Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Rohstoffe: Silber stellt Gold in den Schatten




15.07.17 08:48
Redaktion boerse-frankfurt.de


Während Gold auf beiden Seiten gespielt wird, erkennen Anleger bei Silber Aufwärtstendenzen. Bei Öl scheiden sich die Geister. 12. Juli 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nachdem Rohstoffpreise im ersten Halbjahr mehrheitlich nachgaben - der breit gefasste Bloomberg Commodity Index büßte im Zeitraum gut 5 Prozent seines Wertes ein, sehen viele Rohstoffexperten eine Stabilisierung am Markt. 

Alles in allem beurteilt Dora Borbély die Stützpfeiler der Rohstoffpreisentwicklung als recht stabil. Mehr sei angesichts dünn gesäter positiver Überraschungen seitens der Realwirtschaft aber nicht in Sicht. "Die Märkte haben begriffen, dass die euphorischen Stimmungsindikatoren derzeit wenig Aussagekraft für die tatsächliche Nachfrageentwicklung haben", beschreibt die Analystin der DekaBank, die für die kommenden Wochen eine volatile Seitwärtsbewegung der Rohstoffnotierungen erwartet. Längerfristig erkennt Borbély Potenzial nach oben. Die Überkapazitäten der vergangenen Jahre seien mittlerweile abgebaut, nachdem das niedrige Preisniveau die Investitionstätigkeit im Rohstoffsektor gebremst habe. 

Licht und Schatten bei Gold


Der Handel mit Rohstoff-Produkten ist Oliver Kilian zufolge zweigeteilt und geprägt von Edelmetallen. "Während im Juni insgesamt die Käufe dominierten, stehen im Juli leichte Abgaben im Vordergrund", beschreibt der Händler der UniCredit. Das in seinen Büchern meist gehandelte Xetra-Gold (WKN A0S9GB) lande unterm Strich in den Anlegerdepots. Mit einem Goldbestand von 167,55 Tonnen Ende Juni erzielte Xetra-Gold einen neuen Rekord, seit Jahresbeginn beträgt der Zuwachs rund 50 Tonnen. Auch der Physical Gold Euro Hedged (WKN A1EK0G) findet laut Kilian überwiegend Abnehmer. Gleichzeitig würden der ETFS Physical Gold (WKN A0N62G) sowie der Gold Bullion Securities (WKN A0CANA) ausgeglichen in beide Richtungen gehandelt.

Lediglich Inflationsausgleich


Mit dem Plus bei US-Renditen im Juni fiel der Goldpreis laut Borbély kräftig, aktuell ist eine Feinunze für 1.219 US-Dollar zu haben. "Steigende Zinsen erhöhen die sogenannten Opportunitätskosten der Goldhaltung, machen also Gold gegenüber anderen Anlagenklassen relativ gesehen unattraktiver, weil es keine laufenden Erträge abwirft", erklärt die Analystin. Dennoch hätten sich Anleger bislang nicht irritieren lassen, im Juni seien die Goldbestände der ETFs global leicht aufgebaut worden. Vor dem Hintergrund steigender Zinsniveaus prognostiziert die DekaBank auf US-Dollar-Basis einen moderat steigenden Goldpreis, der auf lange Sicht nicht viel mehr als einen Inflationsausgleich biete. 

Anleger vertrauen auf Silber


Was Silber angeht, scheinen Investoren Aufwärtspotenzial zu vermuten. Werte wie den Physical ETC Euro Hedged auf Silber (WKN A1EK0J) führt Kilian auf der Kaufseite. Jan-Hendrik Hein von ETF Securities wertet das Plus bei Silberprodukten (WKN A0N62F) in Höhe von knapp 35 Millionen US-Dollar auf Wochensicht als Zeichen sich verändernder Erwartungen. "Nach den höchsten Zuflüssen seit sieben Wochen zu urteilen, rechnen Anleger mit einer Trendumkehr." Unter anderem aufgrund der immer noch verhaltenen Industrienachfrage sei Silber mit einem Preisrückgang von fast 3 Prozent seit Januar Nachzügler im Edelmetallsektor. Allerdings lagere an der New Yorker Rohstoffbörse Comex im Moment so viel Silber wie zuletzt im April 1995. 

Gemengelage bei Öl uneinheitlich  

Auf die fallenden Ölpreise reagieren Anleger zum Teil mit Neupositionierungen in Öl-Produkten. Brent- (WKN A1AQGX) und WTI-ETCs (WKN A0KRKU) werden Kilian zufolge sehr rege gehandelt und zumeist gekauft. "Im gesamten Energiesektor hatten wir nahezu ausschließlich Zuflüsse", beschreibt der Händler.

ETF Securities meldet dagegen erstmals seit Ende Mai Abflüsse aus Rohöl-ETCs (WKN A0KRJX) in Höhe von insgesamt 18,8 Millionen US-Dollar in der vergangenen Woche. Trotz des überraschend starken Rückgangs der US-Lagerbestände um 6,2 Millionen Barrel stelle sich die Frage, ob der Rohölmarkt in diesem Jahr ein Gleichgewicht findet. Denn noch würden die Bemühungen der OPEC untergraben, das Angebot angesichts der schleppenden Nachfrage zu senken.


KilianKilian   Höhere Öl-Preise wahrscheinlich  

Der globale Ölmarkt wird noch immer von einem Überangebot dominiert, wie Borbély anmerkt. Die OPEC-Ölförderung sei aufgrund der Zunahme in Libyen und Nigeria angestiegen. Zudem wachse nach wie vor die US-Ölproduktion. Durch den politischen Willen, die Förderung von fossilen Energieträgern zu unterstützen, werde die US-Fracking-Produktion nur noch durch die Frage der Wirtschaftlichkeit begrenzt. Zum Ausbau der Förderkapazitäten benötigten neue US-Anlagen allerdings Preise zwischen 45 und 55 US-Dollar, um kostendeckend zu arbeiten. Bereits erschlossene Produktionsstätten kämen mit 24 bis 38 US-Dollar pro Barrel aus. Unterhalb von 45 US-Dollar über einen längeren Zeitraum sinke demnach die Ölproduktion in den Vereinigten Staaten. Die DekaBank-Analystin rechnet mit durchschnittlichen Preisen zwischen 50 und 55 US-Dollar pro Fass gegen Ende des Jahres und 2018.


BorbélyBorbély  

Kupfer bleibt gefragt


Die Zuflüsse in Kupfer-ETCs (A0KRJU) die achte Woche in Folge täuschen laut ETF Securities darüber hinweg, dass die zugrundeliegende Industrienachfrage gedämpft bleibt. Die globalen Vorräte hätten in den vergangenen Handelstagen zugenommen, auch wenn sie unter den Mehrjahreshochs vom Februar 2017 geblieben seien. "Da für 2017 ein Angebotsdefizit vorausgesagt wird und die International Copper Study Group einen Anstieg der Nachfrage prognostiziert, dürfte sich die Rally allerdings fortsetzen", meint Hein. 

von: Iris Merker
12. Juli 2017, © Deutsche Börse AG



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