EU-Bürger, die bei einem No-Deal befürchten müssen, aus dem Land geworfen zu werden. Kein Wunder, dass die Begleitmusik der Brexit-Verhandlungen als äußerst aufgeregt beschrieben werden kann.




So drängen etwa britische Unternehmen auf eine Übergangsfrist, rückt doch der 30. März 2019 immer näher. Einer Umfrage des Wirtschaftsverbands CBI unter ihren Mitgliedern zufolge werden bis März 2018 rund 60% der Unternehmen ihre Notfallpläne in Kraft setzen, wenn bis dahin keine Übergangsphase vereinbart wurde. Allein im Finanzsektor darf mit einem Verlust von bis zu 75.000 Stellen gerechnet werden, wie die Bank of England unlängst vorgerechnet hat. Bereits am ersten Tag nach dem EU-Austritt rechnet der Vize-Chef der britischen Zentralbank, Sam Woods, mit der Abwanderung von 10.000 Jobs. Gleichzeitig will die britische Regierung Tausende Staatsbedienstete zusätzlich einstellen. Allein beim Zoll sollen es bis zu 5.000 neue Mitarbeiter sein, die London gedenkt anzuheuern.




Vor diesem Hintergrund taucht immer öfter das Wort vom „Basis-Deal“ auf. Nach Aussagen seines Brexit-Ministers, David Davis, wird Großbritannien zumindest einen solchen Basis-Deal mit der Gemeinschaft verhandeln wollen. Sollte man sich nicht auf ein formelles Handelsabkommen einigen können, dann wäre der Basis-Deal eine Art Plan B für London.




Gleichzeitig stimmt der britische Notenbankchef Mark Carney seine Landsleute auf eine Wachstumsdelle nach dem Brexit ein. Denn es ist zu befürchten, dass das Wachstum des Inselstaates deutlich geringer ausfallen wird - zumindest kurzfristig und die Wirtschaft sich zuerst neu orientieren muss.




Weil das britische Pfund aufgrund des Brexits stark an Wert verloren hatte, erhöhte die Bank of England in der vergangenen Woche erstmals seit 2007 die Zinsen von 0,25% auf 0,5%. Damit kassierte die Bank of England einen Teil ihrer geldpolitischen Lockerung, mit der sie einem Absturz der britischen Wirtschaft entgegenwirken wollte. Niedrige Zinsen und eine erhöhte Geldmenge sollten ursprünglich die Wirtschaft insgesamt stützen. Eine schwache Währung aber hatte dafür gesorgt, dass sich die Importe immer mehr verteuerten. Um hier gegenzusteuern, hat die Notenbank nun reagiert und versucht das Pfund durch höhere Zinsen zu stärken. Ein klassischer Zielkonflikt also, der die Bank of England in eine Zwickmühle gebracht hat.






Italien schließt auf


Gute Wirtschaftsnachrichten aus Italien hat man schon lange nicht mehr vernommen. Nun meldet Rom, dass die Konjunktur in dem Mittelmeerland an Fahrt aufnimmt. Im dritten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt um rund 0,5% zum Vorquartal gewachsen, heißt es. Somit könnte sich das Wachstum bei über 2% im Durchschnitt pro Jahr stabilisieren, prognostiziert Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan.




Und auch von der Problembank Monte dei Paschi, Italiens drittgrößtem Kreditinstitut, ist eine frohe Kunde zu vernehmen. Das Institut hat sich wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekämpft. 242 Mio. € Nettogewinn meldet die älteste Bank der Welt, welcher der italienische Staat - mit Genehmigung der EU - mit 5,4 Mrd. € unter die Arme gegriffen hatte. Allerdings ist dieser Gewinn ausschließlich auf einen Sondereffekt in Höhe von 0,5 Mrd. € aus dem Rettungsplan zurückzuführen. Als Hauptproblem des Instituts gilt weiterhin ein Riesenberg an wackeligen Krediten, die es erst einmal abzubauen gilt.




Diese Problematik gilt aber nicht nur für Monte dei Paschi, sondern für eine Vielzahl von Banken in Italien und auch Spanien. Darauf hat dieser Tage Mario Draghi persönlich hingewiesen. Viele Banken seien immer noch nicht in der Lage, große Verluste zu verkraften, mahnte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), die das Volumen der faulen Kredite bei den 120 direkt von ihr beaufsichtigten Banken im Euroraum auf 844 Mrd. € beziffert. Das sind zwar rund 85 Mrd. € weniger als im Vorjahr, aber noch lange kein Grund zur „Selbstgefälligkeit“, wie Draghi sagte.




Unter‘m Strich konnten italienische Banken ein Fünftel der faulen Kredite auf jetzt 212 Mrd. € abbauen und damit mehr als andere Euroländer. Erfolge bei der Reduzierung von Problemkrediten melden auch spanische Banken wie BBVA oder Santander. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass diese Entwicklung in einem freundlichen Konjunkturklima stattfindet. So dürften die Verbesserungen zumindest teilweise auf die verbesserte Lage in der Wirtschaft zurückzuführen sein.




Dort ist die Stimmung so gut wie seit 2007 nicht mehr. Draghi sei Dank, sind sowohl der Geschäftsklimaindex als auch das Konsumbarometer in Italien gestiegen. Doch was die wirtschaftliche Entwicklung Italiens angeht, so kann man hier von einer Aufholjagd oder einer Art Nachholeffekt gegenüber den anderen Euroländern sprechen. Ist doch Italiens Wirtschaft über ein Jahrzehnt lang der Euro-Zone hinterhergehinkt. Nun macht sich das Land dran, diese Wachstumslücke allmählich zu schließen.






Wirtschaft boomt - doch Zinsen bleiben unten


Äußerst optimistisch gaben sich in dieser Woche die Mitglieder des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die man gerne die „Fünf Weisen“ nennt, bei der Vorstellung ihres Jahresgutachtens. So erhöhten sie ihre Wachstumsprognose kräftig – und zwar von 1,4% auf 2% für das laufende Jahr. 2018 soll die deutsche Wirtschaft sogar um 2,2% wachsen, ging der Sachverständigenrat doch bisher nur von 1,6% aus.




Dabei raten die „Fünf Weisen“, die Chancen aus der guten konjunkturellen Lage zu nutzen. Der Haushaltsüberschuss von gut 31 Mrd. € sollte gezielt für wachstumsfreundliche Reformen eingesetzt werden. Auch ließen sich höhere öffentliche Investitionen sowie Bildungs- und Forschungsausgaben durch Umschichtungen in den Haushalten finanzieren.




Darüber hinaus macht sich der Sachverständigenrat für eine Senkung der Steuer- und Abgabenbelastungen stark – insbesondere durch eine Reform der Einkommensteuer, um den Bürgern Mehreinnahmen aus der kalten Progression zurückzugeben und plädiert für eine allmähliche Abschaffung des Solidaritätszuschlags.




Ist also mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung alles im grünen Bereich? Mitnichten, die Wirtschaft befindet sich in einer Boomphase, droht aber nun zu überhitzen, analysiert der Rat. So sehen die „Fünf Weisen“ deutliche Anzeichen für eine Überauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten. Die deutsche Wirtschaft ist also längst in einer Situation, in der erforderlich wäre, dass die zuständige Notenbank die Zinsen erhöht. Jedoch ziert sich die EZB und riskiert einen „Kolbenfresser“.






Der neue Fed-Vizechef und die Fintechs


Erst wenige Tage in Amt und Würden, hat der neue Fed-Bankenaufseher Randal Quarles vor Risiken in der Finanzbranche gewarnt. Sein Hinweis, dass Ursachen für Krisen einem Wandel unterliegen, ist richtig. Darüber hinaus können sie auch an bisher unbeobachteten Stellen entstehen. Er fordert also, den Blick für neue Risiken zu schärfen und nicht nach den alten Mustern zu verfahren.




Der als Fed-Vizechef für diesen Bereich verantwortliche ehemalige Mitarbeiter des Finanzministeriums wurde von Donald Trump als erster Notenbanker im Fed-Führungsgremium installiert. Sein Hinweis auf die junge Branche der Fintechs kann als erster, dezenter Versuch bewertet werden, die nach der Finanzkrise verabschiedeten Regulierungsvorschriften aufzuweichen und so die Pläne zur Deregulierung des US-Präsidenten voranzutreiben. Jedoch hat Quarles Recht, wenn er die IT-lastigen Geschäftsmodelle, und hierbei insbesondere die Frage der Cybersicherheit, zum Thema macht.




Wie groß die Gefahren sind und zu welchen Verwerfungen Hackerangriffe führen können, weiß man nicht erst seit dem Bitcoin-Diebstahl im August 2016. Somit ist das Schärfen der Blicke für neue potentielle Schwachstellen im System mehr als sinnvoll und man sollte beide Aspekte zur Vermeidung einer neuen Finanzkrise berücksichtigen.






Warnsignal für die Türkei


Es gibt Auszeichnungen, auf die man gut und gerne verzichten kann – etwa die, auf der Liste der sogenannten „fragilen Fünf“ (Fragile Five) zu landen. Darunter versteht man jene fünf Währungen beziehungsweise Volkswirtschaften, die als besonders anfällig gelten für das Zurückführen des Quantitative Easing der US-Zentralbank Fed und einem daraus resultierenden starken US-Dollar.




Initiiert wurde diese Liste 2013 von der Investmentbank Morgan Stanley. Nun hat die Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P) diese Liste mit Variablen unterfüttert, die das externe Finanzrisiko des Staates anhand von Daten wie der Zahlungsbilanz, den Devisenreserven und Verschuldungszahlen messen.




Nachdem es Brasilien, Indien, Indonesien und Südafrika geschafft haben, von der Liste zu verschwinden, finden sich jetzt Argentinien, Pakistan, Ägypten und Katar dort wieder. Das einzige Land, das es nicht geschafft hat, von der Liste herunterzukommen, ist die Türkei. Sie wird von S&P als das Land angesehen, das bei allen sieben Variablen zu den anfälligsten Staaten der Welt zählt. Für die Türkei ist das ein lautes Warnsignal.






Mercedes Benz mit Absatz Rekord


In dieser Berichtswoche vermeldete Mercedes Benz einen neuen Absatzrekord. Im Oktober lieferte der Automobilhersteller weltweit 183.000 Fahrzeuge aus. Dies ist ein Plus von 5,6% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und gleichzeitig ein neuer Bestwert für einen einzelnen Monat. Auch auf Jahresbasis konnte der Absatz von Januar bis Oktober um 11,1% auf ca. 1,9 Mio. Fahrzeuge gesteigert werden.




Nicht nur die Aktionäre dürften über die guten Zahlen von Mercedes Benz erfreut gewesen sein, sondern auch zinsinteressierte Privatanleger. Denn die Daimler AG mit ihrer eingetragenen Handelsmarke Mercedes Benz begab einen neuen Bond (A2GSLY) mit einer Mindeststückelung von 1.000 €. Dabei zahlt das Unternehmen den Investoren jährlich einen Kupon von 1% bis zur Fälligkeit am 15.11.2027. Die 1 Mrd. € schwere Emission wurde zu 99,349% begeben, was einem Spread von +25 bps über Mid Swap gleichkam.




Aber auch andere Unternehmen wurden in dieser Woche am Kapitalmarkt aktiv. So emittierten Whirlpool Finance sowie Eurofins Scientific ebenfalls je einen Bond, entschieden sich aber für eine Mindeststückelung von 100.000 € und sprechen daher eher institutionelle Investoren an. Dabei gehört der US-amerikanische Konzern Whirlpool zu den weltweit führenden Herstellern von Haushaltsgeräten und dürfte vielen Investoren bekannt sein. Der neue Bond (A19R3K) spült dem Unternehmen 600 Mio. € in die Kassen und ist mit einem jährlichen Kupon von 1,1% ausgestattet. Fällig wird das Wertpapier am 09.11.2027 und kann seitens des Emittenten ab dem 09.08.2027 jederzeit zu 100% gekündigt werden. Der Reoffer lag bei 98,914%, was einem Emissionsspread von +40 bps über Mid Swap entsprach. Whirlpool ließ sich zusätzlich eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen.




Komplettiert wird das Trio in dieser Woche von Eurofins Scientific. Das Unternehmen bietet bioanalytische Dienstleistungen für die Bereiche Lebens- und Futtermittel, Pharmazeutika sowie Umwelt an und legte einen Perpetual Bond (A19R3N) mit einem Emissionsvolumen von 400 Mio. € auf. Die börsennotierte Gruppe mit Sitz in Luxemburg zahlt für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt bis zum 13.11.2025 einen festen jährlichen Zins in Höhe von 3,25%. Im Anschluss richtet sich der Zinssatz nach dem 3-Monats-Euribor +5,167 PP. Die Zinsen werden fortan vierteljährlich gezahlt und die Anleihe ist ab diesem Zeitpunkt zu jedem Zinstermin zu 100% kündbar. Der Emissionspreis belief sich auf pari (+266,7 bps über Mid Swap).






In Erwartung der Fed und des Jahresultimos


Am gestrigen Mittwoch war es wieder soweit. Das Sorgenbarometer der Eurozone folgte dem amerikanischen Trend fallender Renditen und markierte ein neues Hoch im Dezember-Kontrakt bei 163,63%. Dieses Niveau konnte allerdings nicht gehalten werden und so gab der Euro-Bund-Future diese Gewinne bis zum Handelsschluss wieder ab, um nahezu auf dem Dienstagabend-Level zu schließen. Obwohl der kurzfristige Aufwärtstrend noch intakt ist, schöpfen die bearischen Rentenhändler Mut, dass es nun endlich zur ersehnten Gegenbewegung kommen könnte. Denn bedingt durch den steilen Anstieg seit dem 26. Oktober ist bereits ein Unterschreiten der Marke von 163,34% als ein Verkaufssignal zu deuten.




Jedoch ist auch in den kommenden Wochen mit einer Seitwärtsbewegung auf hohem Level zu rechnen, denn bereits in 6 Wochen ist Weihnachten und in den noch verbleibenden Handelswochen werden nur noch in Extremsituationen neue Positionen eingegangen. Wer in den vergangenen Wochen nichts verdient hat, braucht auf den letzten Drücker auch nicht mehr die großen Risiken einzugehen. Somit ist die Fed-Sitzung am 13. Dezember das Highlight der kommenden Wochen und die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe wird sich auch zum Jahresschluss nicht auf dem von vielen Marktteilnehmern prognostizierten Level von 0,75% einpendeln. Bereits seit Wochen ist diese Rendite in einer Tradingrange zwischen 0,247% und 0,51% gefangen und ein Ausbruch ist vorerst auch nicht zu erwarten. Zu groß ist die Einflussnahme der EZB auf die Marktentwicklung und somit ist eher mit einem erneuten Test der Up-Side bei ca. 0,25% zu rechnen.




Aktuell notiert das Rentenbarometer bei ca. 163,32% und somit leicht unter dem gestrigen Schlusskurs.






Rekordnachfrage nach Linker


In den USA konnten die Investoren in dieser Woche wieder einen Wunschzettel beim US-Department of the Treasury abgeben. Denn nach dem Motto: „Herz, was begehrst Du?“ wurden Bonds mit nahezu allen Fälligkeiten angeboten. So wurden T-Bills mit Laufzeiten von 4 und 52 Wochen sowie 3 und 6 Monaten für insgesamt 148 Mrd. USD aufgelegt. Aber auch T-Notes mit Fälligkeiten in 3 und 10 Jahren fanden ihre Abnehmer. Heute wird zu guter Letzt noch die Auktion der 30-jährigen T-Bonds stattfinden, so dass insgesamt in dieser Woche 210 Mrd. USD refinanziert wurden. Wenigstens hierbei beweisen die USA Woche für Woche eine in Euroland nicht gekannte Größe.




Denn in der Eurozone waren in der gleichen Zeit lediglich Österreich, Deutschland und Portugal tätig geworden. Österreich hat hierbei am Dienstag zwei Bonds (A19PCF / 2022 ; A19GCS / 2027) und Portugal zur Wochenmitte eine Anleihe (A19BUN / 2027) aufgestockt. Deutschland war an beiden Tagen ebenfalls präsent und hat entsprechend dem Emissionskalender einmal das Emissionsvolumen der 5-jährigen Bundesobligation Serie 176 (114176) um 3 Mrd. € auf insgesamt 17 Mrd. € erhöht. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,39%. Trotz der mittleren Laufzeit wurden nur Zeichnungsaufträge für nominal ca. 3,5 Mrd. € abgegeben. Ganz anders war dies bei der Aufstockung der inflationsindexierten Anleihe (103055), die erst 2030 endfällig ist. Angeboten wurden nominal 500 Mio. € , jedoch wurden Gebote für mehr als 1,4 Mrd. € abgegeben. Auch bei der Zuteilung wurde die erhöhte Nachfrage deutlich. Wurde bei der Aufstockung am 4. Juli noch eine reale Durchschnittsrendite von -0,45% erzielt, so ergab sich jetzt eine von -0,74%. Noch nie gab es einen solchen Run auf einen Linker, was die Ängste der Investoren widerspiegelt.






Greenback im Aufwind


In einer ziemlich ereignisarmen Woche befindet sich die europäische Gemeinschaftswährung derzeit auf der Verliererseite. Das Pendel beim Devisenpaar Euro/Dollar schwingt momentan eindeutig in die Richtung des Greenbacks und so fiel der Euro in dieser Woche bis auf 1,1554 USD zurück. Er sank damit auf den niedrigsten Stand seit dem 20. Juli dieses Jahres.




Anfang September handelte die Einheitswährung zeitweise bei Kursen um die Marke von 1,21 USD. Für den weiteren Wochenverlauf werden keine wegweisenden Impulse für EUR-USD erwartet. Für etwas Bewegung am Devisenmarkt könnte die angestrebte Steuerreform in den USA sorgen. Jedoch fehlt da bislang immer noch ein konkreter Fahrplan und deshalb handelt der Euro heute Morgen wenig verändert bei ca.1,1590 USD.




Während der Euro zum US-Dollar schwächelt, konnte er indessen im Vergleich zur türkischen Lira mit 4,5239 TRY ein neues Allzeithoch markieren. Eine überraschend hohe Inflation von 11,9% zum Vorjahr und damit dem höchsten Stand seit Herbst 2008 haben zu dem Wertverfall beigetragen. Trotz dieser Inflationszahlen wird die türkische Zentralbank vorerst weiter abwartend agieren und die Leitzinsen unverändert belassen.




Bei den Fremdwährungsanleihen wurden in der vergangenen Berichtswoche Bonds lautend auf US-Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand sowie auch russische Rubel vermehrt nachgefragt.






Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de






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Herausgeber:


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Redaktion:


Robert Halver,


Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG


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