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Kolumnist: Ralf Flierl

Scara… pffft




03.08.17 15:01
Ralf Flierl

Kommunikationsdirektor redet sich um Kopf und Kragen
Kurzes Gastspiel

Man kann Ereignisse auf verschiedene Art interpretieren. Das kurze Gastspiel von Trumps Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci wurde vom grundsätzlich gegen Trump eingestellten bundesdeutschen Medien-Mainstream umgehend als weiterer Beleg für dessen Unfähigkeit interpretiert. Auch mit Häme – die wohlfeile Währung jener, die nicht im Rampenlicht stehen – wurde wieder nicht gegeizt. In der Tat war Scaramucci einer äußerst „lebhaften Sprache“ zugetan, die hiesigen Journalist_innen, die ihr Handwerk überwiegend auf der Klosterschule gelernt zu haben scheinen, umgehend die Schamesröte ins Gesicht trieb. Der eigentliche Anlass für Scaramuccis rekordverdächtig kurze Amtszeit waren aber offenbar Konflikte innerhalb der Administration. So attestierte er dem Stabschef des Weißen Hauses, dem ohnehin schon wackelnden „Reince“ Priebus, ein „verdammter paranoider Schizophrener“ zu sein. Auch gegen Trumps Chefstrategen Steve Bannon keilte er kräftig. Zu seiner Entschuldigung gab er an, dass die Äußerungen in einem vermeintlich vertraulichen Gespräch gefallen seien. Das allerdings kann man fast nicht glauben. Will uns Scaramucci ernsthaft erzählen, dass der Kommunikationschef des Weißen Hauses nicht in der Lage gewesen sein soll, zwischen einem vertraulichen und einem nicht vertraulichen Gespräch mit einem Journalisten zu unterscheiden? Priebus hörte sein „you’re fired!“ jedenfalls als erster, dann folgte der Kurzzeit-Kommunikator selbst. Das Ganze wirkt wie ein großes Tohuwabohu – und möglicherweise ist es das auch. Allerdings sind die Dinge in der hohen Politik oft anders als sie nach außen scheinen. Zumindest kann man Trump zu Gute halten, dass er Probleme nicht auf die lange Bank schiebt – nicht einmal die selbstgeschaffenen, die jede normale Regierung so lange vertuscht, bis ein geeigneter Sündenbock gefunden ist. In dem Punkt unterscheidet er sich auch deutlich vom deutschen Regierungsstil, der seit Helmut Kohl – mit der kurzen Unterbrechung Gerhard Schröders – im Wesentlichen durch behäbiges Aussitzen und eine bemerkenswerte Halsstarrigkeit in Bezug auf die eigenen Fehlleistungen gekennzeichnet ist. Wir erinnern uns beispielsweise, wie Angela Merkel das von ihr höchstpersönlich „per Ordre de Mutti“ geschaffene Thema der unkontrollierten Massenmigration behandelt bzw. nicht behandelt: „Nun sind sie halt da.“ Punkt.

Messias trifft Realität

In Frankreich dagegen wird nun alles besser, denn mit Emmanuel Macron ist ein wahrer Hoffnungsträger ins Amt des Staatspräsidenten gewählt worden: „La République en Marche !“, nennt sich die Bewegung des ehemaligen Sozialisten und Investmentbankers, und so tönte es auch aus den großen Medien. Heute soll Macron übrigens für eine Art sozialliberalen Kurs stehen. So genau weiß das allerdings niemand. Was man dagegen weiß, ist, dass er die französische Version von „Mehr Europa“ voranbringen will, die wiederum stramm sozialistisch ist. Als ob der Euro nicht längst hinreichend bewiesen hätte, wie gravierend die Tragik der Allmende ist (hier: die gemeinsame Währung), sollen nun auch noch die Staatsschulden vergemeinschaftet werden. Damit ist der totalen Verantwortungslosigkeit – normale Verantwortungslosigkeit regiert in diesem Bereich schon seit langem – Tür und Tor geöffnet. Wenn man auf der Suche nach einem Schuldenturbo ist, der noch ein paar Jahre Party auf Kosten anderer ermöglicht, wäre genau das die Lösung, zumindest bis schließlich auch die deutsche Bonität erschöpft ist.



Im besten Fall eine Technische Reaktion

Nun könnte man sich wenigstens in Frankreich freuen, weil es ein eindeutiger Profiteur einer solchen Politik wäre – zumindest kurzfristig. Allerdings sinken die Umfragewerte Macrons bereits gewaltig und die Presse beschäftigt sich mehr mit schönen Bildern aus dem Élysée-Palast, den Kostümen der First Lady und dem Aussehen von deren Töchtern. Das Medienphänomen Macron erinnert an das Medienphänomen Obama, der ebenfalls mit solchen Hoffnungen befrachtet wurde, dass er fast zwangsläufig wesentlich kleiner aus dem Amt herauskam, als er einst hineinging. Nicht nur in den Umfragen, auch an der Pariser Börse ist die Desillusionierung förmlich mit Händen zu greifen. Marktteilnehmer haben als Gruppe ohnehin oft ein etwas besseres Gespür für die Substanz von Entwicklungen als die schreibende Zunft. Während die Journaille noch über den Sieg, das neue Frankreich und all die hübschen Bilder schwelgte, begann im französischen Leitindex CAC-40 bereits das Umdenken. Nach dem ersten Wahlgang am 23.4. sprang der Index mit einem Gap (vgl. Abb., gelbe Markierung) nach oben, als klar wurde, dass es auf den Hoffnungsträger zuliefe und Marine Le Pen im zweiten Wahlgang keine Chance haben werde. Dabei wurde auch gleich der Abwärtstrend gebrochen, der bis in das Jahr 2000 zurückreicht (vgl. Abb., rote Linie). Am Tag nach der Stichwahl am 7. Mai, die das erwartete Wahlergebnis einbrachte, eröffnete der Markt noch ganze 10 Punkte höher und markierte mit 5.442,10 Punkten sein Bewegungshoch. „Buy the rumour, sell the fact“, wie das unter Börsianern so schön heißt. Denn von da an ging es bergab. Positiv ist noch, wie geordnet sich der Kursrückgang vollzieht. In den letzten Monaten ist hier eine Art Flagge entstanden, die normalerweise eine technische Konsolidierungsformation darstellt und nach oben verlassen werden sollte. Nur, danach sieht es im Moment nicht mehr aus. Denn zuletzt wurde nicht nur der seit Juni 2016 gültige Aufwärtstrend nach unten durchbrochen (vgl. Abb., grüne Linie), der Index ist auch wieder in den zuvor erwähnten sehr langfristigen Abwärtstrend eingetaucht. Dieser Markt braucht also mehr als schöne Bilder von schönen Töchtern, sondern in absehbarer Zeit etwas Substantielles.

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Titelstory: Crashgefahr für Tesla … und übrigens auch für den DAX
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Fazit

Donald Trump hält uns weiter in Atem. Die gute Nachricht: Die Börse zeigt sich weiter unbeeindruckt vom Personalkarussell des US-Präsidenten. Hysterische Reaktionen auf dessen Politik finden sich derzeit häufiger in den Leitmedien als an den angeblich so nervösen Märkten.

Ralph Malisch

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