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Kolumnist: Ralf Flierl

Rotation und rotes Band




17.05.18 15:23
Ralf Flierl



 
DAX, Euro und Rohöl im Überblick
Kopf oder Schulter? Seit Monaten befindet sich der Deutsche Blue-Chip-Index DAX im Korrekturmodus. Nach einem rund neunjährigen Aufwärtstrend kann man sich durchaus mehr vorstellen als eine bloße Korrektur. Jüngere Marktteilnehmer kennen echte Baissen des deutschen Aktienmarktes nur noch vom Hörensagen. Eine solche Sorglosigkeit macht einen echten Abwärtstrend sogar wahrscheinlicher, denn Börsen lieben die Überraschung. Marktteilnehmer finden an negativen Überraschungen naturgemäß keinen Gefallen. In den letzten Wochen haben wir mehrfach darauf hingewiesen, dass sich im DAX eine mögliche Schulter-Kopf-Schulter-Umkehrformation (SKS) aufbaut. Von einer „möglichen“ oder „potenziellen“ Formation sprechen wir immer dann, wenn diese charttechnisch erst in der Entstehungsphase ist. Das bedeutet aber auch, dass sie sich nicht vollenden muss. Die Vollendung einer SKS-Formation ist erst mit dem nachhaltigen Durchbruch durch die Nackenlinie gegeben, die die Tiefs zwischen den beiden Schultern verbindet. Andererseits hatte diese Arbeitshypothese auch eine klare Ausstiegsbedingung. Sollte der Index genügend Kraft entwickeln, das Hoch der möglichen linken Schulter zu überbieten, ist das Thema erst einmal ad acta gelegt. Wir rechten nicht mit dem Markt. Bei dieser „roten Linie“ handelt es sich allerdings eher um ein „rotes Band“ (vgl. Abb.). Der DAX ist nicht nur in dieses Band vorgedrungen, er hat es mit dem Überschreiten der Marke von 13.000 Punkten auch kurzzeitig nach oben durchstoßen. Aktuell befindet er sich wieder mittendrin, wo er seit Tagen unter geringen Schwankungen verläuft. Nicht nur ist die Entscheidung damit vertagt, auch sind Fehlsignale an umkämpften Marken keine Seltenheit. Daher sollte von einer Richtungsentscheidung erst gesprochen werden, sobald sich der Kurs überzeugend von dem Band nach oben/unten wieder gelöst hat. Eine solche Entscheidung dürfte dann wieder für einige Wochen den Grundton des Handels bestimmen. Sollte der Ausbruch nach oben erfolgen, kann das in der Folge sogar zu neuen Allzeithochs führen.

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Rotation am Top? Das derzeit insgesamt unentschlossene Bild des Index spiegelt sich auch in seinen Bestandteilen wider. Während einzelne Aktien intakte Aufwärtstrends aufweisen, sind andere bereits in einem Abwärtstrend. Thyssenkrupp (vgl. Abb.) ist einer dieser Titel, der sowohl unter der 200-Tage-Linie verläuft als auch eine Abfolge fallender Hochs und Tiefs aufweist. Allerdings handelt es sich dabei um einen der kleinsten DAX-Titel. Dagegen sehen die Kursverläufe bei SAP und Siemens, die zu den marktschwersten DAX-Komponenten gehören, deutlich konstruktiver aus. Bemerkenswert ist das langsame Zurückfallen von Dauerläuferaktien aus dem Konsumbereich wie Henkel, also genau jener Titel, die die Hausse der letzten Jahre maßgeblich mitgeprägt haben (vgl. Smart Investor 5/2018, S. 55). Derartige Favoritenwechsel bzw. Titelrotationen können Vorboten und Teil einer Top-Bildung sein. Die Wahrscheinlichkeit für diese Interpretation nimmt zu, wenn sich keine überzeugenden neuen Favoriten zeigen, die das Staffelholz der alten Favoriten übernehmen.

Schwache Vorstellung Allerdings schrieben wir zuletzt auch mehrfach von der eindrucksvoll robusten Reaktion des DAX auf mehrere irritierende, ja eindeutig negative Ereignisse der letzten Monate (Zuletzt „Zeichen der Stärke“ im SIW 19/2018): Ob drohender Handelskrieg, steigende US-Zinsen, eine verschärfte Rhetorik der NATO-Staaten gegenüber Russland, ob die jüngste Aufkündigung des Iran-Atomabkommens durch die USA oder der Kriegszustand an der israelischen Grenze, der DAX verweigerte einen Absturz. Das kann man wiederum nur als Zeichen der Stärke interpretieren. Eine der wesentlichen Ursachen für diese Stärke dürfte die Wechselkursentwicklung sein. Die in der Vergangenheit oft belegten Korrelationen zwischen dem exportlastigen DAX und dem Dollarkurs dürfte den Index derzeit unterstützen. Und diese Dollarstärke, die auch eine Euro-Schwäche ist, erscheint fundamental ziemlich gut unterstützt. Wir werden uns im nächsten Smart Investor 6/2018 ausführlicher mit diesem Thema befassen. Hier nur so viel: Als der US-Dollar seine Aufwärtsbewegung begann, wurden viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt. Die großen Spekulanten waren in einem rekordverdächtigen Ausmaß long im Euro, worauf Robert Rethfeld Ende April in seiner Wochenkolumne „Trio infernale mit extremer Spekulation“ auf wellenreiter-invest.de hinwies. Die relativ hohe Euro-Long-Positionierung veranlasste auch Manfred Hübner von sentix zu kritischen Anmerkungen, zumal sich der „Strategische Bias“ für den Euro da bereits deutlich abgeschwächt hatte. Dass aus diesem ersten Zucken noch sehr viel mehr werden könnte, wird klar, wenn man sich die Probleme des EU-Bankensystems in Erinnerung ruft, die natürlich auch nicht durch eine Fehlkonstruktion wie die EU-Bankenunion geheilt werden. Dr. Markus Krall nimmt im aktuellen Smart Investor dazu sehr profund Stellung und gibt sogar einen konkreten Zeitplan an (siehe auch unten).

Lunte am Pulverfass Hoher Optimismus herrscht derzeit zudem für Rohöl und Energieaktien. Angesichts der Vorgänge rund um den erdölreichen Iran und das Dauerspannungsverhältnis zu Russland ist das nur zu verständlich. Normalerweise würde man bei hohem Optimismus, der zudem politisch begründet ist, fast reflexhaft zu der Aussage der „politischen Börsen“ gelangen, die kurze Beine haben und daher nicht nachhaltig sind. Zwar ist es gut möglich, dass der Überoptimismus kurzfristig abgebaut wird, mittel- bis langfristig sind in dieser Gemengelage jedoch auch noch sehr viel höhere Kurse für das Barrel vorstellbar als aktuell. Das Thema steht und fällt mit dem Fortgang des neuen Iran-Konflikts und hier stehen die Zeichen aktuell nicht gerade auf Entspannung.

Musterdepot Aktien & Fonds Im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf unserer Homepage berichten wir heute über neue Transaktionen. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Big Bang innerhalb von zwei Jahren…

Wie der Unternehmensberater und Bestsellerautor Dr. Markus Krall im Interview im aktuellen Heft erläutert, steht unser Finanzsystem vor dem Abgrund. Seiner Ansicht nach dürfte der Auslöser für die Katastrophe im Bankensektor zu suchen sein. Warum dies so ist, und dass es nicht mehr 5 vor 12, sondern wahrscheinlich schon 20 nach 12 ist, lesen Sie bitte im Heft 5/2018 ab S. 74 nach.

Was das ganz konkret für uns Anleger bedeutet und wie man sich davor schützen kann, das wird unter anderem auf der diesjährigen Mark Banco Tagung in Hamburg am 2. Juni erläutert werden. Treffen Sie dort Gleich-Gesinnte und -Besorgte und sprechen Sie mit den Fachleuten zu diesem Thema. Auch SI-Chefredakteur Ralf Flierl wird vor Ort sein und für Diskussionen zur Verfügung stehen.

Den Flyer zur Veranstaltung finden Sie im Übrigen hier. Und da wir die Suche nach besserem Geld aus voller Überzeugung unterstützen, sind wir bei dieser Veranstaltung auch Kooperationspartner des IfAAM. Für Sie heißt das konkret, dass sie als Abonnent des Smart-Investor-Magazins im Rahmen des „Friends & Family“-Programm einen satten Rabatt von 50 EUR erhalten.

Nähere Informationen zur Veranstaltung und das Anmeldeformular finden Sie hier.


Fazit

Das vermutlich spannendste Börsenthema der nächsten Zeit wird die Kursentwicklung des Euro sein. Hier kumulieren neben hausgemachten Problemen auch die internationalen Krisen um Russland und den Iran, an denen die Europäer sehr viel näher dran sind als die USA. 

Ralph Malisch, Ralf Flierl


       

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