Kolumnist: Ralf Flierl

Satz mit X…




14.09.17 15:49
Ralf Flierl

…war vielleicht doch was. So zumindest bei dem Ausnahmeunternehmen Apple.
Für 999 Dollar ein X vormachen

Die Elektronikbranche kennt eigentlich folgende Gesetzmäßigkeit: Im immer schnellen Intervallen werden die Geräte leistungsfähiger, gleichzeitig sinken deren Preise. Was noch vor Jahren teures Spielzeug weniger Nerds war ist heute Massenware, die zu Schnäppchenpreisen verschleudert wird. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Apple. Der aktuell wertvollste Konzern der Welt mit einer Marktkapitalisierung von 830 Mrd. USD ist ebenfalls Weltmeister in der Selbstinszenierung. Das stellte CEO Tim Cook gestern einmal wieder unter Beweis. Apple beherrscht die modernen Formen des Marketings wie kaum ein zweites Unternehmen. Zuerst werden durch gezielte Indiskretionen massenhaft Gerüchte über das neueste Gadget gestreut. Dann wird eine Produktpräsentation abgehalten, die teilweise sakrale Züge trägt. Bereits Apple-Gründer Steve Jobs hatte stets betont, dass es nicht die Kunden seien, die wüssten was sie wollten, sondern er derjenige sei, der es ihnen sagen würde. Ein ausgeprägter „Produktkult“ scheint dafür fast notwendig zu sein. Apropos „Produktkult“: Zumindest dies scheint keine originäre Erfindung von Apple zu sein. Bereits in den 80er Jahren macht sich der Kabarettist Gerhalt Polt in einem Sketch über die Worthülsen bei solchen Veranstaltungen lustig. Dabei lassen sich auch heute noch Parallelen zu den berühmten Apple-Keynotes erkennen.

Das beste iPhone aller Zeiten

Auf jeden Fall gelingt Apple damit auch zehn Jahre nach der Markteinführung des ersten iPhones ein erstaunliches Kunststück. Wurde das Ur-iPhone noch zu einem Durchschnittspreis von 450 USD abgesetzt soll das neue iPhone X nun 999 USD kosten – in der günstigsten Version, versteht sich. Wie passend, dass sich angesichts von solchen Preisen für 199 USD auch noch die passende Versicherung für das neue Luxus-Handy abschließen lässt. Die technischen Details des neuen Wunderwerkes erspar ich Ihnen nun. Die Mehrheit der Journaille ist ohnehin fest überzeugt davon, dass es sich hierbei um das beste iPhone handelt, das es jemals gegeben hat. Wobei es vermutlich selten einen Hersteller gegeben hat, der bewusst ein neues Produkt lancierte, das schlechter als die Vorgängerversion war. Technik spielt in der iPhone-Manie ohnehin eine untergeordnete Rolle. Nahezu alle Experten attestierten Apple vor der Präsentation des iPhone X gewaltigen technischen Nachholbedarf. Samsung & Co sind mit ihren Smartphones bereits seit langem ebenbürtig. Doch Apple ist längst mehr als ein Elektronikkonzern. Es ist ein Anbieter eines Lifestyles, ein Mode- und Markenartikler. Und als solcher darf sich Apple wohl auch mit dieser Generation des iPhones auf einen warmen Geldregen einstellen.

Das Melken der Cashcow hat erst begonnen

Allein die Vorfreude auf das neue iPhone X hat den Kurs der Apple-Aktie bereits seit Jahresanfang um rund 40% ansteigen lassen. Die gestrige Präsentation hat an der Börse dagegen bislang wenig Euphorie hervorgerufen, der Kurs lag zum Handelsschluss in New York knapp 1% im Minus. Aber wie heißt es so schön: „Buy the rumor, sell the fact“. Doch auch langfristig orientierte Investoren wie Warren Buffett halten an der Aktie fest. So hält er mit seiner Holding Berkshire Hathaway zuletzt rund 130 Mio. Apple-Anteile im Wert von mehr als 20 Mrd. USD. Treffen die Schätzungen der Analysten zu, notiert die Aktie zum knapp 15 fachen des 2018er Ertrags und zum 12 fachen des 2018er Cashflows. Wie eine Wachstumsaktie wird Apple damit nicht bewertet, eher wie eine Cashcow, deren beste Jahre noch vor ihr liegen. Damit dies auch so kommt, müssen nun aber erst einmal Millionen Menschen einen glatten Tausender für ihr neues Handy auf den Tisch legen. Aber was sind in der heutigen Zeit schon 1.000 Dollar…

Im Bann von „Irma“

Die gleiche Wirkung auf die Börse – lediglich andersherum – hatte in den letzten Tagen der Hurrikan „Irma“, der in Florida massive Verwüstung verursachte. Hatten die Aktien von Münchener Rück, Swiss Re oder Hannover Rück angesichts der Warnungen vor der Katastrophe noch massiv nachgegeben, konnten sich dieselben Titel in den letzten Tagen bereits wieder deutlich erholen. Auf ihrer Branchentagung in Monte Carlo zeigte sich die Branche zuletzt auch schon wieder optimistisch. Da der Hurrikan die Großstadt Miami nicht unmittelbar getroffen hat, dürften die Schäden weit hinter den schlimmsten Erwartungen bleiben. Statt bis zu 200 Mrd. USD dürften die versicherten Schäden nun „lediglich“ 20 bis 65 Mrd. USD betragen. Gleichzeitig dürfte „Irma“ einigen Betroffenen jedoch die Augen geöffnet haben und für eine steigende Nachfrage nach Versicherungslösungen sorgen. Der Versicherungswirtschaft kommt dies sehr gelegen, denn das billige Geld und die Suche nach Anlagealternativen hat die Prämien – insbesondere für Naturereignisse – auf mehrjährige Tiefs sinken lassen. Damit könnte nun Schluss sein. Die Börse hat dies natürlich schon vorweggenommen. Ob dies nun „Intelligenz der Masse“ oder „Dummheit der Masse“ ist, wird sich erst in Zukunft zeigen.



Zu den Märkten

Am Chart der Apple-Aktie gibt es seit Jahren wenig zu mäkeln. Es ging exorbitant aufwärts und allfällige Korrekturen wurden letztlich immer wieder mit neuen Allzeithochs beantwortet. Andererseits gehen auch die schönsten Partys irgendwann einmal zu Ende. Ob das iPhone X – wo war eigentlich das iPhone 9? – für eine weitere Runde nach oben gut ist, wird erst die Zeit zeigen. Die gestrige Aufnahme des neuen Kult-Smartphones durch die Börse fiel nach hohen Umsätzen allerdings nur lauwarm aus – letztlich stand ein kleines Minus von 0,40% auf dem Zähler. Begeisterung sieht anders aus. Und so wenig man vielleicht die Kult-Produkte eines Kult-Konzerns nach dem Preis/Leistungs-Verhältnis beurteilen kann, so wichtig ist es, dass die Begeisterung der Kundschaft aufrechterhalten bleibt. Und da wiederum konnte Apple in der Vergangenheit schon manchen Kritiker eines Besseren belehren.

wikifolio „Smart Investor – Momentum“

An dieser Stelle dürfen wir Ihnen einmal wieder ein kleines Zwischenupdate zu unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“ (WKN des zugehörigen Zertifikats: LS9CFN) geben. Gestern erreichten wir ein neues Allzeithoch und das ist schon ein Grund zur Freude. Unserer Strategie eines Momentum-getriebenen Ansatzes mit striktem Risikomanagement bleiben wir entsprechend treu. In das zugehörige Zertifikat sind aktuell rund 134 TEUR investiert. Eine gute Gelegenheit uns für das entgegengebrachte Vertrauen zu bedanken.

Veranstaltungsempfehlungen:

Nachdem im Zusammenhang mit Apple das Stichwort „Österreichische Schule“ gefallen ist, dürfen wir unsere Leser auf zwei interessante Veranstaltungen aufmerksam machen. Wie unsere Abonnenten wissen, betrachten auch wir die Geschehnisse an den Märkten, in Wirtschaft und Gesellschaft durch die „österreichische Brille“. Dabei kommen wir oft zu erstaunlich abweichenden, aber eben oft auch zu erstaunlich zutreffenden Einschätzungen – zumindest im Vergleich zu dem, was man ansonsten so landauf, landab lesen kann. Wer sich näher für das Thema und die Philosophie der „Austrians“ interessiert, dem können wir gleich zwei Veranstaltungen empfehlen, die praktischerweise in unmittelbarer zeitlicher Abfolge in München stattfinden werden. Auf diese Weise können auswärtige Besucher mit nur einer Übernachtung „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“:

Den Anfang macht am 20. Oktober die IfAAM Investmentroadshow des Instituts für Austrian Asset Management (IfAAM). Steffen Krug, Gründer des IfAAM, wird dort über alternative Investments und FinTec-Lösungen im Angesicht des Euro-Endspiels sprechen. Fabio Bossi, ein ausgewiesener Experte im Bereich Kryptogelder wird aktuelle Entwicklungen bei Bitcoin, Dash & Co. aus er Sicht eines Value Investors analysieren. Richtig gelesen, Kryptogelder & Value in einem Satz! Ungewöhnliche Einsichten sind bei Austrians eben eher die Regel als die Ausnahme. Schließlich wird Thorsten Schulte, Autor des Spiegel-Bestsellers „Kontrollverlust: Wer uns bedroht und wie wir uns schützen“ in einem „hochpolitischen Vortrag“ über das Thema Vermögensschutz referieren.

Für Frühbucher (bis Freitag, den 15.9.) kostet die Teilnahme lediglich 99 EUR statt regulär 149 EUR. Falls Sie sich nicht ganz so schnell entscheiden wollen, gilt dieser Vorzugspreis für Smart-Investor-Abonnenten auch noch nach diesem Stichtag. Wer in München nicht dabei sein kann, für den gibt es übrigens Wiederholungstermine in Hamburg (27.10.) und Berlin (28.10.). Nähere Informationen unter: http://www.ifaam-institut.de/veranstaltungen

Am 21. Oktober lädt dann das Ludwig von Mises Institut Deutschland unter dem Motto „Small is beautiful – vom Vorteil kleiner politischer Einheiten” zur Jahreskonferenz 2017 in den Bayerischen Hof nach München. Die Rednerliste könnte nicht hochkarätiger sein: So wird der regierende Fürst von Liechtenstein, S. D. Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein, über den Staat im dritten Jahrtausend referieren. Weitere Referenten sind Professor Dr. David Dürr, Dr. Titus Gebel, Institutsvorstand Andreas Marquart und Institutspräsident Professor Dr. Thorsten Polleit. Die letzten drei Namen sollten Smart-Investor-Abonnenten bestens bekannt sein. Nähere Informationen zur Anmeldung finden Sie auf der Website des Ludwig von Mises Institut Deutschland.

Auf beiden Veranstaltungen werden übrigens auch Redakteure des Smart Investor anwesend sein. Sprechen Sie uns gerne an.

Musterdepot Aktien & Fonds

Wir kaufen noch einmal nach. Bei welchen Titeln erfahren Sie im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf unserer Homepage. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.
   
Am Samstag ist der Smart Investor 9/2017 u.a. mit folgenden Themen:

Titelstory: Plan oder Panne? Leben im Zeichen der Raute
Grüne Investments: Erfolgreich nach eigenen Regeln
Anlagestrategie: Trendfolge auf dem Prüfstand
Branche im Blickpunkt: Online-Glücksspiel

Fazit

Auf 8 folgt 10 („X“) – so zumindest beim Ausnahmekonzern Apple. Aber auch an der Börse ist ja bekanntlich 2 + 2 = 5 – 1, wie schon Altmeister André Kostolany wusste. Ob auch Apples eigenwillige Rechenmethoden zum Erfolg führen, wird sich zeigen.

Christoph Karl, Ralph Malisch

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ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE000LS9CFN3 LS9CFN 132,31 € 101,25 €
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
EUWAX 131,84 € -0,08%  22.09.17
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