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Kolumnist: Franklin Templeton

Der Schlüssel zur Energiesicherheit ist die Versorgungsvielfalt




13.05.22 11:54
Franklin Templeton

„Die russische Invasion in der Ukraine hat nicht nur einen immensen Tribut an Menschenleben gefordert, sondern auch die Rolle der Energiesicherheit für die nationale Sicherheit verdeutlicht. Etwa 40 Prozent des europäischen Erdgases werden von Russland geliefert. Diese breite Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen könnte den Zeitplan vieler Verpflichtungen für Netto-Null-Emissionen erschweren. Anstatt die Umstellung auf eine Netto-Null-Energieversorgung aber zu verlangsamen, indem man sich auf eine verstärkte Öl- und Gasproduktion zurückzieht, sollten die aktuellen Energiekrisen Trends beschleunigen, die die Energiewende vorantreiben können, wie z. B. Europas Bedarf an heimischer Energieproduktion und die verbesserte Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien im Vergleich zu fossilen Brennstoffen. 

Das Hauptproblem bei den erneuerbaren Energien sind die Schwankungen, wobei Batteriespeicherung eine gute Lösung darstellt. In den USA, wo die Großhandelspreise im Durchschnitt bei 0,09 Dollar pro Kilowattstunde (kwh) liegen, wird die Speicherung von Energie in großem Maßstab immer häufiger eingesetzt. Da in Europa jedoch bis zu 0,35 $/kwh und in Deutschland sogar bis zu 0,45 $/kwh gezahlt werden, ist mit einem verstärkten Einsatz von Speichersystemen zu rechnen, um den Ausbau der erneuerbaren Energien zu unterstützen.


Hohe und steigende Energiekosten in Verbindung mit politischer Unterstützung treiben die zunehmende Verbreitung von Solar- und Speichersystemen für Privathaushalte in Europa voran. Unternehmen wie Enphase Energy und SolarEdge Technologies erwarten ein deutliches Wachstum der Solarinstallationen in diesem Markt, vor allem in Deutschland und Italien. Die Verbraucher verlangen nicht nur Solaranlagen auf dem Dach, sondern auch eine komplette Systemlösung einschließlich Batterien. Dieses Phänomen beschleunigt das Umsatzwachstum für diese Unternehmen.


Die Ersetzung der Nachfrage nach russischem Gas durch grünen Wasserstoff gibt Unternehmen wie Air Products and Chemicals (APD) und Linde Rückenwind. Grüner Wasserstoff, der durch die Nutzung erneuerbarer Energien zur Aufspaltung von Wasser in seine Grundelemente Wasserstoff und Sauerstoff hergestellt wird und die anschließende saubere Verbrennung des Wasserstoffs als Kraftstoff, gilt als Schlüssel zur Senkung der Emissionen in schwer zu dekarbonisierenden Branchen wie Stahl und Zement sowie im Verkehr. Das große grüne Wasserstoffprojekt von APD in Saudi-Arabien, Neom, bei dem der Wasserstoff mit Hilfe erneuerbarer Energien erzeugt wird, dürfte von der steigenden Nachfrage in Europa profitieren. Das Projekt soll bis 2026 in Betrieb genommen werden. Eine langfristige Vereinbarung mit dem europäischen Halbleiterhersteller Infineon über die Produktion und Speicherung von grünem Wasserstoff vor Ort am Standort Villach gab Linde vergangenes Jahr bekannt. Die Anlagen werden voraussichtlich 2022 in Betrieb gehen.


Die Senkung des Energieverbrauchs durch Energieeffizienz ist ein weiterer wichtiger Werttreiber. Das schwedische Unternehmen Atlas Copco beispielsweise stellt energieeffiziente Kompressoren und Vakuumpumpen her, die ihre Drehzahl an den Produktionsbedarf anpassen. Die derzeit hohen Energiepreise dürften die Nachfrage nach hoch energieeffizienten Kompressoren von Atlas ankurbeln, da der größte Teil der Lebenszykluskosten eines Kompressors auf die Energiekosten entfällt. Die Investition in einen neuen Kompressor kann zu erheblichen Energieeinsparungen führen. Darüber hinaus stellt Atlas große Kompressoren her, die in der Energiewirtschaft eingesetzt werden. Der Ruf nach Energieunabhängigkeit und die Diversifizierung der Erdgasbeschaffung könnten Investitionen in das Verteilungsnetz (Gaspipelines) und in Wiederverdampfungsterminals (LNG) in Europa auslösen. Dies wiederum wird die Nachfrage nach den von Atlas angebotenen großen Gas- und Prozesslösungen erhöhen.“



Kommentar von Mary Jane McQuillen, Portfoliomanagerin und Head of ESG bei ClearBridge Investments, Teil von Franklin Templeton




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