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Kolumnist: Börse Stuttgart AG

Schwellenländer im Abwärtstaumel




08.09.18 07:19
Börse Stuttgart AG

Euwax bonds

Die Türkei steckt seit Wochen in einer tiefen Krise, doch eine Entspannung ist nicht in Sicht. Nach einer leichten Erholung Mitte August ist die türkische Lira in den letzten Tagen erneut unter Druck geraten – in der Spitze lag der Wechselkurs bei knapp 7,90 Euro. Die Währungskrise wird durch die steigende Inflation der Türkei weiter vorangetrieben: Allein im August hat die Teuerungsrate gegenüber dem Vormonat um 17,9 Prozent zugenommen. Die türkische Zentralbank zeigte sich angesichts der Zahlen besorgt und kündigte am Montag Maßnahmen an, um die Inflation einzudämmen. Der geldpolitische Kurswechsel soll noch im September erfolgen.
 
Auch andere Schwellenländer stehen zunehmend unter Druck: Der „MSCI Emerging Market Currency Index“, der die Entwicklung der Währungen von Schwellenländern im Vergleich zum Dollar abbildet, hat seit seinem Jahreshoch Ende Januar rund acht Prozent verloren. Insbesondere Argentinien steht zurzeit im Fokus, denn das südamerikanische Land steckt wie die Türkei in einer tiefen Währungskrise: Der argentinische Peso hat im August gegenüber dem Dollar rund 40 Prozent verloren. Die argentinische Notenbank erhöhte den Leitzins bereits von 45 auf 60 Prozent, damit Anleger ihr Geld nicht ins Ausland transferieren. Doch selbst das konnte den Währungsverfall des Pesos nicht stoppen. Präsident Macri hat deshalb in dieser Woche Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen und um eine vorzeitige Finanzhilfe gebeten. Der IWF hatte Argentinien im Juni bereits 50 Milliarden Dollar zugesichert, 15 Milliarden davon nahm das Land bereits kurz nach der Zusicherung in Anspruch. Neben Argentinien sind es insbesondere Brasilien, Südafrika und Indien, die unter dem Verfall ihrer Landeswährung leiden: Gegenüber dem Dollar fiel der brasilianische Real seit Jahresbeginn um rund 25 Prozent, der südafrikanische Rand um rund 16 Prozent, die indische Rupie um rund 10 Prozent. Der Währungsverfall lässt auch die Risikoaufschläge für die Staatsanleihen der Schwellenländer in die Höhe schnellen: Die Rendite der zehnjährigen türkischen Staatsanleihe liegt noch immer bei rund 20 Prozent, bei den argentinischen und den brasilianischen zehnjährigen Papieren sind es über 10 Prozent. Zum Vergleich: Die Rendite der 10-jährigen deutschen Benchmark-Anleihe beträgt 0,38 Prozent. Als einer der Auslöser für die aktuellen Turbulenzen vieler Schwellenländer-Währungen gilt die Geldpolitik in den USA. Denn durch die seit Ende 2015 wieder ansteigenden Zinsen – die nächste Zinserhöhung ist diesen Monat geplant – wird der Dollar für viele Investoren wieder attraktiv, wodurch sie Geld aus den Schwellenländern abziehen.


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