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Kolumnist: Franklin Templeton

Schockierende US-Arbeitslosenzahlen, aber Grund zur Hoffnung ist da




12.05.20 16:52
Franklin Templeton

Lassen wir uns von den Finanzmärkten täuschen? Laut Sonal Desai (CIO von Fixed Income) werden die nächsten Wochen über den Verlauf der wirtschaftlichen Erholung entscheiden.


 COVID-19 fordert Menschenleben, aber auch die Wirtschaft ist schwer getroffen: Die jüngsten Arbeitslosenzahlen aus den USA offenbarten für den Monat April Arbeitsplatzverluste in einem schockierenden Ausmaß. Sonal Desai, CIO von Franklin Templeton Fixed Income, legt ihre Sicht auf die Dinge dar. Ihrer Meinung nach dürften die nächsten Wochen über die Entwicklung des Arbeitsmarktes während des restlichen Jahres entscheiden.


Als ich die US-Arbeitslosenzahlen für April sah, konnte ich kaum glauben, was gerade mit unserem Arbeitsmarkt passiert.


Der Arbeitsmarktbericht für April führt uns die katastrophalen Auswirkungen des Lockdown auf die US-Arbeitskräfte vor Augen. Die Beschäftigtenzahlen (ohne Landwirtschaft) sind so stark gesunken wie noch nie: Mit einem Verlust von 20,5 Millionen Arbeitsplätzen ist die Beschäftigung auf das Niveau von Anfang 2011 gefallen. Die Arbeitslosenquote stieg sprunghaft um über 10 Prozentpunkte auf 14,7 % an, was bedeutet, dass nun zusätzlich 16 Millionen Menschen keine Arbeit haben. Die weiter gefasste U-6-Kennzahl schnellte auf fast 23 % nach oben. Sie umfasst auch Erwerbslose, die in jüngster Zeit die Arbeitsplatzsuche aufgegeben haben, und Personen, die aus wirtschaftlichen Gründen in Teilzeit tätig sind (d. h. die keine Vollzeitstelle finden).


Während der Großen Rezession des Jahres 2009 betrug der Höchststand dieser beiden Kennzahlen 10 % bzw. 17 %. Den stärksten Rückgang verzeichnet der Dienstleistungssektor, insbesondere im Bereich Freizeit und Gastgewerbe (-7,7 Millionen), aber auch das verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe sind hart getroffen.


Diese Zahlen mögen schockierend sein – eine Überraschung sind sie indes nicht: Als im März große Teile der US-Wirtschaft stillgelegt wurden und der Stillstand auch den April über andauerte, war die Anzahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung bereits auf 33 Millionen angestiegen, die der Folgeanträge auf 23 Millionen. Dies erklärt teilweise, warum die Finanzmärkte die Zahlen mühelos zu schlucken scheinen: Die Aktienindizes legten bis zum Börsenschluss am Freitag zu.


Ermutigend dürfte für Anleger auch die Tatsache sein, dass einige US-Bundesstaaten begonnen haben, ihre Wirtschaft wieder hochzufahren. Außerdem preisen die Aktienmärkte sicherlich die erwarteten Auswirkungen der massiven geldpolitischen Lockerungen in die Kurse ein, wie es bereits in vergangenen Krisen zu beobachten war.


 


Doch lassen Sie sich von der Reaktion der Finanzmärkte nicht täuschen. Der Arbeitsmarkt hat einen gewaltigen Schlag erlitten und steht nun vor der enormen Herausforderung, Arbeitsplätze und Existenzgrundlagen neu aufzubauen. Um ein Gefühl für das Ausmaß des Schadens zu bekommen, machen Sie sich Folgendes klar: Die Arbeitslosenzahl ist um 16 Millionen gestiegen, und unter Berücksichtigung der aktuell nicht aktiv suchenden Erwerbslosen und der aus wirtschaftlichen Gründen in Teilzeit beschäftigten Personen ergibt sich, dass fast 22 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen sind. Dies entspricht ungefähr dem Beschäftigungsrückgang. Zu diesen Zahlen kommen noch die 6,4 Millionen Menschen hinzu, die aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind.


Und nicht zuletzt zeigt sich eine steile Zunahme bei der Zahl der Personen, die als erwerbstätig gelten, aber der Arbeit fernbleiben (ein Anstieg um rund 5,5 Millionen): Diese Arbeitnehmer sind weiterhin ihren Arbeitgebern zuzurechnen, sie arbeiten aber aktuell nicht aktiv. Insgesamt sind somit knapp 34 Millionen Menschen betroffen, was ungefähr den 33 Millionen Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung entspricht.


Die meisten Menschen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, gehörten zu den unterprivilegierten Erwerbstätigen mit geringerer Qualifikation und niedrigerem Lohn. Dies zeigt sich auch an dem bemerkenswerten Anstieg des durchschnittlichen Stundenlohns um 3,3 % im März und sage und schreibe 7,9 % im April. Der Verlust an geringer entlohnten Arbeitsplätzen ist also so massiv, dass der Durchschnittslohn für die Gesamtwirtschaft deutlich angestiegen ist.


Meiner Meinung ergibt sich daraus das dringende Gebot, das Wiederanfahren der US-Wirtschaft unter Beachtung von Sicherheitsmaßnahmen zu beschleunigen. Einige Branchen (etwa die Luftfahrt und die Gastronomie) werden wegen der möglichen Veränderungen des Konsumverhaltens langfristig mit Gegenwind zu kämpfen haben. Andere werden anhaltend unter dem Einbruch der Wirtschaftstätigkeit im Rest der Welt leiden. Außerdem müssen wir die Folgen großzügiger Arbeitslosenunterstützung beobachten, die möglicherweise Fehlanreize setzen und die Neueinstellungen in manchen Branchen verlangsamen könnte (vgl. die Erörterung in unserem kürzlich veröffentlichten Weißbuch „Makro-Ausblick USA: Jetzt gilt es, die Kurve in Richtung Wirtschaftswachstum zu nehmen.“ Doch andere Branchen könnten sich rascher erholen, sobald die Einschränkungen aufgehoben werden.


Mut macht die Nachricht, dass der Löwenanteil (90 %) der zusätzlichen Erwerbslosen aus dem Aprilbericht und rund 78 % aller aktuell arbeitslosen Menschen nur vorübergehend entlassen wurden. Diese Tatsache ist wichtig, denn in früheren Rezessionen führte ein großer Anteil der vorübergehend Erwerbslosen zu einer deutlicheren und schnelleren Erholung des Beschäftigungsniveaus – insbesondere nach der Rezession des Jahres 1982 war dies der Fall.


Die meisten neu registrierten Arbeitslosen stehen mit ihrem Arbeitgeber weiterhin in Kontakt und könnten ihre Tätigkeit jederzeit wieder aufnehmen, während viele Unternehmen nur darauf warten, ihre früheren Mitarbeiter wieder einzustellen.


Wenn die Bundesstaaten ihre Wirtschaft rasch wieder hochfahren, gleichzeitig intelligente, gezielte Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus ergreifen und die am stärksten gefährdeten Menschen schützen, können wir es noch schaffen, die Arbeitslosigkeit kurzfristig auf einen weniger düsteren Stand zu drücken. Allerdings ist die Zeit nicht auf unserer Seite: Je länger die Arbeitslosigkeit in den aktuellen astronomischen Höhen verharrt, desto schwieriger wird es, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen – und desto größer werden die langfristigen menschlichen und wirtschaftlichen Schäden sein.


In den nächsten Wochen wird sich entscheiden, welchen Kurs der Arbeitsmarkt und die Wirtschaft einschlagen.


Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und die Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen in die den Zinsen entgegengesetzte Richtung. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio an steigende Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Bei aktiv verwalteten Strategien können Verluste entstehen, wenn sich das Urteil des Anlageverwalters in Bezug auf Märkte, Zinssätze oder die Attraktivität, die relativen Werte, die Liquidität oder die potenzielle Wertsteigerung bestimmter für ein Portfolio getätigter Anlagen als unzutreffend herausstellt. Es kann nicht garantiert werden, dass die Anlagetechniken oder Entscheidungen eines Anlageverwalters zu den gewünschten Ergebnissen führen.


Veröffentlicht in AnleihenPerspektiven







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