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Kolumnist: Miningscout.de

SLV warnt – das Silber wird knapp




16.02.21 10:51
Miningscout.de

Eine Rekordflut von Kleinanlegern hatte sich vor zwei Wochen über die sozialen Medien verabredet und koordiniert den mit physischem Silber gedeckten ETF „SLV“ gekauft. Ziel war es den Silberpreis nach oben zu treiben, um die vermeintlich große Anzahl an Leerverkäufern in einem Short-Squeeze zur Eindeckung zu zwingen und den Silberpreis so auf 1.000 US-Dollar zu treiben. Wie im Marktkommentar vom 1. Februar gezeigt, ist der Silbermarkt viel größer als der Markt für kleine, vor dem Bankrott stehende Unternehmen wie GameStop (GME) oder AMC. Bei diesen beiden Aktien gelang es der Flut von Spekulanten tatsächlich einen Short-Squeeze zu verursachen, aufgrund einer seltenen überverkauften Situation und einer Fehleinschätzung der Hedgefonds Manager. Dennoch reichte die koordinierte Kraft der Kleinanleger nicht aus, um die ausgerufenen Kursziele bei beiden Aktien zu erreichen, Gewinne wurden mitgenommen und die Front brach ein, worauf die Kurse vom Hoch wieder um 85 % einbrachen, wobei ein großer Teil der Kleinanleger sehr hohe Verluste erlitten.


Immerhin gelang es dem Flashmob nach dem Start der Aktion #silversqueeze über drei Handelstage hinweg den Silberpreis von 25,20 US-Dollar auf 30,20 US-Dollar zu treiben. Der Silber-ETF „SLV“ erfuhr in dieser Zeit die größten Zuflüsse in seiner Geschichte. Dazu wurden die Silbermünzen und Barren der Edelmetallhändler über das Wochenende hinweg ausverkauft, wobei die amerikanischen Händler sogar auf Wochen hinaus nicht mehr lieferfähig sind. Die Aufschläge für Münzen und Barren schossen nach oben und die kurzfristige Knappheit an Silbermünzen bei den Einzelhändlern wurde von diesen Gruppen als Bestätigung für die Knappheit von Silber fehlinterpretiert.


Seither werben diese Gruppen in den sozialen Medien für ein Investment in Silber, was gut ist, denn der Silberpreis ist im Vergleich zur Inflation der Geldmenge tatsächlich historisch günstig. Würde es zu einer Remonetarisierung von Silber kommen, so würde der Silberpreis womöglich wirklich binnen kurzer Zeit auf 1.000 US-Dollar ansteigen. Es ist sehr gut, dass Millionen junger Menschen durch diese Aktion auf Silber als Geldmetall, seine Geschichte und seinem günstigen Preis aufmerksam gemacht werden, da diese so ermutigt werden für die Zukunft zu sparen und vorzusorgen, sowie über das destruktive Geldmonopol nachzudenken.


Nach der alten Berechnungsmethode der Teuerungsrate von 1980 lag der inflationsbereinigte Silberpreis bei 800 US-Dollar zu seinem Allzeithoch in 1980 Shortsqueeze ja oder nein?

Liest man in den Foren und auf Twitter etwas mit, so sind die Vorstellungen vom Silbermarkt und dessen Funktionsweise teilweise irreführend, falsch und illusorisch. Am Silbermarkt gibt es keinen großen privaten Shortseller, der einseitig und marktbeherrschend den Silbermarkt leerverkauft hätte, um den Preis nach unten zu treiben, in der Absicht damit Gewinn zu machen. Es gibt auch keine große nackte Shortposition am Terminmarkt, wie oft behauptet wird. Im Gegenteil hat sich die Masse der Spekulanten für einen weiter ansteigenden Preis positioniert. Potenzial für einen Shortsqueeze aus diesen Gruppen gibt es nicht.


Weiterhin gibt es große Gruppen, die diesem Unterfangen entgegenwirken.


Die Medien verglichen den Sieg der Kleinanleger gegen die Shortseller bei GME als Sieg von David gegen Goliath, doch ist der Silbermarkt eher mit Godzilla zu vergleichen.


Nach den Shortsellern versuchen die Reddit-Trader den Silbermarkt zu cornern und legen sich dabei mit dem PPT der US-Regierung an. Ob das gut geht?

Einen Short-Squeeze sehe ich erst einmal nicht auf den Silbermarkt zukommen, doch wird das neue Bewusstsein für Silber bei Millionen von Investoren zusätzliche Nachfrage entfachen und dies letztlich den Preisauftrieb von Silber verstärken. Steigt die Nachfrage, dann steigt der Preis. Das Potenzial für Silber ist enorm. Wenn die Werbetrommel für Silber weiterhin gerührt wird, so könnte die zusätzliche Nachfrage ein dauerhaftes Defizit am Silbermarkt erzeugen und den Preisauftrieb deutlich unterstützen. 100 US-Dollar je Feinunze scheinen dann in 2022 durchaus möglich zu sein. Dies dürfte jedoch nach dem alten Muster kurzer und heftiger Preisanstiege erfolgen, auf die starke Preisrücksetzer und eine Streckfolter folgen, bevor der nächste Preisanstieg beginnt.


SLV-ETF warnt vor starken Preisfluktuationen

Durch die Angriffe auf den Silberpreis erfolgten Zuflüsse in den Silber-ETF „SLV“ vom 29. Januar bis 3. Februar in Höhe von 3.416 Tonnen. Nie zuvor gab es binnen so kurzer Zeit so hohe Zuflüsse, was die Manager des ETFs vor große Probleme stellten. Sie hatten daraufhin am 3. Februar das Prospekt des ETFs geändert, um auf künftige Probleme hinzuweisen.


„Ein plötzlicher Anstieg der Nachfrage nach Anteilen, der das Angebot vorübergehend übersteigt, kann zu einer Preisvolatilität der Anteile führen. … Dies könnte zu volatilen Preisbewegungen der Anteile führen, die nicht direkt mit dem Silberpreis korreliert sind. … Der Handelspreis der Anteile war in letzter Zeit volatil und könnte es auch weiterhin sein.“


Es wird erklärt, dass man womöglich nicht in der Lage sein wird, noch einmal so große Mengen Silber kurzfristig für den ETF zu kaufen und entsprechend neue Anteile herauszugeben. Das bedeutet, dass bei entsprechender Nachfrage nach SLV-Anteilen der Preis dieser kurzfristig stark ansteigen kann, während der unterliegende Silberpreis diese Bewegung nicht mit nachvollzieht. Leerverkäufer dieser Anteile könnten dann starke Verluste erleiden, obwohl der Silberpreis nicht entsprechend gestiegen ist.


Der Silbermarkt hatte in der Vergangenheit bereits extreme Preisschwankungen erlebt, die oft in keinem Zusammenhang mit der Verwendung von Silber in Schmuck, Technologie und industriellen Anwendungen hatten, noch im Verhältnis zu den Förderkosten in den wichtigen produzierenden Ländern wie China, Mexiko und Peru standen.


Spekulanten könnten hier einen Angriffspunkt sehen, um einen Short-Squeeze bei den Leerverkäufern des ETF auszulösen, wenn dieser kurzfristig nicht genügend Silber in der Form erwerben kann, die für den Fonds akzeptabel sind, da in der Regel nur 1.000 Unzen Barren eingelagert werden. Für das Trading am Gold- und Silbermarkt bieten solch starke Preisschwankungen große Chancen, wenn man mit der hohen Volatilität, dank eines guten Risikomanagements, umgehen kann. Für Kleinanleger ist diese hingegen eher als eine Gefahr zu sehen, da diese erst nach Preissprüngen aufmerksam werden und oftmals dann kaufen, wenn der Preis kurz vor der Korrektur steht.


Mit den Lockdowns, dem Abbruch von Lieferketten und der gesunkenen Minenproduktion, sowie dem hochinflationären Umfeld, das zu gestiegener Investmentnachfrage durch Investoren und Spekulanten geführt hat, gibt es mittel- bis langfristig nur eine Richtung für Silber – nach oben! Rücksetzer bieten Kaufchancen, die man als Investor und als Trader nutzen sollte, um bei der nächsten Preisspitze nach oben, im neuen übergeordneten Bullenmarkt, dabei zu sein. 100 US-Dollar je Feinunze im nächsten Jahr sind kein Wunschdenken mehr, sondern könnten schneller Realität werden, als es sich manch einer vorstellen kann.


Kurzfristige Risiken aufgrund steigender Zinsen und eines stärkeren Dollars

Aufgrund der kurzzeitig extrem starken physischen Nachfrage, die immer noch nachwirkt und ein leichtes Defizit am Markt erzeugt, zeigte sich der Silberpreis deutlich stärker in den vergangenen Wochen als der Goldpreis. Der Goldpreis testete in der vergangenen Handelswoche wieder einmal die wichtige Unterstützung bei 1.800 US-Dollar (1.500 Euro) und damit die Unterseite seiner Handelsspanne. Der Silberpreis testete hingegen die Oberseite seiner Handelsspanne bei 28 US-Dollar, was diametral gegensätzlich ist – auch zu den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte. Normalerweise korrigiert der Silberpreis stärker als der Goldpreis in Korrekturen und steigt stärker während Anstiegen. Dass der Silberpreis nun hingegen haussieren kann, während der Goldpreis fällt, ist ein für Trader außergewöhnliches Ereignis, das eine Zeitenwende und Aufholjagd am Silbermarkt einläuten könnte.


Da sich der Silberpreis stärker zeigte, fiel das Gold-Silber-Ratio wieder auf 66,5. Wer zum Crashtief des Silberpreises, als das Ratio kurzzeitig auf 130 anstieg, all sein Gold verkaufte und in Silber investierte, ist nun in der Lage das Silber in die doppelte Menge Gold zurückzutauschen, was einer zusätzlichen Rendite von 100 % entspricht.


Die Zinsen und der US-Dollar steigen, was kurzfristig Verkaufsdruck beim Gold verursacht

Unter den Fondsmanagern und Ökonomen herrscht mittlerweile überwiegend die Meinung, dass sich die US-Wirtschaft in diesem Jahr deutlich erholen und die amerikanische Wirtschaft stärker als die der anderen Länder wachsen wird. Zusätzlich steigen die Zinsen, auch wegen der hohen Inflationserwartung, was wiederum dem US-Dollar Stärke zu den anderen Fiat-Papierwährungen verleihen dürfte. Die Stärke des Dollars zu anderem Papiergeld sorgt jedoch auch für kurzfristigen Abgabedruck auf den Goldpreis, der zuletzt immer wieder wichtige Unterstützungen angelaufen hatte. Sollten diese fallen, dann könnte es zu einem Long Drop unter den Spekulanten am Terminmarkt kommen, die historisch stark auf einen steigenden Preis gewettet haben.


Da auch am Silbermarkt eine extrem starke Spekulation vorherrscht, dürfte sich der Silberpreis dem kurzfristig nicht entziehen können und womöglich noch einmal die Unterseite der Handelsspanne anlaufen, auch wenn am physischen Markt ein Defizit vorherrscht. Dies böte Investoren und Spekulanten noch einmal die Chance halbwegs günstig im Silbermarkt ein- oder nachzukaufen, bevor der Silberpreis unter stetig steigender Investmentnachfrage in den nächsten beiden Jahren extrem stark ansteigen wird. Investieren Sie weiter in Silber!



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