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Kolumnist: Holger Steffen

Tesla: Reif für den Absturz?




05.10.17 10:19
Holger Steffen

Tesla tritt in die entscheidende Phase ein, das Model 3 kann zum
Durchbruch oder zur Fallgrube werden. Der Produktionsstart ist
enttäuschend ausgefallen, aber reicht das schon für den Abgesang auf den
Elektroautomobil-Pionier? Mit dem Produktionsstart des
Mittelklassewagens Model 3 ist Tesla im Juli in eine neue Dimension
vorgestoßen. Das Unternehmen will nun den Massenmarkt erobern. Gelingt
dies, bestünde selbst auf Basis einer hohen Marktbewertung von fast 60
Mrd. US-Dollar noch Potenzial für die Aktie.
Der Start ist allerdings erst einmal misslungen. Im dritten Quartal
sollten 1.500 Automobile vom Typ Model 3 hergestellt werden, tatsächlich
sind es nur 260 geworden. Das liegt nicht an mangelnder Nachfrage – die
Vorbestellungen sind um ein Vielfaches höher – sondern an
Produktionsproblemen. Die Vorbereitungen in den Fabriken haben deutlich
länger gedauert, als eingeplant war. An der Börse ist das zunächst
schlecht angekommen. Es haben sich aber auch sofort wieder die Bullen
geäußert, wie etwa die Analysten von Baird, die jede Kursschwäche als
Kaufgelegenheit sehen. Baird geht davon aus, dass das dritte Quartal im
Hinblick auf den Produktionshochlauf des Model 3 das schwierigste war.

Und in der Tat sah es ansonsten ja nicht so schlecht aus, mit 26.150
ausgelieferten Fahrzeugen (vor allem Model S und Model X) wurde der
Analystenkonsens (26.000) geschlagen. Wenn Tesla ab jetzt tatsächlich
die Produktion des Model 3 halbwegs im Rahmen der Planung hochfahren
kann, dürften die Zuwächse beim Gesamtabsatz in den nächsten Quartalen
spektakulär ausfallen. Die Hauptfrage wäre damit aber noch nicht
geklärt. Denn noch ist völlig offen ob die Herstellung des
Mittelklassewagens auch profitabel wird, was keineswegs sicher ist.

Macht Tesla im Massenmarkt aber anhaltend Verluste, könnte der Konzern
trotz einer in der Vergangenheit sehr erfolgreichen Kapitalakquise an
die Grenzen stoßen. Die Tesla-Aktie bleibt damit hochspekulativ und
könnte sogar in den letzten Monaten ein Top ausgebildet haben. Wer
trotzdem investieren will, sollte einen engen Stop-Loss unter dem
zuletzt markierten Zwischentief platzieren. Wer hingegen mit einem
Shortinvestment liebäugelt, dem sei gesagt, dass Tesla die Bären in der
Vergangenheit immer wieder eines Besseren belehrt hat.


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